Weil die Porsche-Millionen nicht mehr sprudeln, will man in Weissach Prioritäten setzen. Ganz oben auf der Liste: Ein Ärztehaus, dass in der Alten Strickfabrik umgesetzt werden könnte.

Für Weissach ist es ein Jahrhundertprojekt: Die kleine Gemeinde im Landkreis Böblingen will ihre Ortsmitte aufmöbeln, nicht nur schicker und grüner soll sie werden, sondern auch neuen Gewerbe- und Wohnraum bekommen. Das aufwendige Projekt ist seit der Auswahl eines Siegerentwurfs vor gut vier Jahren allerdings immer wieder ins Stocken geraten.

 

Zuerst hatten nötige Planungen zum Hochwasserschutz die Neue Ortsmitte ausgebremst. Zaghafter, als es sich so mancher im Rathaus wünschen würde, wird es mit dem Projekt wahrscheinlich auch ab sofort weitergehen – denn mit dem Einbruch der Porsche-Bilanz fehlen der Gemeinde alleine in diesem Jahr rund 62 Millionen Euro Gewerbesteuer. Angesichts dessen hatte Bürgermeister Jens Millow schon vor einigen Wochen gegenüber unserer Zeitung angekündigt: Geht es um die Projekte der Gemeinde, müsse man nun Prioritäten setzen.

Fehlende Porsche-Millionen: Ärztehaus in der Alten Strickfabrik wäre günstiger

Für den Bürgermeister selbst relativ weit oben auf dieser Liste steht: Ein Ärztehaus. In den bisherigen Planungen der Neuen Ortsmitte war das eigentlich für ein Eckgebäude am Marktplatz angedacht. Bis das bezugsfertig steht, würde es allerdings noch einige Jahre dauern – und eine Stange Geld kosten. Geht es nach dem Rathauschef, könnte das Ärztehaus stattdessen auf ein Gebäude ausweichen, dass es schon gibt: Nämlich die Alte Strickfabrik.

„Die Idee schwirrt schon länger im Bürgermeisterkopf herum“, so Millow auf Nachfrage unserer Zeitung. Das historische Backsteingebäude wurde Ende der Nullerjahre aufwendig saniert, ist laut Bürgermeister „schön anzuschauen und in einem hervorragenden Zustand“. Bisher wird das Gebäude von Musikschule, VHS und vereinzelt für Veranstaltungen genutzt, für letztere hatte bis zuletzt eine ortsansässige Eventagentur einen Pachtvertrag.

Machbarkeitsuntersuchung für Ärztehaus in der Strickfabrik steht an

Voll ausgeschöpft ist das Potential der Strickfabrik für Jens Millow scheinbar aber nicht. Ein Ärztehaus wäre derweil relativ einfach umgesetzt, es bräuchte nur einen „relativ kostengünstigen“ Innenausbau. „Die Fabrik ist schon da“, so Millow. „Sonst müssten wir neu bauen. Wir gewinnen da mehrere Jahre.“

Bei der Frage, welche Ärzte genau einziehen würden, wird Millow aber noch nicht konkret. „Es geht vor allem darum, die bestehenden Ärzte in der Gemeinde zu halten und adäquat unterzubringen“, sagt er. Die Gemeinde will ihre Optionen nun mit einer Machbarkeitsuntersuchung erkunden, ein erstes grünes Licht hatte sich der Bürgermeister laut eigener Aussage schon bei einer Sondersitzung im Oktober vom Gemeinderat eingeholt.

Regionalmarkt und andere Veranstaltungen: Wohl nicht mehr in der Strickfabrik

Für einige Akteure würde ein Ärztehaus in der Strickfabrik derweil auch einen zeitnahen Umzug bedeuten. Für VHS und Musikschule suche man jetzt schon nach anderen Räumlichkeiten, so Millow. Auch einige Veranstaltungen, die traditionell in der Strickfabrik stattfinden, müssten dann ausweichen. Die Veranstalter des Regionalmarkts haben bereits angekündigt, dass die diesjährige Aussgabe im Herbst wohl die letzte in der Alten Strickfabrik war.

Gegenüber unserer Zeitung betont Millow, dass das Gebäude bis mindestens Mitte 2026 genutzt werden könne, blockiert wäre es, „wenn alles gut geht, erst sehr gegen Ende des Jahres.“ Das Rathaus hatte gegenüber den Weissacher Vereinen und Institutionen zunächst kommuniziert, dass die Alte Strickfabrik „im Jahr 2026“ für Veranstaltungen nicht zur Verfügung stünde. So heißt es in einer E-Mail, die unserer Redaktion vorliegt.