Zum Gedenken an die Weiße Rose Ludwigsburg bekommt eine Sophie-Scholl-Schule

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Späte Ehre für die Widerstandskämpferin gegen die Nazi-Diktatur, die als Kind mit ihrer Familie in Ludwigsburg gelebt hat: Nach der Fusion mit der Pestalozzischule bekommt die Anton-Bruckner-Schule einen neuen Namen.

Die ehemalige Mädchenschule (linkes Gebäude), später Pestalozzischule Foto: factum/Archiv
Die ehemalige Mädchenschule (linkes Gebäude), später Pestalozzischule Foto: factum/Archiv

Ludwigsburg - Gerade in der heutigen Zeit könnten die mutigen Taten der Geschwister Scholl Vorbild sein, meint Stadtarchivar Simon Karzel. Erst recht, wenn es einen unmittelbaren Bezug zur Stadt gebe. Dass der im Falle Ludwigsburgs existiert, spielte bisher kaum eine Rolle, doch das soll sich nun ändern. Die Grundschule, die Sophie Scholl zwei Jahre lang besucht hat, soll jetzt ihren Namen bekommen. Die Schulgremien haben bereits zugestimmt, nun muss noch der Sozialausschuss des Gemeinderats grünes Licht geben.

Sophie Scholl ging hier zur Schule

„Ich war schon etwas befremdet, als ich an die Schule kam und feststellen musste, dass nichts an Sophie Scholl erinnert“, sagt Simone Werner-Mehl. Sie kam vor drei Jahren nach Ludwigsburg – zunächst als Rektorin der Pestalozzi-Grundschule, jetzt leitet sie die Anton-Bruckner-Schule. Grund dafür ist die 2017 beschlossene Fusion der beiden Schulen an der Schulgasse 6 und 8. Inzwischen werden an der Pestalozzischule keine neuen Jahrgänge mehr gebildet, die Grundschule geht komplett in die Anton-Bruckner-Schule über.

Doch die fusionierte Grundschule in der Stadtmitte soll vom Schuljahr 2019/20 an auch nicht mehr den Namen des Musikers Anton Bruckner tragen, sondern den der ermordeten Widerstandskämpferin Sophie Scholl. Diskutiert wird darüber schon seit einigen Jahren: Vor allem der Arbeitskreis Gedenken Geschwister Scholl hat sich immer wieder dafür stark gemacht.

Jugendgemeinderat macht Druck

Auf Druck des Jugendgemeinderats wurde der angeschobene Prozess der Umbenennung jetzt beschleunigt. Die Idee, die Schule nach den Geschwistern Scholl zu benennen, wurde verworfen. Mit Verweis darauf, dass Sophie Scholl diese Schule tatsächlich besucht hat, während ihr älterer Bruder Hans, der später ebenfalls der Widerstandsbewegung Weiße Rose angehörte, damals bereits die Oberrealschule – das heutige Mörike-Gymnasium – besucht hat. Auch dort erinnert nichts an Hans Scholl.

Tatsächlich hat die Familie Scholl nur von Juni 1930 bis Mai 1932 in Ludwigsburg gewohnt. Und zwar in der Schillerstraße 7, an der Ecke Myliusstraße. Der Vater war zuvor Bürgermeister in Forchtenberg, war aber nicht wiedergewählt worden, weshalb er eine Anstellung beim Stuttgarter Malerbund annahm. „Vermutlich war dem Ehepaar Scholl Ludwigsburg in guter Erinnerung“, sagt Karzel. „denn die beiden haben sich während des Ersten Weltkriegs hier in einem Lazarett kennengelernt“, sagt Karzel. Offenbar aber wurde der Vater hier nicht glücklich, die Familie zog 1932 nach Ulm, wo er als Wirtschaftsprüfer arbeitete.

„Nur wenige Spuren hinterlassen“

Schulleiterin Simone Werner-Mehl hat sich in den Sommerferien auf Spurensuche begeben und immerhin in einer Festschrift ein Foto entdeckt, auf dem Sophie Scholl zu sehen ist. Außerdem hat sie einen Eintrag von ihr in einem alten Poesiealbum gefunden. „Die Familie hat tatsächlich nur wenige Spuren hinterlassen“, sagt Karzel. „Das liegt natürlich daran, dass sie nur relativ kurz hier waren.“ Aber man dürfe auch nicht vergessen, dass Sophie Scholl erst neun Jahre alt war, als die Familie nach Ludwigsburg kam.

Dennoch sei die Idee der Schultaufe gut. Damit könne 75 Jahre nach ihrer Ermordung endlich auch in Ludwigsburg die Erinnerung an die Kämpferin gegen die Nazi-Diktatur einsetzen. Seine Erfahrung mit Schülern habe ihm gezeigt, dass bei der Vermittlung von Geschichte ein direkter Bezug nützlich sei. „So wird ein eher abstrakter Stoff sehr plastisch.“

Sophie und Hans Scholl wurden am 22. Februar 1943 mit Christoph Probst von den Nazis hingerichtet. Die drei gehörten der Widerstandsgruppe Weiße Rose an. Sie waren vier Tage zuvor verhaftet worden, als sie in der Münchener Universität Flugblätter ausgelegt hatten, in denen sie zum Widerstand gegen das NS-Regime aufriefen.




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