Zulieferer aus Friedrichshafen ZF-Betriebsversammlung dürfte kaum Ruhe bringen

Der Zulieferer ZF  durchlebt  derzeit turbulente Zeiten. Das Wort von OB   Brand hat bei ZF Gewicht. Foto: dpa
Der Zulieferer ZF durchlebt derzeit turbulente Zeiten. Das Wort von OB Brand hat bei ZF Gewicht. Foto: dpa

Beim Zulieferer ZF laden die Vertreter der Arbeitnehmer traditionell vor Weihnachten zur Betriebsversammlung ein. Rund 3000 Beschäftigte sind gekommen und haben zum Richtungsstreit bei dem Stiftungsunternehmen nicht viel Neues erfahren.

Wirtschaft: Inge Nowak (ino)
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Stuttgart - Traditionell laden die Vertreter der Arbeitnehmer der ZF Friedrichshafen AG in den Wochen vor Weihnachten zu einer Betriebsversammlung ein. Der diesjährige Termin stand schon lange fest – und hat angesichts der Turbulenzen rund um den Zulieferer eine besondere Aktualität bekommen. Erst am Tag zuvor wurde ein neuer Aufsichtsratschef gewählt. Franz-Josef Paefgen hat die Nachfolge von Giorgio Behr angetreten, der vergangene Woche kurzfristig zurückgetreten war. Zudem gibt es Spekulationen über die Zukunft von Vorstandschef Stefan Sommer. Sommer und Andreas Brand streiten sich angeblich über die strategisch Ausrichtung des Unternehmens. Als Oberbürgermeister von Friedrichshafen und Vorsitzender der Zeppelin-Stiftung, die 93,8 Prozent der ZF-Anteile hält, wird Brand durchaus gehört.

Das Interesse der Mitarbeiter war denn auch groß. Geschätzt 3000 sollen den Weg in die Messehalle in Friedrichshafen ge­funden haben. Am Ende der nicht-öffent­lichen Versammlung gaben sich die Beschäftigten zugeknöpft. Kaum einer wollte sich äußern. Auch aus der ZF-Pressestelle, dem Büro des Oberbürgermeisters oder von den Vertretern der Arbeitnehmer ­waren keine Stellungnahmen zu erhalten. Einzelne Kommentare gab es dennoch. So soll Brand, der mit Applaus, aber auch mit Pfiffen und Buh­rufen empfangen worden sein soll, den ­Beschäftigten die Rollenverteilung in den verschiedenen Gremien erläutert haben. Er sei etwa auf die beratende und kontrollierende Funktion des Aufsichtsrat eingegangen. Dieser segnet Pläne des ­Vorstands ab – wie die Übernahme des US-Konzerns TRW – oder er lehnt sie ab. Ins operative Geschäft hätten einzelne Aufsichtsräte nicht eingegriffen, sollen die Kontrolleure Brand und Achim Dietrich, der ­Vorsitzende des ZF-Gesamtbetriebsrates,   betont   haben.

Ausschüttung soll deutlich zeigen

Thema der Betriebsversammlung war dem Vernehmen nach auch die Dividendenzahlung. Vom kommenden Jahr soll die Ausschüttung kräftig steigen – und zwar auf 18 Prozent des erzielten ZF-Gewinns. Damit könnten für 2017 rund 160 Millionen Euro fällig werden, verglichen mit 50  Millionen Euro für 2016. Die jüngste Diskussion über den Dividendensprung soll zumindest bei einigen Akteuren für Verwunderung gesorgt haben. Anscheinend ist die Erhöhung lange beschlossen und soll – so ist zu hören – auch den Banken, die vor etwa drei Jahren die TRW-Übernahme mitfinanziert hatten, mitgeteilt worden sein.

Wer aber gehofft hat, auf der Betriebsversammlung näheres über die Zukunft von ZF-Chef Sommer zu erfahren, wurde wohl enttäuscht. Der Vertrag des Westfalen Sommer, der ZF technologisch gehörig vorangebracht hat, läuft noch bis 2022. Ob er ihn erfüllen wird, gilt als fraglich. Zu groß sei das Zerwürfnis, ist zu hören. Laut Aktiengesetz werden Vorstände vom Aufsichtsrat berufen und auch abberufen. Die nächste ordentliche Aufsichtsratssitzung ist für den 12. Dezember angesetzt – das schließt ein außerordentliches, kurzfristiges Treffen davor nicht aus.

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