Zukunftspläne Die Deutsche Bank will es wissen

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing. Foto: dpa/Arne Dedert

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hat viel erreicht. Doch er sollte nicht übermütig werden, warnt Wirtschaftsredakteurin Barbara Schäder.

Ausgerechnet im Schreckensjahr 2022 hat die Deutsche Bank wieder so viel verdient wie vor der Finanzkrise. Das hängt natürlich damit zusammen, dass die Banken von steigenden Zinsen tendenziell profitieren. Zugleich blieben der befürchtete wirtschaftliche Einbruch und Kreditausfälle bislang aus – auch dank staatlicher Hilfen.

 

Trotzdem ist der Erfolg, den Bankchef Christian Sewing mit dem Umbau des Geldhauses binnen drei Jahren erzielt hat, beachtlich. Der gebürtige Ostwestfale übernahm 2018 einen krisengeschüttelten Konzern. Sein Vorgänger John Cryan hatte sich vor allem mit den Skandalen der Vergangenheit befassen und milliardenschwere Vergleiche aushandeln müssen.

Der Sparkurs trägt Früchte

Sewing verordnete der Investmentbank eine Radikalkur: Er schaffte den Aktienhandel ab und fokussierte das Kapitalmarktgeschäft auf die Paradedisziplinen der Deutschen Bank. Auch die Privatkunden bekamen den Sparkurs zu spüren: In den vergangenen zwei Jahren wurden 100 Filialen der Deutschen Bank geschlossen, bei der Tochtergesellschaft Postbank soll ihre Zahl bis Ende 2023 auf 550 sinken. Bislang leidet die Nachfrage nach Krediten und Anlageprodukten jedoch nicht darunter – Sewings Rechnung scheint also aufzugehen.

Dass die Bank ihre Eigenkapitalrendite bis 2025 auf mehr als zehn Prozent steigern will, ist dennoch ambitioniert. Denn das Ziel für das vergangene Jahr wurde nur durch einen steuerlichen Einmaleffekt erreicht. Und die Konjunktur schwächelt, die Kreditnachfrage ist rückläufig. Die Deutsche Bank wird dies dank ihres starken Standbeins im Kapitalmarktgeschäft ein Stück weit kompensieren können, aber spurlos würde eine Rezession auch am Branchenprimus nicht vorbeigehen.

Die Konkurrenz schläft nicht

Sewing hat bewiesen, dass er sanieren kann – und dass Milliardengewinne auch in einem Umfeld möglich sind, in dem für Banken deutlich strengere Regeln gelten als vor der Finanzkrise. Dass die Deutsche Bank aber noch mehr wachsen kann, ist angesichts der starken Konkurrenz aus anderen EU-Ländern und der USA keineswegs ausgemacht.

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