Zum Bäckerhaus in Roßwälden Die Frau und die Schwägerin waren auch in Sterneküchen

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Kennengelernt haben sich die beiden in der Speisemeisterei, wo Christina Speißer-Eberhardinger, wie die Tochter des Hauses jetzt heißt, nach Stationen in Italien und der Schweiz drei Jahre Chef-Pâtissière war. Nach ihrem Meister sei sie so glücklich, wie sie das Dorf einst verlassen habe, zurückgekehrt. „Die Eltern haben uns Kinder nicht gedrängt. Es hat sich alles so gefunden“, sagt sie und meint damit auch ihren Bruder, den Betriebswirt Joachim Speißer, 30, der vor fünf Jahren die Wirtschaft von der Großmutter übernommen hat und mit seiner Frau führt. Priska Speißer, 30, ist Köchin und lernte ebenfalls in Sternehäusern. Weil es in Roßwälden so gut lief, „waren wir immer einer zu wenig“, sagt sie und spricht von einem „Sechser im Lotto“. Jetzt, wo Markus Eberhardinger dabei sei, könne sie als Schnittstelle zwischen Küche und Service agieren, denn: „Ich sehe meine Gäste gern.“

Die Konditormeisterin muss um drei Uhr morgens hoch

Auch der Küchenmeister und die Konditormeisterin sehen sich gern – und das ist nun einfacher geworden. „Früher gab es Tage, da ist er von der Arbeit gekommen, und ich bin zur Arbeit gegangen“, erzählt Christina Speißer-Eberhardinger. Für das Gespräch ist sie extra lange aufgeblieben. Samstags klingelt der Wecker um 3 Uhr morgens, gerade in der Hochsaison, denn ihre Hochzeitstorten sind begehrt im ganzen Land. Nun kann das Paar zumindest zusammen zu Mittag essen, gegen 21 Uhr ist der Küchenbetrieb meist vorüber und es wird ruhiger in Roßwälden. Anfangs war es Eberhardinger beinahe zu ruhig in Roßwälden. In Stuttgart wohnte er am Marienplatz. „Da gab’s fast jeden Freitagabend Schlägereien vor der Haustüre.“

Fünf Häuser weiter vom Bäckerhaus hat sich das Paar ein Haus renoviert. Drei Türen weiter von der Küche, so viel räumliche Trennung ist den beiden nach den gemeinsamen Jahren in der Speisemeisterei nun gegönnt, holt Christinas Vater Heinrich Speißer gegen 23 Uhr die ersten Netzbrote aus dem Ofen. Stolz zeigt er die extradicke Kruste. Dann ist es aber wirklich Zeit, weiterzuziehen beziehungsweise zu Bett zu gehen. Man wird einfach den Verdacht nicht los, dass in Roßwälden die schwäbische Welt noch schwer in Ordnung ist.

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