Zukunftswerkstatt Esslingen E-Motorräder als Wettbewerbsvorteil für Firmen

Der Savitron-Geschäftsführer Oliver Buck zeigt E-Roller, wie auch in der Zukunftswerkstatt einer ausprobiert werden kann. Foto: /Marion Brucker

Die Zukunftswerkstatt 4.0 in Esslingen will Firmen die Vorteile der E-Mobilität schmackhaft machen und bietet Fahrzeuge zum Ausprobieren an. Erstmals sind auch zwei Krafträder dabei.

Die Zukunftswerkstatt 4.0 in Esslingen möchte Autohäuser und Werkstätten fit für die Zukunft machen. Auf 450 Quadratmetern bietet sie eine neutrale Plattform, auf der neue Technologien ausprobiert werden können. Darunter sind erstmals zwei E-Krafträder – ein Roller und ein Motocrossrad. Sie stammen von der Firma Savitron aus Kernen im Remstal, die laut dem Geschäftsführer Oliver Buck im Umkreis der größten Anbieter von E-Motorrädern und E-Rollern ist.

 

Die Zukunftswerkstatt, die es seit 2020 gibt, hat mit Buck eine Kooperation geschlossen, die zunächst auf ein Jahr ausgelegt ist. Besucher können die beiden E-Motorräder anschauen und Probe fahren. „Zudem vernetzen wir Oliver Buck mit unseren weiteren 129 Partnern und leisten Aufklärungsarbeit rund um das Thema E-Mobilität im Bereich Zweirad“, erklärt Edith Pisching, die Direktorin der Zukunftswerkstatt.

E-Mobilität spiele eine zunehmend wichtige Rolle bei der Mitarbeitergewinnung, besonders in Firmen, die auf Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein setzten. „Viele Arbeitnehmer, insbesondere die jüngeren Generationen, legen großen Wert auf umweltfreundliche Praktiken. Unternehmen, die E-Mobilität fördern, können sich als umweltfreundlich positionieren und somit talentierte Mitarbeiter anziehen“, erklärt Pisching. Darüber hinaus stärke die E-Mobilität das Image eines Unternehmens als innovativ und zukunftsorientiert. Dies könnte Menschen ansprechen, die in einem fortschrittlichen Umfeld arbeiten möchten.

Die Idee hat sich noch nicht etabliert

Tatsächlich aber ist nach der Erfahrung von Buck die Idee, mit E-Motorrädern und E-Rollern jüngere Mitarbeiter zu gewinnen, bei den Firmen noch nicht etabliert. Das zeigt ein Blick auf seine Kundenliste: Rund 20 Unternehmen seien darunter, die ihren Mitarbeitern ein E-Motorrad oder einen E-Roller anbieten. „Meistens sind es die kleinen oder mittelständischen Unternehmen, die so etwas machen“, sagt Buck. Er nennt eines aus Erkenbrechtsweiler, das zwei jungen Mitarbeitern Job-E-Roller zur Verfügung stelle. „E-Mobilität spricht vor allem junge Berufseinsteiger und Millennials an, die großen Wert auf Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein legen. Diese Generation ist oft technikaffin und interessiert sich für innovative Lösungen, was E-Mobilität besonders attraktiv macht“, sagt Pisching. Bucks Erfahrung bestätigt dies. Neulich sei eine junge Auszubildende bei ihm gewesen, um sich über einen Job-E-Roller zu informieren. Jetzt will sie ihren Chef fragen, ob er ihr einen finanziert. „Ich erkläre den Unternehmen natürlich, wie toll und sinnvoll das ist, um auch Mitarbeiter zu gewinnen, zu halten und zu binden“, sagt Buck. Er könne nicht verstehen, wie Unternehmen darüber nachdenken, es nicht zu tun. „Das ist ein Verwaltungsaufwand“, werde immer wieder argumentiert. Wenn er das höre, habe er das Gefühl, es gebe keinen Personalmangel.

Die Förderung von E-Mobilität könne Teil eines umfassenderen Mobilitätskonzepts sein, das auch andere nachhaltige Transportmittel umfasse. Dadurch zeige das Unternehmen, dass es Verantwortung für die Umwelt übernimmt und gleichzeitig die Lebensqualität seiner Mitarbeiter verbessert, meint Pisching. Zusätzlich könnten Unternehmen, die E-Autos oder Ladeinfrastruktur anbieten, dies als Teil ihrer Mitarbeiterbenefits kommunizieren. „Dies stellt einen zusätzlichen Anreiz für potenzielle Mitarbeiter dar, insbesondere wenn sie selbst ein Interesse an E-Mobilität haben“, sagt Pisching.

Nicht zuletzt könnten Unternehmen, die bereits jetzt in den Bereich E-Mobilität investieren, als zukunftssichere Arbeitgeber wahrgenommen werden, da die Bedeutung von E-Mobilität in den kommenden Jahren voraussichtlich weiter zunehmen werde, so die Direktorin der Zukunftswerkstatt. E-Mobilität könne somit ein entscheidender Faktor sein, um sich im Wettbewerb um die besten Talente hervorzuheben und eine positive Arbeitgebermarke zu etablieren.

Die Zukunftswerkstatt und ihre Idee

Zulassungszahlen
Ein Blick auf die Zulassungszahlen zeigt, dass E-Krafträder in Baden-Württemberg noch nicht weit verbreitet sind. Von den laut dem Kraftfahrtbundesamt 2023 zugelassen 34 665 Motorrädern hatten 2791 einen E-Motor, weitere sechs waren Hybride.

Zukunftswerkstatt 4.0
Die Plattform in Esslingen wurde 2020 gegründet, um Betriebe des Kfz-Gewerbes wie Autohäuser und Werkstätten bei der Transformation in eine digitale und nachhaltige Zukunft zu unterstützen. Sie will ein „Innovationsschaufenster“ sein, mit dessen Hilfe neue Technologien und Systeme erprobt werden können.

Geschäftsmodell
Die Zukunftswerkstatt hat drei Gesellschafter: die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen-Geislingen, die Deutsche Automobil Treuhand und das Institut für Automobilwirtschaft der Firma IFA Management. Die Zukunftswerkstatt muss keine Gewinne schreiben, sich aber im laufenden Betrieb selbst finanzieren. Sie hat zwei Geschäftsführer und drei operative Mitarbeiter. Die Idee zur Zukunftswerkstatt stammt aus dem Strategiedialog Automobilwirtschaft Baden-Württemberg. 

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