Zukunft des Klinikverbundes Ein Treueschwur mit Verfallsdatum

Geht es nach dem Landrat, bleibt der Rund-um-die Uhr-Betrieb in Leonberg. Foto: Simon Granville

Landrat Bernhard hat erkannt, dass er zur Zukunft der Leonberger Klinik nicht schweigen kann. Beruhigen kann das nur bedingt, meint unser Redaktionsleiter Thomas K. Slotwinski

Leonberg: Thomas K. Slotwinski (slo)

Roland Bernhard entschärft so manches heikle Thema mit einer Prise Humor. „Ich habe beim Geschäftsführer nachgeschaut, ob er Handschellen bei sich hat. Aber ich habe keine gefunden“, kommentierte der Landrat des Kreises Böblingen jetzt den Bericht, wonach ein Chefarzt im Krankenhaus Leonberg, dessen Probezeit nicht in eine Festanstellung gemündet war, von seinem Arbeitsplatz förmlich weggeführt wurde.

 

Was bestenfalls skurril klingen mag, hat einen ernsten Hintergrund. Die Lage in Leonberg ist angespannt. Zwei Chefarzt-Abgänge in kurzer Zeit sorgen für Unruhe. Insbesondere, wenn die Leiterin der Inneren Klinik sich bei zahlreichen Patienten großer Beliebtheit erfreut, in der Stadtgesellschaft präsent ist und zu einer deutlichen Imagesteigerung des Hauses beigetragen hat.

Was letztlich zum Abgang von Barbara John beim Klinikverbund Südwest geführt hat, das wollte der Landrat mit dem Hinweis auf Vertraulichkeit auch jetzt bei seiner Sommerpressekonferenz nicht sagen. Doch es ist müßig, über die Hintergründe einer Trennung zu spekulieren, die offensichtlich nicht mehr rückgängig zu machen ist.

Denn die prominenten Personalien sind ja nur ein Teil des Ganzen, das zur Unruhe in der eigentlich so ruhig gelegenen Klinik geführt hat. Viel mehr Sorgen bereitet etlichen hiesigen Kommunalpolitikern und noch mehr Bürgern der Umstand, dass eine lange zugesagte wie augenscheinlich nötige Sanierung vor mehr als zwei Jahren kassiert wurde, offiziell mit dem Hinweis auf die nicht absehbaren Auswirkungen der bundesweiten Krankenhausreform. Begriffe wie „Pinselsanierung“ machen die Runde, also allenfalls eine optische Aufhübschung.

Die Zentrale Notaufnahme ist Leonberg stark frequentiert. Foto: Simon Granville

Dass das im Bau befindliche Großklinikum am Böblinger Flugfeld mittlerweile mehr als 800 Millionen Euro kostet, lässt die Befürchtung nicht abwegig erscheinen, dass dafür die kleineren Häuser im Verbund zur Ader gelassen werden. Selbst Helmut Noë, ein integerer wie umsichtiger Kommunalpolitiker, der in seiner aktiven Zeit als Chef der CDU-Kreistagsfraktion die Pläne für die Flugfeldklinik im Wesentlichen immer mitgetragen hat, stimmt mittlerweile lautstark in die Bedenken ein.

Es mag sein, dass die aktuelle Aufregung den Landrat dazu bewogen hat, das Bekenntnis zum Krankenhaus Leonberg, das die CDU von ihm fordert, tatsächlich zu geben. Schon bei den heftigen Protesten vor zwölf Jahren, als es um die grundsätzliche Existenz der Klinik ging, lenkte Roland Bernhard ein.

Blick in die Erstversorgung im Krankenhaus Leonberg Foto: Simon Granville

Mit einer Mischung aus Erfahrung und politischem Instinkt nimmt er Strömungen und Gefechtslagen auf. So versucht er sich auch diesmal am Spagat, einerseits sein Herzensprojekt Flugfeldklinik zum für ihn krönenden Abschluss zu führen. Andererseits kann er die Menschen in der Region Leonberg nicht verprellen, die einen Großteil des gesamten Landkreises ausmacht.

Bernhard ist freilich klug genug, die Überlebensgarantie für die Leonberger Klinik nur bis zum Ende seiner Amtszeit in fünf Jahren auszustellen. Wie die Rahmenbedingungen in der sich dramatisch schnell ändernden Gesundheitspolitik bis dahin aussehen, kann in der Tat heute niemand sagen. Aktuell ist es wichtig, dass das Krankenhaus den Status der Grund- und Regelversorgung mit einen Rund-um-die Uhr-Betrieb behält.

Die Leonberger Bevölkerung und die Kommunalpolitiker sollten Bernhard beim Wort nehmen und genau drauf achten, dass die Treueschwüre mit Leben erfüllt werden. Der Landrat wiederum sollte sich gemeinsam mit dem Klinikverbund-Geschäftsführer Alexander Schmidtke darüber im Klaren sein, dass die Wellen sehr schnell wieder hoch schlagen können. Wobei noch nicht ausgemacht ist, ob sie wirklich abebben.

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