Zukunft des Verkehrs Stuttgart auf dem Weg zur Smart City

Von Jan Sellner und  

Mit einem Zukunftsbild vom Verkehr in Stuttgart illustriert Marianne Reeb, wie sie sich die Mobilität im Jahr 2035 vorstellt. Hier erläutert die Professorin, wie das Leben und die Fortbewegung in 20 Jahren aussehen könnten.

Eine Verkehrsszene in Stuttgart 2035 – und die Erklärungen der Daimler-Zukunftsforscherin Marianne Reeb Foto: Coyright Daimler AG, Future Innovation, Realisierung: XOIO
Eine Verkehrsszene in Stuttgart 2035 – und die Erklärungen der Daimler-Zukunftsforscherin Marianne Reeb Foto: Coyright Daimler AG, Future Innovation, Realisierung: XOIO

Stuttgart - Die Haltestelle, nein: der Mobilitäts-Hub Olgaeck, verbindet künftig die verschiedenen Verkehrsmittel – von der Seilbahn über kleine Busse bis zu elektrischen Mieträdern. Trendforscherin Marianne Reeb erläutert, wie der Verkehrs 2035 aussehen könnte.

1: Drohnen werden für den Transport eingesetzt – nach Ansicht der Futurologin Marianne Reeb. Personenbeförderung in der Luft wird dagegen keine große Rolle spielen – aus Platz- und aus Sicherheitsgründen. Ausnahme: Seilbahnsysteme; sie werden attraktiver. Gerade in Stuttgart mit seiner Kessellage bieten sie sich als Beförderungsalternative an. Mit ihnen können Personen und Güter transportiert werden. An sogenannten Mobilitäts-Hubs kam man aussteigen; die Güter werden unterirdisch verteilt.

2: Ein Ort, an dem sich verschiedene Verkehrsmittel begegnen – ein sogenannter Mobilitäts-Hub. Die ankommenden Busse sind deutlich kleiner als heutige Fahrzeuge, sie fahren und halten nach Bedarf. Hier befindet sich auch eine Station für Mietautos und für Mietfahrräder, ebenso wie ein Zugang zur U-Bahn. Eine zusätzliche Verknüpfung stellt der Zugang zu einer Seilbahn dar.

3: Eine wichtige Veränderung für Stuttgart könnte laut Marianne Reeb darin bestehen, dass Teile der Straßen unter die Erde verlegt werden – vor allem auch Transportkapazitäten und Logistik. „Sie können die Personenmobilität nicht optimieren, wenn Sie nicht gleichzeitig Logistik und Transport mit bedenken.“ Der Bildausschnitt zeigt eine U-Bahn ­sowie eine unterirdische Infrastruktur zur ­Versorgung der Gebäude.

4: Autonome Systeme übernehmen Zustellungs- und Belieferungsfunktionen. ­Aufzüge befördern Güter nach oben. Diese stellen sich selbstständig zu.

5: Das autonome Auto hat erkannt, dass jemand über die Straße gehen will, und projiziert einen Zebrastreifen auf die Fahrbahn. Die Autos übernehmen also auch Funktionen in der Stadt. Ampeln braucht es in einer solchen Smart City laut Marianne Reeb nicht mehr; die Systeme kommunizieren miteinander. Autos fahren alle nur noch autonom. Zum Hinweis des Bildbetrachters, dass der Insasse des ­abgebildeten autonomen Fahrzeugs Zeitung lese, bemerkt die Zukunftsforscherin so: „Ja natürlich ­lesen wir künftig noch Zeitung. Man hat auch mal gesagt, in Zukunft fährt keiner mehr zur Arbeit, das machen wir alles von zu Hause aus, und wir gehen auch nicht mehr einkaufen, sondern lassen uns beliefern. Solche Szenarien sind viel zu absolut.“

6: Der Transport von Gütern wird automatisiert. Pakete „wissen“, wo sie hingeliefert werden müssen. Sie suchen sich selbst ein Fahrzeug, das in die Zielrichtung fährt, und laden sich selbstständig ein und aus. Dadurch minimiert sich der Aufwand für Transporte. Wer in seinem Auto ein Paket mitnimmt, bekommt eine Leistung gutgeschrieben.

7: Ein Techniker druckt sich benötigte Ersatzteile in seinem Servicefahrzeug mithilfe eines 3-D-Druckers aus. Zusätzlich befinden sich an verschiedenen Stellen in der Stadt Servicestellen mit 3-D-Druckern. Das Ziel ist, Lieferverkehre zu reduzieren und Teile wenn möglich an Ort und Stelle zu produzieren.

8: Serviceroboter begegnen einem in Smart Citys an vielen Stellen – in diesem Fall in der Funktion eines Kellners in einem Café.

9: Der Parkroboter erkennt den Falschparker – in dem Fall einen Oldtimerbesitzer – und schreitet zur Tat. Wenn dieser sein Fahrzeug nicht wegbewegt, „wird es auch 2035 noch abgeschleppt“, prophezeit Marianne Reeb. Autofahrer reservieren nach ­diesem Modell künftig vor Fahrtantritt einen Tiefgaragenparkplatz oder die in deutlich ­begrenzter Anzahl vorhandenen oberirdischen Parkplätze in der Innenstadt. Beim Eintreffen des Fahrzeugs leuchten diese Grün auf und stehen ihnen dann exklusiv zur Verfügung.

10: Ein Paar steht an der Ausfahrt des Parkhauses und wartet darauf, dass sein Auto selbstständig vorgefahren wird, nachdem es zuvor bereits automatisch eingeparkt wurde. . Die Weltpremiere dieses fahrerlosen Parkens (Automated Valet Parking) im realen Verkehr hat Daimler gemeinsam mit Bosch im Juli 2017 im Parkhaus des Mercedes-Benz-Museums gezeigt. In die Parkhäuser der Zukunft passen laut Marianne Reeb mehr Autos, weil sie dank der Technik dichter platziert werden können.

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