Zukunft der Moschee auf den Fildern So bewertet Dekra das Gebetshaus

Von dem Kulturhaus – dem Erweiterungsbau der Moschee – steht bisher nur das Untergeschoss. Dort ist Wasser eingedrungen. Foto: Natalie Kanter

Experten der Prüfanstalt haben die Moschee auf den Fildern unter die Lupe genommen und nun ihre Erkenntnisse im Detail vorgestellt. Sie stellen dem Gotteshaus und den bisherigen Bauherren kein gutes Zeugnis aus.

Filderzeitung: Natalie Kanter (nak)

Am Donnerstagabend sind etliche Oberaichener nach Echterdingen gekommen. Auch der VKBI-Chef Muhammet Güçlü und andere Vertreter der muslimischen Gemeinde haben in der Zehntscheuer Platz genommen. Die von der Stadt beauftragten Experten von Dekra haben ihr Gutachten zum Bauzustand der Moschee auf den Fildern in einer dafür extra einberufenen Sitzung des Gemeinderates erläutert. Oliver Schulze, externer Sachverständiger der Dekra-Niederlassung Heilbronn, und weitere Kollegen stellten ihre Erkenntnisse vor.

 

Sie hatten zuvor Unterlagen zum Gebetshaus gesichtet, geordnet und ausgewertet. Sie haben sich auf der Baustelle umgeschaut, das Gebäude untersucht, sich die Ausführungen aller Gewerke im Detail angeschaut. „Das Moscheegebäude ist jetzt wohl das am besten untersuchte Gebäude, das jemals in Leinfelden-Echterdingen gebaut wurde“, wird nun hinter vorgehaltener Hand gewitzelt.

Eine Lösung muss gefunden werden

Fest steht: Die Prüfer haben der Moschee auf den Fildern und damit auch den bisherigen Bauherren – dem muslimischen Verein VKBI und seinem Kölner Dachverband VIKZ – kein gutes Zeugnis ausgestellt.

Die Ergebnisse sind Wasser auf die Mühlen jener, die den Moscheebau im Oberaichener Gewerbegebiet schon immer abgelehnt haben. Tatsache aber ist, dass eine Lösung gefunden werden muss. Denn die bisherigen Gebetsräume der Muslime in Echterdingen sind marode. Die muslimische Gemeinde braucht einen anderen Ort, um ihren Glauben ausüben zu können.

Das Gebetshaus ist – zumindest von außen betrachtet – weitestgehend fertig gestellt, stellte Oliver Schulze fest. Handwerker haben Wände erstellt, Decken eingezogen, Fußböden eingebaut, Putz- und Malerarbeiten durchgeführt. Probleme haben die Experten bei den Geländern festgestellt. Die Montage der Fensterelemente sei zudem eine besondere Konstruktion. Es fehle der Nachweis, dass es sich um absturzsicheres Glas handele. Abweichungen zu den einst erstellten Baugenehmigungen wurden festgestellt, diese Änderungen müssten nachträglich beantragt und genehmigt werden.

Gleiches gilt auch für den Erweiterungsbau des Gotteshaus, der in der Präsentation der Dekra als ein Kulturhaus bezeichnet wird. Von diesem Trakt steht bisher nur das Untergeschoss. Die sanitären Räume, die Küche und die Technikräume für den gesamten Komplex sind darin untergebracht. Aufgrund seiner bisher nur provisorischen Decke ist Wasser in den Anbau eingedrungen, haben die Prüfer festgestellt. Der Grundwasserspiegel stehe zudem zwei Meter über der Oberkante der Bodenplatte, erklärte Oliver Schulze. Dadurch entstehe ein Wasserdruck von unten auf die Bodenplatte. „Das Gebäude braucht ein gewisses Eigengewicht, damit es nicht davon schwimmt“, betonte er. Aktuell pumpt eine Pumpe das Grundwasser in den öffentlichen Kanal, der Spiegel wird so abgesenkt. Genehmigt sei dieses Vorgehen allerdings nur für die Bauzeit gewesen.

Auch der schon seit Jahren andauernde Baustopp – ausgelöst durch den Streit um den Weiterbau der Moschee auf den Fildern und ein umstrittenes Schülerwohnheim, das die Bauherren einst dort ebenfalls geplant hatten – haben dem Gebäude nicht gut getan. Die Witterung hat die Fassade angenagt, Putzflächen sind bereits wieder abgefallen. „Hier gibt es einen Handlungsbedarf im größeren Maße“, sagte Oliver Schulze.

Die Wärmeplanung muss erneuert werden, das Heizungskonzept neu gedacht werden. Sämtliche Bauanträge für das Gebäude müssen möglicherweise neu genehmigt werden. Probleme tauchen zudem bei der Gewährleistung und der Beurteilung von Bauleistungen auf, weil Unterlagen fehlen. Es fehlen auch Nachweise für den gelieferten Beton und auch dafür, ob das Gebäude überhaupt standsicher ist.

Wichtige Nachweise fehlen

Selbst wenn man das Gebäude, so wie es jetzt dasteht, fertig bauen will, müssten weitere 2,5 Millionen Euro netto investiert werden, hat eine Dekra-Sachverständige berechnet. Ein Abriss des Gebäudes wäre günstiger zu haben. Sollte ein neuer Eigentümer – also die Stadt oder auch ein Investor – und damit ein Dritter – das Gebäude fertig bauen, dann sei in jedem Fall mit einem Planungsrückschritt und mit mehr Kosten zu rechnen, betont die Prüfanstalt. Die Experten raten zu einer gutachterlichen Untersuchung der noch unklaren baulichen Ausführungen.

„Das Gutachten hat meines Erachtens deutlich aufgezeigt, dass es an dem Gebäude noch viele offene Baustellen und nicht unerhebliche Risiken gibt“, sagte Oberbürgermeister Otto Ruppaner unserer Zeitung einen Tag nach der Sondersitzung. Es sei jetzt klar, „dass jeder, der das Gebäude übernehmen möchte, mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert sein wird“. Insbesondere die abgelaufenen Baugenehmigungen, die fehlende Dokumentation sowie nicht vorhandene Gewährleistungen stellten ein schwer kalkulierbares Risiko dar.

Die nächsten Schritte

Vergangenheit
Der muslimische Verein VKBI hat sich mit Hilfe seines Dachverbandes VIKZ und mit Hilfe von Spenden an der Wilhelm-Haas-Straße/Raiffeisenstraße in Oberaichen ein Gebetshaus gebaut – allerdings nicht fertig. Zum Weiterbau hatte es über Jahre hinweg Streit mit der Stadt Leinfelden-Echterdingen gegeben, drei Gerichte hatten sich mit dieser Auseinandersetzung befasst. Mittlerweile gehört die Moschee der Stadt.

Zukunft
Das Gutachten wird eine entscheidende Rolle spielen bei der Frage, wie es mit der Moschee weitergehen wird. Im nächsten Schritt werden laut Rathauschef Otto Ruppaner Gespräche mit den bisherigen Bauherren geführt. Auch ein Gespräch mit der Bürgergemeinschaft Oberaichen ist geplant. Noch vor der Sommerpause wird es eine Klausurtagung geben. Dann soll der Gemeinderat entscheiden, was aus Gebäude wird, was auf dem Grundstück künftig passieren wird.

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