Zukunftskongress Warum Ingolstadt auf Luftfahrt setzt
Das Flugtaxi City Airbus steht auch für eine neue Art der Wirtschaftsförderung – mit vielen innovativen Ideen.
Das Flugtaxi City Airbus steht auch für eine neue Art der Wirtschaftsförderung – mit vielen innovativen Ideen.
Stuttgart - Noch vor wenigen Jahren war der individuelle Luftverkehr in schnittigen Ein- oder Zweisitzern ein Traum von Leuten, die sich noch an die TV-Serie „Die Jetsons“ erinnern können. Auch als 2018 die neue Staatsministerin Dorothee Bär in Berlin von Lufttaxis sprach, die sie fördern wolle, fühlten sich manche an Science Fiction erinnert. Seit sich aber immer mehr Unternehmen mit Konzepten und Prototypen für Kleinflugzeuge ein technologisches Wettrennen liefern – darunter Industrieschwergewichte wie Airbus, Siemens oder Daimler – bekommt die Debatte einen anderen Ton.
In Ingolstadt, das sich derzeit zu einem Zentrum für die neue „Urban Air Mobility“ entwickelt, glaubt trotzdem niemand „dass dies Lösung unserer Verkehrsprobleme ist“, wie der Stadtdirektor Hans Meier am Donnerstag beim Kongress „Stadt der Zukunft“ erläuterte. In einer Region, in der fast 40 Prozent der Arbeitnehmer beim Autohersteller Audi arbeiten, gehe es in Zeiten des Umbruchs vielmehr darum, auch zukunftsorientierte Wirtschafts- und Standortpolitik zu machen. „Wir wollen kein zweites Ruhrgebiet werden“, sagte Meier durchaus plakativ.
Ingolstadt ist heute eine von 17 Städten in der EU, die ausgewählt wurden, um neuartige Formen von Luftfahrt voranzutreiben. Airbus, Audi, MTU, Lilium, diverse Hochschulen, ein digitales Gründerzentrum und ein Fraunhofer-Anwendungszentrum sind unter den insgesamt 60 Unternehmen und Organisationen, die gemeinsam ein Luftfahrt-Cluster bilden, das mit reichlich öffentlichen Mitteln gefördert wird.
Begünstigt wird die Entwicklung auch durch die Nähe zur wehrtechnischen Dienststelle für Luftfahrzeuge der Bundeswehr in Manching, die auch Lufträume für Testflüge freisperren kann. Der von Airbus im März vor dem Ingolstädter Rathaus im Beisein von Dorothee Bär und Verkehrsminister Andreas Scheuer präsentierte Viersitzer City Airbus ist dabei nur eine von vielen Entwicklungslinien, die man rund um Ingolstadt vorantreiben will. Ein anderes Projekt verfolgt den Einsatz von unbemannten Flugkörpern zur technischen Überwachung von Bahngleisen, ein weiteres befasst sich mit dem Transport von Arzneimitteln per Drohnen. Allein mit fast 700 000 Euro gefördert wird eine Initiative, die nach neuen Flugplätzen und Einflugschneisen in Bayern sucht.
In stadtplanerischer Hinsicht sticht ein Forschungsprojekt heraus, das sich mit dem Bau von mehrstöckigen Stadt- und Landeplätzen für Flugzeuge wie den City Airbus befasst. Wie Stadtdirektor Meier zeigte, wird dies besonders anschaulich am Beispiel des Neubaus des Ingolstadter Hauptbahnhofs evaluiert.
Die Einsatzmöglichkeiten des Flugtaxis selbst sieht Meier eher in „Megacitys“. Der Passagiertransport ist dabei zwar die Option, die am meisten Fantasien weckt, andere Anwendungsfälle aber sich möglicherweise noch einleuchtender. Notärzte könnten schneller zu Unfallstellen gebracht werden, ebenso Blutkonserven oder dringlich zu befördernde Organe für Transplantationen.
Im Rennen um die erste kommerzielle Nutzung von Flugtaxis sieht Meier momentan Volocopter vorn. Das Bruchsaler Unternehmen will in drei bis fünf Jahren soweit sein. Bei Lilium, das senkrecht startende elektrische Kleinjets baut, rechne man mit dem Jahr 2025, sagt Meier. Airbus will sein City-Modell 2024 am Start haben – pünktlich zu den Olympischen Spielen 2024 in Paris.