Vor rund fünf Monaten hat der Ludwigsburger Gemeinderat die Stadtbahn in ihrer ursprünglichen Form beerdigt. Von der einst groß angelegten ÖPNV-Vision ist nur noch ein deutlich verkleinertes Projekt übrig: die Reaktivierungsstrecke zwischen Markgröningen und dem Ludwigsburger Bahnhof.
Doch mit dem politischen Schnitt ist eine neue Debatte entbrannt. Stadtbahn-Kritiker richten den Blick nun auf den Zweckverband selbst – genauer gesagt auf dessen Personalstruktur. Ihr Vorwurf: Trotz massiv geschrumpfter Planung arbeite das Team nahezu unverändert weiter. Es geht um die Frage, ob hier noch angemessen geplant wird – oder bereits Steuergeld verschwendet wird.
„Niemand muss von dem Projekt nun noch überzeugt werden.“
Stefanie Knecht, FDP-Kreisrätin
Doch wie groß ist das Team überhaupt? Aktuell sind rund 6,5 Vollzeitstellen im Team der Stadtbahn beschäftigt. Darunter sind der Geschäftsführer Michael Ilk, Techniker, Planer, ein Umweltspezialist und Verwaltungsangestellte. Außerdem kümmern sich zwei Minijobberinnen um die digitalen Auftritte der Stadtbahn. Nach Informationen dieser Zeitung hat sich die Teamstruktur seit dem Beschluss nicht verändert.
Stellen im Marketing brauche es nicht mehr, sagt Stefanie Knecht von der FDP, die das Projekt seit längerem kritisch begleitet. „Niemand muss von dem Projekt nun noch überzeugt werden.“ Sie fordert eine zügige Reduzierung auf die Stellen, die für die aktuellen Aufgaben gebraucht werden – also vor allem Planer und Techniker. Sie geht aber noch weiter: Alle Zweckverbandsmitglieder müssten sich jetzt ehrlich machen, ob eine verkürzte Stadtbahn noch sinnvoll und in der heutigen Haushaltslage der Kommunen überhaupt noch finanzierbar ist. „Keine Spielchen auf Steuerzahlerkosten.“
Auch die Stadtbahn-Kritikerin Christine Knoß (Grüne) äußert Zweifel an der Notwendigkeit der aktuellen Personalstärke. Besonders im Bereich Marketing sei das Team von Anfang an überdimensioniert gewesen. Nach dem Gemeinderatsbeschluss werde in diesem Bereich nun „Geld verbrannt“.
Landrat stellt sich hinter das Team
Zweckverbandsvorsitzender und Landrat Dietmar Allgaier betont, dass die Situation ernst genommen wird. Aktuell arbeite das Stadtbahn-Team auf Grundlage der Verträge, die vor dem tiefgreifenden Gemeinderatsbeschluss Ludwigsburgs entstanden seien. Dazu gehören unter anderem die Fertigstellung der Umweltverträglichkeitsprüfung und die Verfeinerung der Nutzen-Kosten-Indizes.
Allgaier räumt ein: „Die Entscheidung der Stadt Ludwigsburg hat Teile des bisherigen Arbeitsprogramms beendet.“ Neue Arbeitskräfte werden deshalb nicht eingestellt, befristete Verträge laufen aus. Gleichzeitig betont er die soziale Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern: „Wir können nicht einfach gute Leute kündigen – erst recht nicht, bevor der Neustart mit einem klaren Plan für die Reaktivierungsstrecke Markgröningen–Ludwigsburg steht.“
Er hoffe, dass die offenen Fragen zur Reaktivierungsstrecke schnell geklärt werden können, um dann Gespräche mit den Mitarbeitern führen zu können und passende Lösungen zu finden, sagt Allgaier.