Eine Technologie, die sich rasend schnell entwickelt – unter diesem Eindruck von Künstlicher Intelligenz (KI) steht nicht nur der Bosch-Geschäftsführer Stefan Hartung. „Der Wandel beschleunigt sich jede Woche“, sagte Hartung am Mittwochabend bei einer Podiumsdiskussion der Stuttgarter Zeitung unter dem Titel „Künstliche Intelligenz – Wie die digitale Revolution Baden-Württemberg verändert“. Seit KI mit ChatGPT in die breite Öffentlichkeit gekommen sei, erzeuge sie „große Sorgen und große Heilsversprechen“, stellte StZ-Chefredakteur Joachim Dorfs in seiner Moderation der Runde fest. Die Podiumsdiskussion war Teil der Gesprächsreihe „Zukunft der Region“, die die Stuttgarter Zeitung gemeinsam mit der Unternehmensberatung Roland Berger und der L-Bank veranstaltet .
KI sei bei Bosch bereits fest integriert, betonte Hartung: „Alle unsere Produkte enthalten entweder KI oder sind damit hergestellt worden.“ Neu sei die Frage, „wie ich solche Systeme nutze, um die Daten zu erzeugen, die ich brauche“, so der Chef des Maschinenbaukonzerns – beispielsweise künstlich erzeugte Bilder von fehlerhaften Bauteilen, mit denen sich eine neue KI trainieren lasse, die wiederum in der Produktion bei der Prüfung helfe. Menschliche Arbeit werde dabei nicht verschwinden: „Bisher war immer genug zu tun, egal was erfunden wurde“, sagte Hartung.
Baden-Württemberg im globalen Wettrennen um Innovationen und Köpfe
Die Nutzbarmachung von KI sei ein „globales Wettrennen“, erklärte Hasmeet Kaur, Global Managing Director und KI-Expertin bei der Unternehmensberatung Roland Berger. Während bei KI-Systemen für Privatnutzer Firmen aus den USA und China führend seien, liege die große Chance in Deutschland im Bereich Unternehmensanwendungen – sowohl für Produktivitätsgewinne als auch für neue Geschäftsfelder. „Hier kann Deutschland zum Innovator und weltweit führend werden“, so Kaur.
Florian Stegmann, baden-württembergischer Staatsminister, betonte die Innovationskraft in der Verwaltung – auch wenn diese, wie Moderator Joachim Dorfs anmerkte, nicht immer als „Frontrunner“ bei neuen Technologien bekannt seien. Stegmann berichtete vom KI-Tool „F13“, das man in einer „sehr befruchtenden“ Zusammenarbeit mit dem Heidelberger Start-up-Unternehmen Aleph Alpha entwickelt. Landesbedienstete können damit Dokumente zusammenfassen und große Textmengen durchsuchen, doch das sei nicht die einzige Funktion, sagte Stegmann: „Was wir damit auch ermöglichen, ist Fortbildung. Man darf keine vertraulichen Daten bei ChatGPT eingeben, muss aber ein Gefühl für KI entwickeln.“ Der Einsatz sei angesichts des Fachkräftemangels unumgänglich.
Dass die baden-württembergische Landesregierung seit fast zehn Jahren KI-Entwicklung unterstütze, sei „herausragend“, sagte Rebecca Reisch, Geschäftsführerin des Cyber Valley. In dem Tübinger und Stuttgarter KI-Verbund forschten zahlreiche internationale Wissenschaftler auf Weltniveau, man bilde jährlich tausende von ihnen aus. „Wir können unsere Wirtschaftskraft nur erhalten und technische Souveränität schaffen, wenn wir Talente aus dem Ausland anwerben“, mahnte Reisch an. Teils fehle hierzulande jedoch noch die Risikobereitschaft, um KI-Unternehmen zu gründen.
Wasser auf die Mühlen von Sven Körner, selbst Gründer des Start-up-Unternehmens Things Thinking, das große Textmengen auswertet. Er forderte in der Diskussion mehr Geschwindigkeit bei der Einführung und Entwicklung von KI. „Der Rest der Welt wartet nicht“, so Körner. Ein wichtiger Schritt seien kleine, schnell agierende Firmen ohne Angst vor Fehlern, „nur die kriegen einen Wettbewerbsvorteil“ – mit vermehrter Kooperation zwischen Unternehmen, die in Einrichtungen wie dem Heilbronner KI-Innovationspark Ipai stattfinden. Mit Blick auf überhöhte Erwartungen beispielsweise an selbstfahrende Autos, die schon lange versprochen würden, betonte Körner jedoch auch: „Perfekt sind die Maschinen nicht, aber in Symbiose mit dem Menschen immer besser.“