Zukunftskongress: Digitale Verwaltung Wie Behörden Blockchain nutzen
Das Bundesamt für Flüchtlinge und die Wuppertaler Stadtwerke setzen auf „digitalisiertes Vertrauen“.
Das Bundesamt für Flüchtlinge und die Wuppertaler Stadtwerke setzen auf „digitalisiertes Vertrauen“.
Stuttgart - Mit einem schönen Zitatfund aus dem Internet erntet der Moderator und Kongressplaner Christian Milankovic die volle Zustimmung seiner Gesprächspartner: „Blockchain ist eine hervorragende Lösung. Es ist nur noch nicht klar, für welches Problem.“ Genau so sei es, bestätigt ihn Franziska Köhler vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf): „Es gibt so viele Möglichkeiten. Wir sind gerade dabei herauszufinden, was wir alles mit der Blockchain machen können und wollen. Gerade dort, wo es behörden-übergreifende Prozessketten gibt, sehen wir viele sinnvolle Anwendungen.“
Franziska Köhler arbeitet in der Außenstelle des Bamf in Dresden und derzeit an einem Pilotprojekt mit der Landesdirektion Sachsen. Die Blockchain muss man sich dabei als eine Art Datenbank vorstellen, in der Aktenvorgänge, Dokumente oder Prozess-Schritte fälschungssicher und für alle einsehbar hinterlegt werden können. Was einmal drinsteht, kann nicht mehr gelöscht werden.
Anders als bei einer zentralen Datenbank ist dabei jede Information in Kopie auf jedem beteiligten Rechner gespeichert – Datenverlust ist damit praktisch ausgeschlossen, Manipulationsversuche werden sofort entdeckt.
Zunächst sei es wichtig, klar zu machen, dass Blockchain nicht dasselbe ist wie Bitcoin, sagt Köhler. Zwar beruhen auch Bitcoin und andere Kryptowährungen auf der Blockchain-Technologie. Es sind jedoch auch völlig andere Anwendungen möglich, die gerade in der öffentlichen Verwaltung eine bedeutende Rolle spielen könnten. Wenn beispielsweise alle am Asylverfahren beteiligten Instanzen jeden Schritt in der Blockchain dokumentierten, bringe dies „saubere und reibungslose Prozesse, gleichbedeutend mit mehr Effizienz und Transparenz zwischen den beteiligten Behörden.
Jedes einmal geprüfte und als echt erkannte Dokument, etwa ein Universitätsdiplom, könne mit einem unabänderlichen Echtheitszertifikat im Datensystem hinterlegt werden. Und jeder Prozess-Schritt wäre für alle Behörden nachvollziehbar. „Abschiebungen, die ausgeführt werden, obwohl an anderer Stelle eine aufschiebende Entscheidung gefallen ist, gäbe es dann nicht mehr“, sagt Köhler.
Nach ihren Erfahrungen ist der Schulungsaufwand für den Einsatz der Blockchain gering. Es werden die gewohnten EDV-Systeme weiter benutzt, die Dokumentation in der Blockchain ist nur ein weiterer Schritt, der dort integriert werden kann.
Erfahrungen mit dem Einsatz von Blockchain sammelt auch Elmar Thyen, der Kommunikations- und Marketingchef der Wuppertaler Stadtwerke. Er sieht die Technologie als ideale Lösung für Akten-Dokumentationen in der Verwaltung, zum Beispiel beim Hausbau. „Vom Bauantrag über die Einwendungen, Genehmigungen und alle weiteren Akten – alles kann fälschungssicher und gut zugänglich verwahrt werden.“
Wuppertals Stadtwerke setzen die Blockchain derzeit ein, um mehr Transparenz in die Erzeugung von Ökostrom zu bringen. Jeder, der Strom produziert – sei es die städtische Müllverbrennung oder die Solaranlage eines Biobauern – bekomme für die gelieferte Menge eine Blockchain-Bestätigung. Der Stromkunde kann via PC nahezu minütlich verfolgen, wie sich der aktuelle Strommix zusammensetzt. Thyen ist überzeugt: „Die Blockchain erzeugt digitalisiertes Vertrauen.“