Der Freiburger Anwalt und Ex-Stadtrat Michael Moos ist bei der KZ-Gedenkstätteninitiative Leonberg zu Gast. Mit dabei hat er sein Buch „Und nichts mehr wurde wie es war...“.

Leonberg: Marius Venturini (mv)

Einen ganz besonderen Gast hat die KZ-Gedenkstätteninitiative Leonberg an diesem Sonntag, 2. November, zu Gast. Im Haus der Begegnung, Eltinger Straße 23, liest der Freiburger Anwalt und ehemalige Stadtrat Michael Moos aus seinem Buch „Und nichts mehr wurde wie es war...“. Beginn der Veranstaltung ist um 19 Uhr, im Anschluss gibt es die Gelegenheit für Gespräche mit dem Autor. Die Lesung findet mit Blick auf den Jahrestag der Reichspogromnacht am 9. November statt.

 

Moos’ Eltern flüchteten 1933 über London nach Tel Aviv

Moos berichtet in seinem Buch über seine Familiengeschichte und sein Leben an ganz unterschiedlichen Orten. Bis zu seinem sechsten Lebensjahr lebte er mit seiner Familie in Tel Aviv. Dorthin hatten seine Eltern 1933 flüchten müssen, ursprünglich hatten sie in Ulm gelebt. Die Flucht vor den Nationalsozialisten führte sie über London schließlich ins heutige Israel. Von dort kehrten sie 1953 wieder nach Deutschland zurück.

Erst mit Mitte 40 kehrte Michael Moos nach Israel zurück. „Als ich in Tel Aviv vor dem Haus meiner Familie stand, zitterte ich vor Aufregung“, sagte Moos jüngst über sich selbst in einem Beitrag in der Zeitung „Jüdische Allgemeine“. Die Stadt sehe er als Zufluchtsort seiner Eltern und der Großeltern seiner Mutter. „Doch mein Verhältnis zu Israel ist zerrissen.“ Als „notwendig und unverrückbar“ bezeichnet er die Existenz des Landes – der israelischen Politik stehe er hingegen „sehr skeptisch“ gegenüber. Es sei ein „vielschichtiges und schwieriges Thema“.

„Ich spürte, dass bei uns alles anders war“

Der Vater politisch engagiert, die Mutter aufgrund der Verfolgungserfahrung psychisch krank, die Großmutter nach dem Suizid des Großvaters schwer belastet: „Ich spürte, dass bei uns alles anders war als in meinem Umfeld“, gibt Moos im Gespräch mit der „Jüdischen Allgemeinen“ an. In der Lesung in Leonberg mit anschließendem Gespräch berichtet er auch über die Illusionen seines Vaters über die Rückkehr nach Ulm, seine Erfahrungen mit Antisemitismus und die Tatsache, dass er viele Jahre vom Verfassungsschutz beobachtet wurde.

Tätigkeit als Anwalt sei Moos’ Wunsch nach Gerechtigkeit entsprungen

Seine Tätigkeit als Anwalt sei wohl vor allem seinem Wunsch nach Gerechtigkeit entsprungen. „Ich hatte den richtigen Beruf gewählt und das Gefühl, etwas bewirken zu können“, sagt er. Nach seinem Abschied aus der Anwalts-Bürogemeinschaft habe er schließlich, mit 70 Jahren, mit seinem Buch angefangen – und rasch bemerkt, dass nicht nur die Geschichte seiner Familie, sondern auch seine eigene Biografie sowie seine lange Suche nach Identität ein Teil davon werden müsse.

„Und nichts mehr wurde wie es war...“ umfasst 150 Seiten und ist Anfang Juli im Verlag Klemm+Oelschläger erschienen.