Zum Tod von Klaus Doldinger Jazzrock und Filmmusik für Generationen

Reisender in Sachen Musik: Klaus Doldinger (1936 – 2025) Foto: dpa

Er schuf die Titelmelodie für den „Tatort“ und „Das Boot“: Der Komponist und Jazzmusiker Klaus Doldinger ist im Alter von 89 Jahren gestorben.

Der bekannte deutsche Jazzmusiker Klaus Doldinger ist tot. Er starb bereits am Donnerstagabend im Alter von 89 Jahren in den Armen seiner Familie. Bis ins hohe Alter stand Doldinger bei mehr als 5000 Auftritten auf der Bühne. Mit seiner Formation Passport öffneten sich ihm die Schlagbäume Europas, und Doldinger war selbst amerikanischen Jazzfreunden ein Begriff. Dem großen Publikum wurde er bekannt durch die Titelmelodie der Krimireihe „Tatort“.

 

Viele haben womöglich seinen Namen noch nie gehört, seine einprägsame Musiken jedoch kennen sie alle. Die wenigsten allerdings können, würde man sie fragen, die „Tatort“-Melodie nachsingen oder pfeifen. Mit den Titelmusiken für „Das Boot“, „Die unendliche Geschichte“, „Salz auf meiner Haut“ oder für die Fernsehserien „Ein Fall für Zwei“ und „Liebling Kreuzberg“ trug Doldinger zu den Erfolgen dieser Filme bei. Und wurde nebenbei zu einem der bestverdienenden deutschen Musiker.

Udo Lindenberg trauert um seinen Mentor

Als Doldinger seinen 85. Geburtstag feierte, würdigte ihn Bundespräsident Walter Steinmeier als „kreativen Instrumentalisten, Komponisten und Arrangeur, der der improvisierten Musik stets neue eigenständige Ausdrucksformen verlieht“. Im selben Jahr erschien das Jubiläumsalbum „The First Fifty Years of Passport“.

1971 in der Anfangsformation von Passport saß ein junger Mann am Schlagzeug, der nun auch um Doldinger trauert: „Mein ewig guter Freund und erster großer Mentor, du warst mir ein großer Lehrer, ich hab tierisch viel von dir gelernt. Ich bin dir dankbar, dass du bei meiner ersten Stadion-Tournee Musik mit mir gemacht hast. Nun bist du uns schon mal vorausgegangen. Rest in peace, love & rock ’n roll. Forever dein Zauberlehrling.“ Die Diktion verrät es: So schreibt der Panikrocker Udo Lindenberg, der zehn Jahre und jünger ist als sein Meister Klaus Doldinger.

Bevor der Passport gegründet hatte, spielte das Klaus Doldinger Quartett 1962 auf dem Deutschen Amateur Festival in Düsseldorf. Für einen Augenzeugen verkörperte die Band alles, was man am Jazz liebt. „Die Musik war in der Tradition und im Blues verwurzelt, und die unbändige Spielfreude des Saxofonisten, Klarinettisten und Bandleaders Klaus Doldinger und seiner Band übertrug sich augenblicklich auf die Menschen.“ Das berichtet Siggi Loch, der Doldinger als erstem deutschen Jazzer bei Philips einen Exklusivvertrag verschaffte. So wurde die LP „Jazz made in Germany“ das erste weltweit veröffentlichte Album einer deutschen Jazzformation und Auslöser für weltweite Reisetätigkeiten.

Verheiratet seit 1960

Unter dem Pseudonym Paul Nero veröffentlichte Doldinger mehrere erfolgreiche LPs mit von Soul imprägnierter Tanzmusik. Doldinger hat die Zeichen der Zeit richtig gedeutet. Aus einer Symbiose von Jazz, Soul und Rock, dem Sound der damaligen Jugend, produzierte er 1969 das Album „Motherhood – I Feel So Free“, auf das zwei Jahre später die Gründung der Jazzrock-Gruppe Passport folgte und eine Erfolgsgeschichte ihren Lauf nahm. Trotz Arbeit als Komponist und Arrangeur gab Doldinger regelmäßig Konzerte mit internationalen Jazzmusikern und den German Allstars. Nichts Schöneres gab es für ihn als auf der Bühne zu stehen und zu spielen. Danach ging es heim nach Icking beim Starnberger See, wo er mit seiner Frau, mit der er seit 1960 verheiratet war, und den drei Kindern lebte. Klaus Doldinger ist nun dort in ihrem Beisein gestorben.

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