Mit großer Mehrheit hat die Regionalversammlung nun die Wasserstoffstrategie für die Region Stuttgart beschlossen und den Weg zur Förderung von Projekten konkretisiert. Eine Roland-Berger-Studie aus dem Jahr 2020 hat die Verantwortlichen der Wirtschaftsregion Stuttgart (WRS) davon überzeugt, dass Stuttgart schon jetzt gut dasteht.
16 500 neue Arbeitsplätze könnten entstehen
Bis 2030, sagt die Studie, könnten in Baden-Württemberg 16 500 neue Arbeitsplätze in der Wasserstofftechnologie entstehen, ein Großteil davon in der Region Stuttgart. Damit ließe sich laut Studie ein Umsatz von 9 Milliarden Euro erzielen. „Langfristig gibt es natürlich noch weitaus größere Potenziale“, betont Walter Rogg, der Chef der Wirtschaftsregion Stuttgart (WRS).
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Die WRS hat deshalb in diesem Jahr das Fraunhofer Institut beauftragt, mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt und dem Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung eine Wasserstoff- und Brennstoffzellenstrategie für die Region zu erarbeiten, die Eckpunkte und einen möglichen Maßnahmenkatalog skizziert. Der darin ebenfalls ermittelte Ist-Zustand stimmt Rogg optimistisch, dass die angestrebten Ziele erreicht werden können.
20 Millionen Euro stehen zur Verfügung
Schon Anfang des Jahres seien in der Region Stuttgart 166 Akteure aus den Bereichen Wirtschaft, Forschung, Politik und Verwaltung in Sachen Brennstoffzelle und Wasserstoff unterwegs gewesen. Nun gehe es darum, möglichst viele dieser Projekte zu industrialisieren, also den Übergang von kleinen Stückzahlen zur Massenfertigung voranzutreiben. Von 2021 bis 2024 stehen der WRS zur Förderung solcher Projekte jeweils fünf Millionen Euro zur Verfügung.
Damit der Aufbau einer nachhaltigen Wasserstoffwirtschaft in der Region sofort beginnen kann, hat das Fraunhofer Institut aus den vorliegenden Plänen 60 Projekte ausgewählt. Allerdings sollen zunächst vor allem rund 20 mit „sehr hoch“ priorisierte Maßnahmen unterstützt werden.
Kleiner Rückschlag für die Region
Dabei geht es unter anderem um den Aufbau von Elektrolyseanlagen zur Herstellung von Grünem Wasserstoff, um den Aufbau und die wissenschaftliche Begleitung von Wasserstofftankstellen oder um die Nutzung von Brennstoffzellenfahrzeugen und den Ausbau der Brennstoffzellenherstellung hin zur Massenproduktion, wie es die Firma Cellentric für den Schwerlastwagenbau in Weilheim im Kreis Esslingen plant.
Wer Zuschüsse von der WRS beantragt, kann das zunächst vergleichsweise skizzenhaft tun. Wird ein Projekt dann von einer Fachjury als förderwürdig bewertet, muss noch ein Folgeantrag gestellt werden. Über dessen Bewilligung entscheidet dann wiederum der Wirtschaftsausschuss der Region. Maximal steuert die WRS 50 Prozent der Kosten hinzu.
Einen kleinen Rückschlag haben die Stuttgarter Pläne allerdings erlitten, denn das Land hat bei der Ausschreibung des Projekts „Modellregion Grüner Wasserstoff“ neben Stuttgart auch Ulm als zweite Modellregion ausgewählt. Statt der erhofften 31 Millionen Euro werden nun lediglich elf Millionen Euro in die Region Stuttgart fließen. Deshalb werden sich nicht alle Projekte verwirklichen lassen. Festhalten will man in jedem Fall aber am Aufbau einer Wasserstoffpipeline entlang des Neckars – zunächst vom klimaneutralen Esslinger Stadtteil Neue Weststadt bis zum Stuttgarter Hafen und möglicherweise sogar darüber hinaus bis Zuffenhausen. Dabei sollen sich Wasserstofferzeuger und Anwender perlenkettenartig an die Pipeline anschließen.
Linke: Wasserstoff ist der Champagner der Energiewende
Allerdings bleibt die WRS bei der Suche nach Fördertöpfen weiter am Ball: Um neue Zuschussmöglichkeiten auftun zu können, will man interessierten Firmen mit externer Hilfe bei der Suche nach Förderprogrammen und bei der Antragsstellung unterstützen. Dafür stehen allein im kommenden Jahr 50 000 Euro zur Verfügung. Weitere 150 000 Euro kostet eine Studie, mit deren Hilfe ermittelt werden soll, wie viel Wasserstoff die Region selbst produzieren kann – und in welcher Größenordnung man Wasserstoff in Zukunft wird importieren müssen.
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Während das Projekt in der Regionalversammlung bei einer breiten Mehrheit auf Zustimmung stieß, lehnen die Linken das Engagement rundweg ab. Der Regionalrat Christoph Ozasek formuliert es so: „Was heute frenetisch gefeiert wird, hält als Technologiepfad einer kritischen Betrachtung nicht stand. Grüner Wasserstoff ist der Champagner der Energiewende.“ Sein Gesamtwirkungsgrad zwischen Erzeugung und Verwendung sei so schlecht, dass man eher von einer Energievernichtungsmaschine reden könne. Wasserstoff gehöre weder ins Tankstellen- oder Erdgasnetz noch in die Gebäudeheizung oder in die Kraftwerke.