Zukunftsvisionen am Campus Vaihingen Uni baut die Autofabrik der Zukunft

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Wissenschaft und Wirtschaft wollen auf dem Uni-Campus eine Forschungsfabrik errichten. Das Projekt „Arena 2036“ wird von einigen großen Firmen sowie Instituten unterstützt.

In der Zukunft soll die Produktion viel flexibler sein. Das ist ein Bestandteil des Projekts „Arena 2036“ der Universität Stuttgart. Foto:  
In der Zukunft soll die Produktion viel flexibler sein. Das ist ein Bestandteil des Projekts „Arena 2036“ der Universität Stuttgart. Foto:  

Vaihingen - Nichts Geringeres als ein Leuchtturm für Stuttgart soll die Forschungsfabrik sein, die in Vaihingen gebaut wird. Wissenschaftler weltweit, die Industrie, die Medien, sie alle werden auf das schauen, was auf dem Uni-Campus geschieht. Zumindest, wenn das eintritt, wovon Michael Waldbauer spricht. Dass es so kommt, bezweifelt er nicht. „Die Arena soll ein Magnet sein“, sagt der Leiter des Rektoratsbüros der Uni Stuttgart. Gemeint ist das Projekt „Arena 2036“. Der Name kommt nicht von ungefähr. „Wir gehen davon aus, dass sich die Technologien, an denen wir arbeiten, bis dahin etabliert haben.“ In einer Halle soll nicht nur die Automobilfabrik der Zukunft entstehen, sondern auch gleich an den Autos der Zukunft selbst geforscht werden.

Insgesamt könnte ein dreistelliger Millionenbetrag fließen

Mit dabei sind auf der Uni Stuttgart das Fraunhofer-Institut, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt sowie das deutsche Institut für Textil- und Faserforschung. Außerdem beteiligen sich Daimler, Bosch und BASF, die über die nächsten 15 Jahre hinweg kräftig investieren wollen. Insgesamt könnte wohl ein dreistelliger Millionenbetrag in das Projekt fließen (siehe Kasten).

Mit diesem Geld sollen auf dem Vaihinger Uni-Campus die Grenzen des bislang Bekannten verschoben werden. „Man geht davon aus, dass es eine Revolution in der Produktion von Fahrzeugen gehen wird“, sagt Waldbauer. Und das gleich in dreierlei Hinsicht.

Drei Säulen der Revolution

Obwohl in der Automobilbranche immer mehr auf Leichtbau gesetzt wird, werden die Fahrzeuge immer schwerer. Hier noch ein Sensor, dort noch ein Bordcomputer oder ein Lautsprecher. Der Einsatz von Aluminium reicht längst nicht mehr aus, um dem entgegen zu wirken. Also sollen Faserverbund-Kunststoffe übernommen werden, die ursprünglich für den Flugzeugbau entwickelt wurden. Das bedeutet aber zum Beispiel, dass computergestützte Crash-Simulationen nicht mehr genutzt werden können, weil die von Metall ausgehen. Dieser Forschungsbereich ist die erste Säule von „Arena 36“.

Die Fasern könnten gleichzeitig zusätzliche Funktionen übernehmen, etwa Strom leiten oder Daten übermitteln, „ohne heute zu wissen, wie das geht“, sagt Waldbauer. Auch Schall- und Wärmedämmungen könnten so ersetzt werden. Vielleicht ließen sich auch Flüssigkeiten, oder Energie speichern. Das ist die zweite Säule.

Die dritte Säule, gleichsam das Herzstück des gesamten Projekts, ist die Forschungsfabrik. Auf einer Fläche von 6000 Quadratmetern wir die Art und Weise, wie Autos zusammengebaut werden, neu erfunden. „Es wird keine Produktionslinie mehr geben“, sagt Waldbauer. Fließbänder, über die nur ein einziger Typ Auto laufen kann, an denen Arbeiter stehen und Roboterarme Schweißpunkte setzen, werden der Vergangenheit angehören. „Die Fahrzeuge fahren selbstständig umher“, sagt Waldbauer. Und mit ihnen die Roboter. So können an einem Arbeitsplatz viele verschiedene Autos hergestellt werden, die Produktion wird flexibler sein.

Endgültiger Standort steht noch nicht fest

„Wenn all das Wirklichkeit wird, betrifft das Tausende von Firmen in der Region“, sagt Waldbauer. Dabei geht es nicht nur um Maschinenbauunternehmen und Elektronikentwickler. „Vielleicht braucht man auch keine Lackierer.“ Stattdessen könnten neue Ausbildungsberufe entstehen. Aus diesem Grund haben inzwischen nicht nur weitere Firmen ihr Interesse bekundet, sich in das Projekt einklinken zu wollen, sondern auch die IG Metall und die Industrie- und Handelskammer. „Und das Partnerfeld wird mit Sicherheit noch größer“, sagt Waldbauer.

Nach derzeitigen Kostenschätzungen wird die Fabrik in der zudem 2000 Quadratmeter Bürofläche untergebracht sein werden, rund 30 Millionen Euro kosten. Bezahlt wird sie von den beteiligten Firmen, dem Land und der Uni. Wer welchen Anteil übernimmt, wird zurzeit verhandelt.“Wir schauen gerade auch, wo auf dem Campus dafür aus stadtplanerischer Sicht Platz wäre“, sagt Waldbauer. Eventuell müssten bestehende Gebäude abgerissen werden. Der endgültige Standort jedenfalls steht noch nicht fest. Laut Plan soll die Fabrik in drei bis fünf Jahren eröffnet werden.

Vorerst müssen die Wissenschaftler und Ingenieure mit einigen Büros im Verfügungsgebäude der Uni am Allmandring Vorlieb nehmen. Offizieller Starttermin für „Arena 2036“ war am 1. Juli, nach der Sommerpause werden dort die ersten 15 Mitarbeiter einziehen. In einer Halle in dem Gebäude sollen dann auch recht bald erste Montageeinrichtungen aufgebaut werden. Letztlich sollen 200 Leute in der Forschungsfabrik arbeiten.

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