Zum Tod von Helmut Rottler Fußballszene trauert um eine Legende – „Größtes Talent, das Aidlingen je hatte“

, aktualisiert am 21.01.2026 - 14:47 Uhr
Helmut Rottler und sein Bruder Gerhard Rottler (v. re.) prägten die SpVgg Aidlingen in unterschiedlichen Funktionen. Foto: privat

Helmut Rottler war eine der prägenden Figuren in der Fußballszene in den 60er, 70er und 80er Jahren und weit über den Kreis Böblingen hinaus bekannt. Nun ist der Alleskönner verstorben.

Humorvoll war er, aber durchaus auch streng. Motivieren konnte er seine Fußballer von der SpVgg Aidlingen und später beim TSV Dagersheim, TV Darmsheim und FC Gärtringen sowieso. Er hatte ein Gefühl dafür, wie er mit den unterschiedlichen Spielertypen umgehen muss. Wusste genau, bei wem er schärfere Worte wählen darf, und mit wem er ruhiger sprechen muss. Ein guter Trainer kann sowas ganz genau einschätzen – und Helmut Rottler war definitiv ein guter Trainer. Jetzt ist er im Alter von 87 Jahren kurz vor seinem 88. Geburtstag verstorben.

 

„Laut kannte man nicht von ihm“, sagt Manfred Vetter, sein ehemaliger Spieler bei der SpVgg Aidlingen. „In der Kabine gab es bei uns nie Theater.“ Selbst nach Niederlagen war die Analyse von Helmut Rottler sachlich. Vor, während und direkt nach dem Spiel befand sich der Fußballfachmann im Tunnel, „aber wenn er aus der Dusche kam, hat er gleich wieder was für die Kameradschaft organisiert“, erzählt Manfred Vetter. „Unsere Gemeinschaft ging auch dank ihm über den Sportplatz hinaus.“

Autokorso nach dem Titelgewinn der SpVgg Aidlingen 1973/1974 in der II. Amateurliga: Meistertrainer Helmut Rottler (auf dem Dach) legte bei seiner Mannschaft stets großen Wert auf Kameradschaft. Foto: privat

Helmut Rottler war bei der SpVgg Aidlingen mehr als nur ein Trainer

Als Spieler lief Helmut Rottler nur für die SpVgg Aidlingen auf. Von der Jugend an immer nur gelb-schwarz. Lange Zeit als Stürmer, wodurch er in seiner Karriere auf beeindruckende 435 Tore in 714 absolvierten Partien kam. Unvergessen sein Siebenerpack beim 7:0 in Dätzingen. Später versetzte er sich selbst immer weiter nach hinten. Erst ins Mittelfeld, dann ins Abwehrzentrum als derjenige, der Mann gegen Mann gegen den gegnerischen Stoßstürmer ackerte.

Helmut Rottler dachte nämlich stets mannschaftsdienlich. „Wir hatten mit Reiner Müller und Adi Gorczinsky zwei Superstürmer“, erinnert sich sein Bruder Gerhard Rottler, selbst für einige Jahre Abteilungsleiter bei der SpVgg Aidlingen. „Dazu kam ein Topmittelfeld mit Manfred Vetter, Helmut Heinrich und Dieter Wellinger.“

Helmut Rottler: Routine und cleveres Stellungsspiel

Am meisten konnte Helmut Rottler, der zu dieser Zeit schon als Spielertrainer fungierte, dem Team mit Routine und cleverem Stellungsspiel in der Defensive helfen. Und weil ihm das bewusst war, tat er es auch. „Er hat uns hinten den Halt gegeben“, bestätigt Manfred Vetter. „Er stand einfach gut, war zudem ein guter Zuspieler und Freistoßschütze mit guter Übersicht.“ Gerhard Rottler ergänzt: „Ich behaupte, mein Bruder war das größte Talent, das Aidlingen je hatte. Er konnte einfach überall spielen.“

In den Saisons 64/65 und 65/66 hatte Helmut Rottler erstmals das Amt als Spielertrainer übernommen, das er auch von 72/73, bis 74/75 noch einmal drei Jahre lang in den absoluten Hochzeiten des Vereins ausübte. Weil er es als das Beste für die Mannschaft ansah, kam er immer häufiger als Ersatzspieler aufs Feld.

Im Saisonendspurt wechselte sich Helmut Rottler selbst ein

Wie 73/74 im Saisonendspurt gegen die SpVgg Feuerbach, als es ihn nicht mehr auf der Bank hielt. Er wechselte sich selbst ein und machte mit dem 2:0 den Sack zu, was der SpVgg Aidlingen zur Meisterschaft in der II. Amateurliga verhalf. Das hatte schon etwas von Günter Netzer. Die Truppe vom Vogelherdle stieg somit in die I. Amateurliga auf, die damals dritthöchste Klasse in ganz Deutschland.

Es war der Goldene Jahrgang der Gelb-Schwarzen, angeführt von einem, der zu jedem ein gutes Verhältnis pflegte. „Für uns Jugendspieler war Helmut Rottler eindeutig ein Vorbild, als wir zu den Aktiven kamen“, nickt Manfred Vetter. „Er war ein Glücksfall für uns Junge – und für Aidlingen sowieso. So jemanden wird es nie mehr geben.“

Helmut Rottler stellte sich nie in den Mittelpunkt

Dass dem heutigen Ehrenmitglied des Vereins auch der Schalk im Nacken saß, bewies Helmut Rottler, als er in den Spielerversammlungen, die schon mal bis 2 Uhr nachts gehen konnten, die Aufstellung für die kommende Begegnung bekannt gab. Auf einen großen weißen Zettel schrieb er als erstes schmunzelnd seinen eigenen Namen und meinte dazu: „Also mal ich.“

Wer ihn kennt, der weiß, dass er das im Spaß tat, denn sich selbst stellte Helmut Rottler nie in den Mittelpunkt. Für ihn zählte der Teamgedanke. „Er hat nicht nur Fußballsachen organisiert, sondern auch Ausflüge und sonstige Treffen“, beschreibt Manfred Vetter. „Er sagte: ,heute Abend gehen wir dorthin’ – und das machten wir dann auch. Für uns war er mehr als nur ein Trainer.“

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