Bei seinem letzten offiziellen Auftritt in Dagersheim 2021: Herbert Kopetschke Foto: Eibner/Bürke
Von 1975 bis 1999 war er Ortsvorsteher des Böblinger Stadtteils Dagersheim und kümmerte sich stets engagiert um „seinen Flecken“. Jetzt ist Herbert Kopetschke nach längerer Krankheit mit 86 Jahren verstorben.
Robert Krülle
09.11.2024 - 06:24 Uhr
Vor drei Jahren war er noch einmal der Ortsvorsteher von damals. Zum 50-Jahr-Jubiläum des Zusammenschlusses von Böblingen und Dagersheim erinnerte Herbert Kopetschke an alte Zeiten. Im Bezirksamt erzählte er im Rahmen einer Ausstellungseröffnung so manche Anekdote aus dem „Flecken“. Hier war er zuhause, hier setzte er sich über Jahrzehnte für das Gemeinwohl ein. Seit 1962 im Dagersheimer Rathaus beschäftigt, wurde er 1975 zum Ortsvorsteher gewählt und füllte das Amt bis 1999 gewissenhaft aus. Er prägte den Ort wie kaum ein Zweiter und wurde sehr geschätzt. Am 29. Oktober ist Herbert Kopetschke nach längerer Krankheit mit 86 Jahren verstorben.
In der zweiten Hälfte von Kopetschkes Amtszeit war Alexander Vogelgsang Oberbürgermeister von Böblingen. „Ich habe ihn als Dagersheimer mit Leib und Seele erlebt“, sagt der ehemalige OB, der vor Kurzem 80 Jahre alt geworden ist, „er war mit den Geschichten vor Ort ebenso vertraut wie mit den Interna und Stimmungen bei den Vereinen.“ Herbert Kopetschke vertrat mit Engagement die Interessen Dagersheims, „aber er war nicht auf Konfrontation mit der Kernstadt gepolt“, wie Vogelgsang betont. Den ehemaligen Ortsvorsteher habe großer Fleiß und eine ausgleichende Art ausgezeichnet. „Er war ein sehr angenehmer und für die Stadtgesellschaft wertvoller Mensch.“
Herbert Kopetschke nahm sein Amt ernst, Weggefährten nennen ihn die „Pflichterfüllung in Person“, einen loyalen und bescheidenen Diener der Sache. Und dabei hatte er stets ein offenes Ohr für „seine“ Dagersheimerinnen und Dagersheimer. Wenn Kopetschke mittags heim zum Essen ging und er auf dem Weg auf Probleme oder Missstände hingewiesen wurde, dann hörte er zu und kümmerte sich baldmöglichst darum. „Das Straßenkehren am Samstag hat manchmal ziemlich lang gedauert“, erinnert sich seine Ehefrau Doris. Nicht etwa weil ihr Mann trödelte, sondern weil er immer wieder angesprochen wurde und sich gerne die Zeit nahm. „Das war wie eine Sprechstunde.“
Lange war Herbert Kopetschke als Ehrenmitglied des TSV Dagersheim, im Liederkranz, bei den Kleintierzüchtern oder im Krankenpflegeverein aktiv, zog sich aber im Ruhestand mehr und mehr zurück. Der zweifache Großvater kümmerte sich um die Familie, das Haus und den Garten und ging mit seiner Frau auf Reisen. Bergwandern war lange Zeit gesetzt – in Achenkirch (im Frühjahr) und in Hindelang (im Herbst). „Irgendwann haben wir uns auf den Herbst beschränkt", erzählt Doris Kopetschke, „in Hindelang waren wir aber bis zur Corona-Pandemie jedes Jahr.“
Herbert Kopetschke (rechts) erhält zum Ende seiner Amtszeit die Bundesverdienstmedaille, ausgehändigt vom damaligen Oberbürgermeister Alexander Vogelgsang. Foto: Archiv/Volker Winkler
Auch wenn Herbert Kopetschke zuletzt mit Krankheiten zu kämpfen hatte und körperlich abbaute, war er immer ein begeisterter und akribischer Leser der Böblinger Kreiszeitung. „Er hat sie täglich von vorne bis hinten genau studiert“, verrät seine Frau, „und viele Artikel aufgehoben.“
Zwar war Herbert Kopetschke beim Zusammenschluss von Böblingen und Dagersheim noch nicht Ortsvorsteher, sondern „nur“ einfacher Mitarbeiter im Rathaus, hatte aber doch einen gewissen Anteil. Beim 50-Jahr-Jubiläum, seinem letzten offiziellen Auftritt, berichtete er von dem heißen Julitag 1971, als die Vertragsunterschrift anstand. Kopetschke wies damals an, dass der Springbrunnen vor dem Dagersheimer Rathaus stärker aufgedreht werden solle – der schöneren Optik wegen. „Doch ausgerechnet, als OB Wolfgang Brumme und die Stadträte vorbeiliefen, kam eine Böe und die Herrschaften wurden etwas nass“, erzählte Herbert Kopetschke. Und konnte sich dabei ein Schmunzeln nicht verkneifen.
Die Trauerfeier mit Urnenbestattung findet am Mittwoch, 13. November, um 12.30 Uhr auf dem Friedhof in Dagersheim statt.