Zum 100. Mal geöffnet: das Leonberger Repair-Café Ehrenamtliche helfen beim Reparieren

Oft schaffen beim Repair-Café auch Jung und Alt zusammen Foto: Simon Granville

Zum einhundertsten Mal haben Ehrenamtliche im Repair-Café in Leonberg wieder hergerichtet, was zum Wegwerfen viel zu schade ist. Darunter sind vor allem Elektrogeräte, aber auch Feines aus Plissee oder Fahrräder. Die Idee der Nachhaltigkeit hat viele Fans, auch junge.

Lebhafter Betrieb herrscht am Samstag im Bürgerzentrum Stadtmitte neben der Volkshochschule. Die Gäste werden beim Tag der offenen Tür mit einem Glas alkoholfreiem Sekt empfangen, denn es gibt etwas zu feiern. Das Repair-Café hat zum einhundertsten Mal seine Pforten geöffnet. Seit September 2015 bieten rund 30 Ehrenamtliche einmal im Monat – jeweils am zweiten Samstag – ihre Dienste und vor allem ihr Können an.

 

„Das Thema Nachhaltigkeit war unsere Hauptmotivation für eine solche Einrichtung, wie es sie in einigen Nachbarorten schon gab“, erzählt Renate Strauß, die die Kundinnen und Kunden des Repair-Cafés freundlich empfängt. Vor neun Jahren entstand aus der Lokalen Agenda heraus die Idee dazu. In die Tat umgesetzt wurde sie schließlich von Eckart Matthias. Der Ingenieur war bis vor zwei Jahren Sprecher. „Wir hatten ziemlich schnell über 30 Interessierte zusammen, die bereit waren mitzuarbeiten“, erzählt er. Und etwa so viele handwerklich begabte Menschen sind es auch heute noch, die sich der – kaputten – Schätze annehmen, und zwar ehrenamtlich und kostenlos, „gegen eine kleine Spende“, ergänzt Werner Stocker, der nun Sprecher der Gruppe ist.

Und was da alles im Werkstattraum repariert wird: kleine und große Spielzeugautos, Toaster, ein Radiowecker, der rein optisch wohl vor Jahrzehnten der letzte Schrei war, eine Kaffeemaschine, auch Schirme. Elektrische ebenso wie mechanische Probleme gilt es zu lösen. „Die Leute, die hier arbeiten, haben einen fachlichen Hintergrund, sind Ingenieure, Handwerker oder sehr erfahrene Heimwerker“, betont Stocker. Es wird geschraubt, gelötet und auch Teile werden ersetzt. Oft sind es nur Kleinigkeiten, die die „Zum-Wegwerfen-zu-schade-Lieblinge“ wieder auf Trapp bringen.

Die Jungen lernen von den Alten

Unter den Handwerkern fällt ein jüngerer Mann auf: Alexander Just. Der 31-Jährige ist Maschinenbauingenieur und Elektronik-Spezialist. „Ich hab viel Spaß an der Technik“, erklärt er seine Motivation. „So etwas Praktisches wie hier, auch mal Dinge auseinanderzuschrauben, macht man eigentlich im Studium nicht.“ Er könne von den Kollegen im Repair-Café viel lernen. „Die haben richtig viel Ahnung und man hilft sich hier gegenseitig.“

Handys, Fahrräder, Kleidung

Zwar werden Elektrogeräte am häufigsten gebracht – von rund 1500 Reparaturen entfielen seit der Gründung 2015 etwa 800 darauf. Doch es gibt noch andere Spezialisten. Im Textilbereich stehen zwei Nähmaschinen, an denen Frauen sitzen, die fit im Umgang mit Nadel und Faden sind. Eine von ihnen versucht zusammen mit der Kundin, eine Naht an einem rosafarbenen Plissee-Kleid zu richten – ein schwieriges Unterfangen. Neben dem eigentlichen Café-Bereich, in dem Gäste bei Kaffee und Kuchen zusammensitzen, auch solche, die nur auf einen Schwatz vorbeikommen, ist die PC-Werkstatt, der Raum für alles rund um Handys, Smartphone und Computer.

„Wir reparieren die Sachen möglichst immer gemeinsam mit den Besitzern“, erklärt Werner Stocker. Man sei ja kein Dienstleistungsbetrieb, sondern habe einen gewissen „pädagogischen Anspruch“, sagt der Diplom-Pädagoge mit einem Augenzwinkern. Immerhin können zwischen 60 und 80 Prozent aller Gegenstände repariert werden, hat Eckart Matthias, der als Systemadministrator der Gruppe fungiert, in einer Statistik aufgelistet. Pro Termin erledigen zwölf bis 15 Helferinnen durchschnittlich 30 Reparaturen – auch an Fahrrädern.

Das Repair-Café kann noch viel mehr als Reparieren

Die Zweirad-Spezialisten stellen beispielsweise Bremsen richtig ein, beseitigen Wackelkontakte beim Licht oder wechseln Reifen. Einer von ihnen ist Günter Stiefel, der von Anfang an dabei ist. Neben dem Engagement im Sinne der Nachhaltigkeit nennt er noch andere Gründe dafür: „Wir sind eine nette Runde, wir reden auch mal über Gott und die Welt.“ Gelegenheit dazu gibt es vor allem beim gemeinsamen Frühstück, das die Ehrenamtlichen vor jedem Reparaturtag zusammen genießen.

Weitere Infos zum Reparaturtreffen unter www.repair-leonberg.de

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