Zum Batman-Tag Was könnte ein Superheld wie Batman für Esslingen tun?
Comics und insbesondere Superhelden sind ein extrem beliebter Teil der Popkultur. Doch wo genau liegt der Reiz bei Bildgeschichten über Batman und seine Kollegen?
Comics und insbesondere Superhelden sind ein extrem beliebter Teil der Popkultur. Doch wo genau liegt der Reiz bei Bildgeschichten über Batman und seine Kollegen?
Eine Wolke schiebt sich vor den Mond und legt Dunkelheit über den Bahnhofsvorplatz. Die Geisterstunde ist schon lange vorbei, nun schlägt die Stunde der Ganoven. Heimlich und leise gehen sie hier ihren Machenschaften nach, ohne zu bemerken, dass ein dunkler Schemen mit spitzen Ohren auf dem Dach eines angrenzenden Gebäudes steht.
Als die Gangster am wenigsten damit rechnen, setzt sich der „Dunkle Ritter“ in Bewegung, springt vom Dach – und batz, krach, bumm. Fertig verschnürt findet die Polizei die Verbrecher kurz darauf, von dem Held fehlt jede Spur.
So oder so ähnlich könnte ein Comic über Batman im beschaulichen Esslingen beginnen. Doch welchen Reiz haben Bildgeschichten über Superhelden im Allgemeinen und dieser Fledermausmann im Speziellen?
Antworten auf diese Frage können Fans wohl am besten liefern. Und zum Batman-Tag sind davon einige in die Sammlerecke in der Daimlerstraße gekommen. Schon bei der Ankunft wird klar, welche Strahlkraft Superhelden auf Fans haben. Denn viele Autos auf dem Parkplatz stammen laut Kennzeichen nicht aus dem Landkreis. „Ich war als Jugendlicher schon Fan und bin jetzt seit zwei Jahren wieder voll im Fieber“, sagt etwa Andreas Wlotzek.
Besonders fesselt ihn gerade an den Geschichten über Batman, dass diese realer gehalten sind als Fantasyromane oder andere Genres der seichteren Unterhaltung. „Man erkennt viel aus der realen Welt wieder“, sagt er. Auch Emy Brehm schlägt in diese Kerbe: „Batman hat keine übernatürlichen Kräfte, sondern ist einfach schlau und reich.“ Über Superhelden sagt sie: „Ich denke, dass die Menschen von sich aus eine gewisse Faszination für Übernatürliches mitbringen, für etwas, das über den eigenen Verstand hinausgeht.“ Die Verlage könnten diese Faszination sehr gut aufgreifen. Und Spuren dieser Faszination lassen sich schließlich auch in Esslingen wiederfinden.
Auch der Postmichel trat als geisterhafte Gestalt nachts auf und wurde in gewisser Weise zum Rächer seines eigenen Todes. Und Batman? Was könnte er in Esslingen tun? Nun, anders als das Horn des Postmichels gibt ein Scheinwerfer das Signal. Dieser wirft das Bat-Symbol, eine schwarze Fledermaus auf gelbem Grund, an den Himmel und verdeutlicht Bruce Wayne, dass er schnell in sein Kostüm schlüpfen muss und als sein Alter Ego in der Stadt gebraucht wird. „Das Bat-Symbol würde sich über der Esslinger Burg am Himmel bestimmt gut machen“, vermutet Felix Maus. Wie allerdings das sperrige Batmobil, das vielseitige Fahrzeug des Batman, auf die Fahrradstraße in der Hindenburgstraße oder in die schmalen Gassen der Altstadt passt, bleibt offen. Daher ist sich Sonja Maus auch fast sicher, dass Bruce Wayne selbst für die Stadt die größere Bereicherung wäre.
Als Junge verliert er bei einem Raubüberfall beide Eltern und schwört daraufhin, als Batman das Verbrechen in seiner Heimatstadt Gotham City zu bekämpfen. Zudem erbt er das milliardenschwere Vermögen der Familie. „Angesichts der Krisen und Baustellen die gerade offen sind, würde die Stadt bestimmt freuen, wenn eine Spende aus dem Hause Wayne einginge“, sagt Sonja Maus. Auch Andreas Saß denkt, dass ein oder mehrere Superhelden unserer Welt guttun könnten. „Wir haben mit Sicherheit aktuell genug Krisenherde, an denen Helden helfen könnten“, sagt er. Er ist ein großer Batman-Fan und hat, wie er sagt, bestimmt über tausend Hefte des Helden im Regal stehen. Daher weiß er auch: „Gerade bei Batman ist aber das Problem, dass er häufig am Rande der Legalität handelt und so seine Gegner mitunter selbst erschafft.“ Ein Superheld braucht immer auch einen Gegenspieler.
Bei den Fans sind auch diese beliebt. So gibt es auch um bekannte Schurken wie den Joker, Harley Quinn oder den Pinguin mehrere eigene Geschichten oder Fernsehserien.
„Batmans Feinde sind auch etwas ganz Besonderes“, sagt Sonja Maus. Sie seien glaubhafter gehalten als manch übernatürlicher Superschurke aus anderen Reihen, findet sie. Zur Zeit des Zweiten Weltkriegs kämpften Helden wie Batman und Superman, ein fliegender und quasi unbesiegbarer Superheld, auch für Propagandazwecke gegen das NS-Regime.
So stellte der „Mann aus Stahl“ in einem Comic etwa Hitler und Stalin vor Gericht und konnte so den Krieg beenden – und dies sogar ein Jahr bevor die USA in den Krieg eintraten. Solch ein schnelles Ende wünscht man sich auch heute für jeden bewaffneten Konflikt. Wenn Helden wie Batman ihre Gegner wirklich selbst erschaffen, wie Fan und Sammler Andreas Saß sagt, ist es vielleicht doch besser so, dass sich das Bat-Signal in Esslingen nur auf T-Shirts wiederfindet.
„Im Verlauf der Comics wird die Lage in der Stadt eigentlich immer schlimmer“, sagt Saß. Wenn künftig in Esslingen auch Joker und Co. ihr Unwesen treiben, wäre schließlich auch keinem geholfen. Dann doch lieber die langsamen Mühlen von Bürokratie und Recht als Selbstjustiz und Chaos.
Ursprünge
Batman ist einer der ältesten und bekanntesten Superhelden. Schon 1939 wurde die Figur von den beiden Amerikanern Bill Finger und Bob Kane erdacht. Von Beginn an werden die Geschichten vom Verlag DC Comics herausgebracht. In über 80 Jahren sind schier endlose Geschichten, Comics und später auch Filme und Serien erschienen. Eine der bekanntesten Veröffentlichungen der letzten Jahre ist die „Dark Knight“-Trilogie von Regisseur Christopher Nolan.
Welttag
Der Batman-Tag findet jährlich statt, meist legt DC Comics den dritten Samstag im September für dieses Event fest. Der Verlag stellt Fans an diesem Tag häufig ein besonderes Gratisheft zur Verfügung. Auch in der Esslinger Sammlerecke in der Daimlerstraße wird der Tag gefeiert. Neben den Gratisheften gibt es hier auch einen Comic-Flohmarkt, bei dem zahlreiche Hefte zum Kilopreis verkauft werden.