Einen großen, überregional für Furore sorgenden Wurf plant die Stadt Fellbach auf einem Grundstück im Gewerbepark nördlich des Bahnhofs. Unter dem Titel „KI im Gesundheitswesen“ soll ein neues Innovation Center Fellbach (ICF) errichtet werden. Denn Künstliche Intelligenz gilt in der Medizintechnik und Biotechnologie oder in der Pharmazie als zukunftsfähige Branche – sie „hilft beim Gesundbleiben“, wie es in Fachliteratur beschrieben wird, und bietet Chancen in der robotergestützten Chirurgie, kann die Früherkennung von Krebs, Demenz oder Herzerkrankungen verbessern, die Entdeckung von neuen Arzneimitteln beschleunigen oder die Fernüberwachung von Patienten in einer immer älter werdenden Gesellschaft übernehmen, aber auch Personalengpässe im Gesundheitswesen abfedern.
Fellbach künftig weit vorne bei Life Science
An diesen zukunftsträchtigen Entwicklungen in Sachen Life Science will Fellbach nun an vorderer Front teilhaben. Der Projektleiter im Fellbacher Rathaus, Christoph Pfefferle vom Amt für Wirtschaftsförderung, beeindruckte die Gemeinderäte mit einigen fachspezifischen Beschreibungen. Etwa: „KI ist ein Schlüssel zum Upscaling der personalisierten Medizin.“ Oder: „Das Innovation Center Fellbach soll auch als Inkubator für Start-ups und Spin-offs im Bereich Medizintechnik und KI dienen.“
„Vor Ort und mit kurzen Wegen ist es auf 2000 Quadratmeter in einem hochspezialisierten Technologiegebäude mit Labor und Analytik möglich, Ideen aus der Forschung und Lehre weiterzuentwickeln – von Machbarkeitsstudien bis zu Prototypen“, erklärte Pfefferle, der, wie Oberbürgermeisterin Gabriele Zull verriet, als promovierter Mikrobiologe für dieses Projekt prädestiniert ist.
Das ICF trage zur Fellbacher Standortsicherung bei und gebe die Möglichkeit, beim weltweiten Trendthema „KI im Gesundheitswesen“ konkurrenzfähige Forschungen und Entwicklungen auf den Markt zu bringen. Zull wie Pfefferle sprachen von einem „Alleinstellungsmerkmal“ für Fellbach.
Arbeitnehmer in diesem Segment verdienen tendenziell mehr
Als positive Faktoren für Fellbach nannte Pfefferle beispielsweise einen allerdings eher langfristigen Effekt auf die Gewerbesteuereinnahmen, aber auch die „Erhöhung der Kaufkraft der Einwohner, da Arbeitnehmer im Bereich Life Sciences tendenziell mehr verdienen“. Das fünfstöckige Gründerzentrum sei als „repräsentatives Gebäude mit Strahlkraft“ vorgesehen, das das Stadtbild und das Gewerbegebiet beim Bahnhof aufwerte. „Konzipiert werden Open-Space-Bereiche sowie Think Tanks, die im Zusammenspiel mit einer Dachterrasse ein attraktives Konzept für Gründer und technologieorientierte Jungunternehmen bilden.“
Kooperationspartner sind etwa das Virtual Dimension Center (VDC) in Fellbach, die Bioregio Stern Management GmbH, das Steinbeis-Transferzentrum Infothek oder das Innovation Center Computer Assisted Surgery (ICCAS) der Universität Leipzig.
Das derzeit noch unbebaute Areal in der Lise-Meitner-Straße 1 liegt besonders verkehrsgünstig maximal fünf Minuten Fußweg vom S-Bahnhof Fellbach entfernt; es wurde bereits als „Filetstück in bester Lage“ bezeichnet und befindet sich direkter Nähe zu den Großunternehmen Wohninvest und Süddeutsche Krankenkasse (SDK).
Das Grundstück wurde nach Pfefferles Angaben im Jahr 2019 von der Stadt Fellbach an den Investor verkauft. Als Projektentwickler fungiert die Blue Estate GmbH mit Sitz in der Stuttgarter Sophienstraße. Erste konzeptionelle Überlegungen für dieses Blue Lab genannte Gebäude hatte die Stuttgarter Firma bereits vor gut einem Jahr bei einem Pressetermin im Fellbacher Rathaus vorgestellt. Als Kooperationspartner direkt im Gebäude nannte Pfefferle die Firmen BioTeSys GmbH und die Meidrix biomedicals GmbH.
Stadt und Region zahlen jeweils 2,6 Millionen Euro
Die gesamte Investition für das Blue Lab liegt bei 5,2 Millionen Euro, die Summe soll zusammen von der Stadt Fellbach und der Region Verband Stuttgart hälftig, also jeweils 2,6 Millionen, getragen werden. Bezugsfertig soll das „Blaue Labor“ im Herbst 2025 oder Frühjahr 2026 sein.
Die Oberbürgermeisterin warb erfolgreich um Zustimmung im Gemeinderat: „Die Chancen überwiegen die Risiken“, erläuterte Gabriele Zull, „Fellbach hätte einen Platz auf der wirtschaftlichen Landkarte der Künstlichen Intelligenz, wir würden den Standort Fellbach stärken und sichern.“
Im Gemeinderat stieß die Vorstellung, dass Fellbach nun bei der Künstlichen Intelligenz regionweit eine ganz große Rolle spielen könnte, denn auch einhellig auf Begeisterung. „So etwas muss eine Kommune nicht machen“, erklärte Michael Oettinger (Freie Wähler/Freie Demokraten) mit Blick auf die Finanzlage und die herausfordernden Haushaltsberatungen, „aber Fellbach sollte es machen, um in dieser Sparte einen Fuß in die Tür zu kriegen“. Und Franz Plappert (CDU) ergänzte: „ICF oder Innovation Center Fellbach – an diesen Begriff müssen wir uns nicht gewöhnen, sondern an den dürfen wir uns gewöhnen.“