Organisator, Motivator, Macher und auch Vaterfigur: Adolf Rager hat nicht nur in seinem Verein KV 95 Stuttgart Spuren hinterlassen. Eines war ihm eine Herzensangelegenheit.
Vor vier Wochen feierte er noch runden Geburtstag. Nun ist in ihm einer der über Jahrzehnte engagiertesten Sportfunktionäre der baden-württembergischen Landeshauptstadt aus dem Leben geschieden. Adolf Rager, Urgestein des KV 95 Stuttgart, ist im Alter von 95 Jahren verstorben.
Seit dem Jahr 1949 war der Kaltentaler mit seinem Verein am Vaihinger Dachswald verbunden. Besonders angetan hatte es ihm seit jeher der Ringersport, in dem er es einst selbst zum württembergischen Jugendmeister brachte. Doch weit wichtiger als seine eigene sportliche Karriere war sein ehrenamtliches Wirken. Schon 1949, als gerade mal 18-Jähriger, übernahm Rager den Job als Jugendleiter, danach war er Kassier und Geschäftsführer, ehe er von 1973 an vier Dekaden lang als Vorsitzender die Geschicke des KV 95 Stuttgart lenkte. Und wie! Rager war Organisator, Motivator, Macher. Unter ihm entstanden Tennis und Faustball als zusätzliche Abteilungen und ging das neue Vereinsheim in Betrieb. Zusätzliche Aufgaben erfüllte Rager als Jugendleiter im Württembergischen Ringer-Bund. Und maßgeblich beteiligt war er an der Gestaltung überregional bedeutsamer Sportveranstaltungen wie zum Beispiel den Ringereuropameisterschaften 1991 in Stuttgart.
Daneben war Rager das von ihm in Vaihingen ins Leben gerufene Integrationsmodell mit jungen Russland-Deutschen eine Herzensangelegenheit. Sein Engagement hierfür reichte von der Vermittlung von Nachhilfeunterricht und Hausaufgabenbetreuung bis zur Unterstützung bei der Wohnungssuche und der Führerscheinprüfung. Er organisierte für seine Ringer-Schützlinge umfangreiche Trainingsmöglichkeiten in den Sporthallen des Hegel-Gymnasiums und der Waldburgschule. Dabei trat er durchaus auch mal in einer polternd-strengen vaterähnlichen Rolle auf, ehe er wieder Milde walten ließ. Unterwegs war Rager für die Seinen stets umtriebig und mit offenem Ohr. Mit Unverständnis verfolgte er das Gebaren manch anderer Clubs, die weniger auf Nachwuchsarbeit setzten als ihre Kader mit Kraft des Geldbeutels aufstellten. Und gänzlich fremd waren ihm die Auswüchse der millionenschweren Fußballbranche. Dass jene in der von ihm gelesenen Zeitung auch noch ein tägliches breites Podium erhält? Seine Meinung dazu tat Rager bei Gelegenheit am Telefonhörer kund oder auch als Besucher direkt in der Redaktion. Unfreundlich respektive unsachlich wurde er dabei nie.
Bundesverdienstkreuz als höchste Auszeichnung
Für seine Verdienste um Sport und Gesellschaft wurden Adolf Rager viele Auszeichnungen zuteil. Er war Ehrenmitglied des Württembergischen Ringerverbandes, Ehrenvorsitzender des KV 95, wurde zum Sportpionier der Landeshauptstadt Stuttgart ernannt und erhielt 1995 die Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg. Und im Jahr 2005 kam vom damaligen Ministerpräsidenten Günther Oettinger das Bundesverdienstkreuz hinzu.
Zuletzt lebte Rager in einem Seniorenheim in Stuttgart-Rohr. Gestorben ist er vor eineinhalb Wochen am 1. März.