Zulieferer streicht Stellen Mahle-Beschäftigte sind empört

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Die Mitarbeiter des Zulieferers Mahle sind verärgert, weil sie über den Stellenabbau in Stuttgart zunächst aus den Medien erfahren haben. Und sie fürchten jetzt weitere Sparmaßnahmen. In einer Betriebsversammlung haben sie ihrem Ärger Luft gemacht.

Eisige Arbeitsbedingungen:  Ein Mahle-Beschäftigter  in der   Kältekammer. Foto: Mahle
Eisige Arbeitsbedingungen: Ein Mahle-Beschäftigter in der Kältekammer. Foto: Mahle

Stuttgart - Uwe Schwarte ist empört. Der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates von Mahle macht seinem Ärger Luft: „Das ist respektlos“, schimpft er. „Ich reagiere auch am Tag danach noch emotional“, fügt Schwarte hinzu. Seine heftige Kritik bezieht sich auf den angekündigten Stellenabbau bei dem Zulieferer, der mit Kolben groß geworden ist. Das Unternehmen will 380 der 4300 Arbeitsplätze in Stuttgart bis Ende 2020 streichen. „Die Beschäftigten haben aus den Medien über den Abbau erfahren“, empört sich Schwarte. „Da ist Vertrauen zerstört worden.“

Im Rahmen einer Pressekonferenz hat die Mahle-Geschäftsführung am Montag über die Pläne informiert. Der Betriebsrat sei vorab nicht unterrichtet worden, sagt Schwarte. Die Beschäftigten wurden erst einige Stunden nach der Pressekonferenz in kurzfristig anberaumten Betriebsversammlungen darüber informiert. An unterschiedlichen Mahle-Standorten in der Landeshauptstadt fanden zeitgleich am Montag um 14 Uhr insgesamt drei Versammlungen statt. In der Firmenzentrale im Stuttgarter Stadtteil Bad Cannstatt hat Michael Glowatzki, der in der Mahle-Geschäftsführung für Personalthemen zuständig ist, die Nachricht überbracht. Dabei habe es Proteste gehagelt, beschreibt Schwarte die Stimmung. Mahle setze damit im laufenden Strukturwandel die „falschen Zeichen“. Doch die von Beschäftigten vorgeschlagenen Alternativen zum Stellenabbau – etwa die Einführung von Kurzarbeit oder die tarifvertraglich mögliche Option ,Freizeit statt mehr Geld’ – habe das Unternehmen abgelehnt.

Bei Mahle herrscht Einstellungsstopp

Gestrichen werden sollen die Stellen in den indirekten Bereichen, wozu etwa die Verwaltung, der Musterbau und die Entwicklung gehören. Welche Bereiche konkret betroffen sind, ist bisher unklar. Der Abbau soll über Altersteilzeit und Vorruhestand erfolgen. Mit einer Leistungsverdichtung müssen die Beschäftigten aber schon jetzt rechnen. Denn bei Mahle Stuttgart herrscht Einstellungsstopp; frei werdende Stellen werden nicht besetzt. Und auch die für 2019 bereits budgetierten 300 Stellen – das sind Stellen, die noch nicht ausgeschrieben sind, für die aber Mittel bereit stehen – sollen noch einmal einer Prüfung unterzogen werden, erläutert Schwarte die Lage. Und das dürfte nicht das Ende sein, befürchten Mitarbeiter. Sie schließen nicht aus, dass es auch an anderen deutschen Standorten zu Stellenstreichungen kommen könnte. Allerdings hat Personalchef Glowatzki am Montag gesagt, dass ein Stellenabbau in der Produktion nicht anstehe. Schwankungen in den Werken könnten durch die deutschlandweit 750 Leiharbeiter und befristet Beschäftigten ausgeglichen werden. Mahle darf an einzelnen Standorten bis zu 16 Prozent Leih- oder Zeitarbeiter beschäftigt. Deutschlandweit ist der Anteil auf acht Prozent gedeckelt, das sehen die Verträge vor.

Mahle-Chef Jörg Stratmann hat aber auch betont, dass er die weltweit 160 Standorte unter die Lupe nehmen will. Er wolle „über alle Bereiche, Ländergrenzen und Hierarchieebenen hinweg prüfen, „ob wir schlanker und besser werden können“. Jeder Standort müsse strategisch passen und Ertrag abwerfen. In Deutschland ist Mahle an 26 Orten aktiv; viele dieser Standorte beschäftigen nur 100 bis 500 Mitarbeiter, so Schwarte. Es gebe Standorte, die „nicht so rosig dastehen“.