Ein Informationsabend zu einer Fahrradstraße stieß auf großes Interesse. Foto: Torsten Schöll
Eine anderthalb Kilometer lange Fahrradstraße könnte Eltingen an den Bahnhof anbinden. Ein Bürgerdialog zeigt jetzt das Konfliktpotenzial: Viele fremdeln mit dem Projekt.
Torsten Schöll
09.03.2026 - 07:07 Uhr
Für die einen sind Fahrradstraßen ein Weg in die Zukunft. Andere sehen darin vor allem Gängelung der Autofahrer. Aufklärung tut Not, das wissen auch die Verantwortlichen bei der Stadt Leonberg. Dort könnte demnächst eine knapp eineinhalb Kilometer lange Fahrradstraße den Stadtteil Eltingen an den Bahnhof anbinden. Wie sich zeigt, ist das ein Projekt mit Konfliktpotenzial.
In einer Machbarkeitsstudie wurde dafür bereits im vergangenen Jahr eine Trasse untersucht, die die Stohrerstraße und die Hindenburgstraße sowie ganz im Süden einen kurzen Teil der Carl-Schmincke-Straße umfassen würde. Weil das Einrichten von Fahrradstraßen üblicherweise mit manchem Streit verbunden ist, hat der Leonberger Gemeinderat schon im vergangenen Oktober gefordert, dass vor weiteren Planungen die Bürgerschaft zu Wort kommen müsse.
Genau das ist nun im Schulzentrum in der Gerhart-Hauptmann-Straße geschehen. Mit einem sogenannten Bürgerdialog wollte das zuständige Referat für innovative Mobilität nicht nur herausfinden, wie die Bürger grundsätzlich zu der Fahrradstraße stehen – sondern auch, wo Gefahren und Chancen eines solchen Projekts liegen könnten.
Haben in der Leonberger Hindenburgstraße Fahrräder bald Vorfahrt? Foto: Simon Granville
Leonbergs Oberbürgermeister Tobias Degode (parteilos) machte gleich zu Anfang der gut besuchten Veranstaltung deutlich, dass „Fahrradverkehr nur dort entsteht, wo durchgehende Netze bestehen“. Vor allem für Kinder und Jugendliche seien sichere Radverbindungen wichtig, sagte der OB, der damit erstmals durchblicken ließ, dass er das Projekt selbst tendenziell befürwortet.
Es gibt klare Regeln für eine Fahrradstraße
Im Saal anwesend waren nicht nur zahlreiche Radfahrer, sondern auch viele Anwohner und Gewerbetreibende, die Geschäfte in der Stohrerstraße und der Hindenburgstraße besitzen. Das machte eine Abfrage durch die Veranstalter deutlich. Jens Schneider, Leiter des Referats für innovative Mobilität, räumte deshalb auch gleich am Anfang einer kurzen Projektvorstellung die Befürchtung vom Tisch, dass durch die Fahrradstraße zwangsläufig Parkplätze wegfielen.
Klar seien jedoch die Regeln, die in einer Fahrradstraße gelten: Tempo 30 für alle, Fahrräder dürfen nebeneinander fahren, Autos müssen Radfahrer mit einem Abstand von mindestens 1,5 Metern überholen. „Und eigentlich sollen Fahrräder auf der Fahrradstraße an Kreuzungen bevorrechtigt sein“, sagte Schneider. Wichtig zudem: „In den meisten Fahrradstraßen sind Anliegerfahrzeuge zugelassen.“ Schneider ließ keinen Zweifel daran, dass das auch in Leonberg geplant sei.
Das dürfte bei den Gewerbetreibenden für Aufatmen gesorgt haben. Ein Verbot für Kunden, in die Straße einzufahren sowie der Verlust von Parkplätzen vor den Geschäften, so viel wurde deutlich, wäre ein No-go für Ladenbesitzer. Die grundsätzlichen Vorteile der Straße fasste Schneider so zusammen: Die Radverbindung zu den Schulen und zu den Sport- und Freizeitanlagen in Eltingen werde verbessert, der Bahnhof würde für Radfahrer besser angebunden, und nicht zuletzt würde der gesamte Radverkehr in einer Straße gebündelt.
Die Bürger thematisierten in anschließenden Gesprächen zwei Problemstellen entlang der Trasse immer wieder: die Kreuzungen an der Brennerstraße und der Römerstraße. Hier müsse eine sichere Regelung für die Querung gefunden werden, forderten viele Bürger. „Da braucht es eine gute Lösung, sonst funktioniert die ganze Fahrradstraße nicht“, sagte ein Teilnehmer.
Verändern sich Immobilienwerte, wenn eine Fahrradstraße kommt?
Auch im Bereich vor der Mörikeschule, wo Elterntaxis mitunter für chaotische Zustände sorgten, sehen viele in Zusammenhang mit einer Fahrradstraße dringenden Handlungsbedarf. Eine weitere Befürchtung: die Verdrängung des Autoverkehrs in die parallel verlaufenden Straßen. Andere sehen gar den Preis für ihre Immobile durch die Trasse gefährdet.
Tatsächlich könnte es sich als Knackpunkt erweisen, dass im Bereich Hindenburgstraße auch Busse verkehren. Wie diese sich mit bevorrechteten Radfahrern vertragen, das bereitet einigen Bürgern Sorgen. Unter den vielen Befürwortern der Fahrradstraße gingen an diesem Abend nicht wenigen die Pläne indes nicht weit genug. Sie plädierten dafür, die Fahrradstraße bis in die Bruckenbachstraße zu verlängern, um auch die Sportplätze und das Freibad anzubinden.
In einem nächsten Schritt will die Stadt nun die vielen Stimmen aus der Bürgerschaft bündeln und dem Gemeinderat vorstellen.