Zum Biosphären-Aus in Oberschwaben Undank der Beschenkten

Idyllische Kulisse: Die Gemeinde Seekirch am Federsee. Das Gewässer sollte der Mittelpunkt des neuen Biosphärengebiets werden. Dazu kommt es nun nicht. Foto: dpa/Thomas Warnack

In Oberschwaben entsteht nach langen Debatten doch kein Biosphärengebiet. Der Schmerz darüber ist klein. Die Gegner hatten leichtes Spiel, meint unser Autor Rüdiger Bäßler.

Politik/Baden-Württemberg: Rüdiger Bäßler (rub)

Ob das abrupte Scheitern eines dritten Biosphärengebiets in Oberschwaben noch einmal bereut werden wird: Wer weiß das schon? Fest steht, dass dieser Plan, festgeschrieben im geltenden Koalitionsvertrag, wohl nie eine Chance hatte. Nicht nur, weil starke Lobbygruppen aus Wald- und Grundbesitzern eine Gegenkampagne aufzogen, deren Grundton war, Oberschwaben werde durch eine unberechenbare UNESCO, die ständig Umwelt- und Klimaregeln verschärfe, entmündigt und behindert. Nicht nur, weil der CDU-Agrarminister Hauk beizeiten begann, sich diesem Widerstand in Volksreden anzuschließen und damit das politische Klima beeinflusste. Auch nicht allein, weil Klimaprojekte zunehmend hinter dem Ziel zurückstehen müssen, Baden-Württembergs Wohlstand zu sichern.

 

Teilnahmslosigkeit regionalpolitischer Kreise

Der entscheidende Webfehler der ganzen Sache ist die Grundannahme landespolitischer Kreise, Oberschwaben könne durch ein Bioshärengebiet mit all seinen finanziellen Fördermöglichkeiten strukturell geholfen werden, und es werde dankbar dafür sein. Allein: Es gibt gar keine messbare oberschwäbische Identität, bloß stolze Städte und Gemeinden mit durchaus disparaten Interessen. Da ist kein flächendeckend nachweisbares Gefühl der Benachteiligung, kein Gestern, das nicht ins Morgen findet, wenige Einöden, keine putzigen Traditionen, die der Zukunft hinderlich sind. Das ist der Grund für die überwiegende Teilnahmslosigkeit regionalpolitischer Kreise und das leichte Spiel der um Profite besorgten Gegner, die sich so empört gebärdeten. Weil das so ist, muss man das Scheitern des Biosphärengebiets nicht bedauern.

Aus welchem Topf hingegen die notwendige Vernässung der oberschwäbischen Moore zur Eindämmung des CO2-Ausstoßes finanziert werden soll, diese Frage bleibt.

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