Zum Geburtstag von Rezzo Schlauch Mein Rohr

Von Uwe Bogen 

Zum 70. Geburtstag von Rezzo Schlauch haben 55 Medienleute und Freunde ein Buch mit Anekdoten aus dem Leben des Stuttgarter Grünen verfasst. Unser Kolumnist Uwe Bogen schrieb dafür den Text „Mein Rohr“.

Der Artikel erschien im November 2002 und ist in Journalistenkreisen unvergessen. Foto: ubo 14 Bilder
Der Artikel erschien im November 2002 und ist in Journalistenkreisen unvergessen. Foto: ubo

Stuttgart - Über den „Ankerpunkt seines Lebens“ hat Rezzo Schlauch im November 2002 mit meinem Kollegen Hilmar Pfister gesprochen. Hilmar war damals Volontär der „Stuttgarter Nachrichten“ und zählt das sehr persönliche Interview mit Rezzo heute noch zu den „Meilensteinen“ seiner journalistischen Laufbahn.

In Berlin war der Grüne damals Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit. Nur die Hektik der Hauptstadt sei nicht „sein Ding“, sagte Rezzo, er schätze und genieße die „schwäbische Beschaulichkeit“, die er in seinem Wohnort, im Stuttgarter Stadtteil Rohr, finde. „Hier ist alles sehr heimelig“, lobte Rezzo. Zusammen mit Freunden habe er sich in Rohr ein schönes, altes Haus gekauft, wo er am liebsten „auf dem Balkon im grünen Dschungel“ sitze. Es habe eine Weile gedauert, bis er sich an die „bürgerlich-konservative Umgebung“ in seiner Wohngegend gewöhnt habe, vertraute er 2002 dem Volontär Pfister an. Aber inzwischen sei er „voll akzeptiert“ in Rohr, wo er seinen „Joggingpfad praktisch vor der Haustüre“ vorgefunden habe und im Ort freundlich von überraschten Leuten angesprochen werde, die sich wunderten, dass er ohne Bodyguard unterwegs sei.

Ein Loblied auf den Stadtteil

Das Interview erschien in einer Zeitungsserie, in der prominente Stuttgarterinnen und Stuttgarter ein Loblied auf ihren Stadtteil anstimmten. Als Überschrift konnte man stets den Namen des geliebten Stadtteils mit „Mein“ davor lesen, also etwa „Mein Feuerbach“ oder „Mein Zuffenhausen“. Und jetzt wird langsam klar, warum das Gespräch mit Rezzo Schlauch für den Kollegen Pfister zu einem „Meilenstein“ geworden ist, fast zu einem traumatischen Erlebnis, um ehrlich zu sein. Noch jahrelang hätten ihn die Kollegen deswegen aufgezogen. Der ausgeschnittene Artikel ist an etlichen Arbeitsplätzen im Pressehaus Stuttgart aufgehängt worden – zur Erheiterung des journalistischen Nachwuchses.

Denn wie lautete die Überschrift der Serienfolge mit Rezzo? Erfüllte der Artikel wirklich das, was er vorneweg in großen Lettern versprach? Zu lesen war mit zwei Wortendeutlich und klar: „Mein Rohr“. Der Rest bleibt geheim.

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