Wer in den vergangenen Jahren durch das Stern-Center in der Sindelfinger Innenstadt geschlendert ist und dort geshoppt hat, könnte den Eindruck gewinnen, dass die Anzahl der Läden schon einmal größer war, die Geschäfte namhafter waren und das Shoppingcenter an Strahlkraft eingebüßt haben könnte. Dieses Gefühl wird bestärkt, da große Marken wie McDonald’s oder H&M, die ebenfalls im Stern-Center vertreten waren, ihre Filialen vor wenigen Jahren aufgegeben haben. Trügt der Anblick vieler leerer Ladenflächen nur oder hat das vor über 20 Jahren gegründete Einkaufszentrum in prominenter Lage seine beste Zeit bereits hinter sich?
Christian Trapmann ist einer, der sich mit dieser oder ähnlichen Fragen täglich beschäftigt. Immerhin ist er seit Dezember 2019 der Centermanager. In den vergangenen beiden Jahren war die Arbeit Trapmanns von den Auswirkungen der Coronapandemie geprägt. Dass das Stern-Center, ähnlich wie viele andere Einkaufstempel, seither wirtschaftlich keinen Höhenflug erlebt hat, daraus macht der Centermanager keinen Hehl: „Natürlich sind die Besucherzahlen seit Pandemiebeginn zurückgegangen. Corona hat uns einen großen Strich durch die Rechnung gemacht. 2022 verzeichnen wir aber eine deutliche Steigerung. Wir sehen Licht am Ende des Tunnels. Es geht in die richtige Richtung“, äußert sich Trapmann optimistisch.
Alleinstellungsmerkmal: Nahversorgung
Gerade weil die wirtschaftliche Entwicklung des Stern-Centers, das zwischen S-Bahnhof, Zentralem Omnibusbahnhof und Altstadt eigentlich über einen besonderen Standort verfügt, in den letzten Jahren nicht mehr steil nach oben geführt hat, verstärkten die Betreiberfirma, die Multi Germany GmbH, und Christian Trapmann ihre Bemühungen, dem Einkaufszentrum ein eigenes Gesicht zu geben. „Wir arbeiten seit Jahren an einer Strategie, das Stern-Center gut aufzustellen und einen USP, einen sogenannten ‚Unique Selling Point’, zu geben. Die Stoßrichtung heißt, keine zweite oder dritte Kopie großer Einkaufszentren zu sein, sondern als Nahversorger mit Mode- und Einzelhandelsgeschäften und Gastronomie, vor allem aber mit Dingen des täglichen Lebens bei den Kunden zu punkten“, erklärt Trapmann.
Trotz aller Schwierigkeiten sei erfreulich, „dass uns kein Laden aus coronaspezifischen Gründen verlassen hat.“ Große Einzelhändler wie C&A haben dem Center die Treue gehalten, sind nur innerhalb des Hauses umgezogen. Auch geblieben sind Marken wie New Yorker, Woolworth, Deichmann oder die Drogeriemarktkette dm. Und mit dem jüngst hinzugekommenen griechischen Restaurant, so Trapmann, habe man ein glückliches Händchen gehabt. Mut habe auch das Kino Cinemaxx bewiesen. „Im letzten Jahr wurden dort nochmals die Säle umgebaut“, erläutert der Centermanager. Und da sich das Center trotz Offenheit großen Marken gegenüber, wie es auch das Breuningerland im Osten von Sindelfingen pflegt, auf sein Mischkonzept als Nahversorger konzentrieren möchte, suchte Trapmann noch nach einem Supermarkt. „Hier haben wir Positives zu vermelden. Mit der Firma ‚tegut’ bekommen wir, was uns noch gefehlt hat“, kündigt der Manager an.
Flexibel und offen agieren
Die Pandemie hat gezeigt: Wer flexibel unterwegs ist und unterschiedliche Nutzungen miteinander vereinbaren kann, ist im Vorteil. Diese Erkenntnis versucht sich offenbar auch das Stern-Center zu eigen zu machen. Mit dem Kulturraum, in dem Künstler ausstellen und die Stadt wiederholt Bürgerinformationsveranstaltungen abgehalten hat sowie der Leseecke mit einer Auswahl an Büchern generiere man Frequenz. „Diese Nutzungen haben sich aus unserer Sicht bewährt. Wir beobachten durchaus Interesse für die ausgestellte Kunst oder das Bücherangebot in den Regalen“, sagt der Centermanager.
Während der Kulturraum auch mittelfristig denkbar ist, hat das Stern-Center mit dem Kreisimpfstützpunkt eine Interimslösung gefunden. „Das Kis ist extrem wichtig. Aufgrund unserer Lage, nah an Bus und Bahn und unserem Parkhaus, kommen viele Menschen vorbei, um sich impfen zu lassen“, erzählt Trapmann. Bis März jedenfalls soll das Kis dort bleiben. Dann wird an diesem Ende des Einkaufszentrums aber zunächst eine neue Lücke klaffen, die mit einem neuen Mieter gefüllt werden muss.
Auch andere Shopping-Center haben Leerstand
Das Mischnutzungskonzept und die Rolle als Nahversorger bewertet die Wirtschaftsförderung (WSG) der Stadt Sindelfingen positiv. „Es blieb natürlich nicht im Verborgenen, dass es im Stern-Center einen Leerstand gibt. Das haben andere Shoppingcenter aber auch, da dies eine Nachwirkung von Corona ist“, erklärt Felix Rapp, Geschäftsführer der WSG und führt an: „Wir unterstützen die Orientierung des Centermanagements hin zu einem Hybrid-Shoppingcenter mit Nahversorgeranspruch, das durch unterschiedliche Angebote Frequenzen schafft.“
Ob das weiterhin durch Kultur- und Bürgerveranstaltungen ist, durch Pop-up-Läden, die zeitweise ins Stern-Center einziehen, oder gar einen Campus einer möglicherweise in der Zukunft geschaffenen Hochschule in Sindelfingen, da zeigt sich auch der Wirtschaftsförderer offen: „Wir begleiten gerne. Aufgrund der zentralen Innenstadtlage und des Konzepts besteht ein Weg in die Zukunft.“ Christian Trapmann würden solche Szenarien sicher gut gefallen, so könnte das Stern-Center auch ein kleines Stückchen aus dem Schatten des großen Shopping-Nachbars im Osten Sindelfingens treten.
Die großen Shoppingcenter sind gut durch die Krise gekommen
Vorsichtiger Optimismus
Trotz Coronapandemie sind die großen Shoppingcenter in der Region offenbar gut durch die Krise gekommen. Leerstände halten sich überall in Grenzen.
Neueröffnungen
Im Kreis Böblingen steht das Breuningerland in Sindelfingen an der Spitze der beliebtesten Shoppingcenter. Auf Anfrage teilt das Centermanagement mit, dass die Mieterschaft „sehr stabil“ sei. Erst jüngst habe es Neueröffnungen von Marken wie „Labels to watch“, „Dunkin Donuts“ und „Foot Locker“ gegeben. Welche Auswirkungen die Coronapandemie und die anstehende Energiekrise auf die Erweiterungspläne des Breuningerlands – Stichwort Goldbachquartier – haben, dazu gab das Centermanagement keine Auskunft.
Positive Stimmung
Ebenfalls positiv verläuft die wirtschaftliche Entwicklung im Breuningerland in Ludwigsburg, dem Milaneo und dem Gerber in Stuttgart. Auch das Leo-Center in Leonberg nähere sich dem Vor-Pandemie-Niveau an, aber auch dort gibt es Leerstand. In anderen Shoppingcentern konnten teilweise Lädenzuwächse verzeichnet werden.