Zum Tod von Quincy Jones Der Mann, der Michael Jackson zum Superstar machte

Quincy Jones im Jahr 2005 bei einer Pressekonferenz Foto: IMAGO/Picturelux/The Hollywood Archive

Was hätten Frank Sinatra, Aretha Franklin oder Michael Jackson nur ohne Quincy Jones gemacht? Nun ist der legendäre Musikproduzent im Alter von 91 Jahren gestorben.

Wenn dieser Mann aus seinem musikalischen Leben erzählte, von der Arbeit mit Frank Sinatra und Ella Fitzgerald, Ray Charles und Aretha Franklin, Donna Summer und Michael Jackson konnte er manchmal selbst nicht glauben, was er alles erlebt hat. „It blows my mind, too! Sometimes it feels like somebody else“, verriet uns Quincy Jones vor ein paar Jahren im Interview: Ich kann das selbst nicht fassen, manchmal fühlt es sich so an, als ob das jemand anders ist. Doch all das war er. Jetzt ist der Produzent, Musiker, Songwriter und Arrangeur im Alter von 91 Jahren gestorben.

 

Der Mann hinter „Thriller“ und „Bad“

Im Lauf seiner über 75 Jahre umfassenden Karriere wurde Quincy Jones mit 28 Grammys ausgezeichnet und zudem im Jahr 1992 mit dem „Grammy Legend Award“ geehrt. Er war im Jahr 1968 der erste Afroamerikaner der für einen Oscar in der Kategorie Bester Originalsong („The Eyes of Love“) nominiert war, arbeitete nicht nur mit fast sämtlichen Größen des Jazz zusammen, sondern machte auch Michael Jackson zum Superstar – und produzierte dessen drei erfolgreichste Alben „Off The Wall“ (1979), „Thriller“ (1982) und „Bad“ (1987).

Michael Jackson (links) und Quincy Jones im Jahr 1984 Foto: AP/Doug Pizac

Nana Mouskouri und Charles Aznavour

Ganz locker konnte Quincy Jones die großen Namen fallen lassen. Er kannte sie alle: Dizzy Gillespie, Lionel Hampton, Frank Sinatra. In den 1960er Jahren nahm er in New York ein Jazzalbum mit Nana Mouskouri auf, die Jahre später zum Star des deutschen Schlagers werden sollte. An Charles Aznavour erinnerte er sich, an Sarah Vaughan, Aretha Franklin, Ella Fitzgerald, Billy Eckstine. „Als ich vierzehn war, bin ich mit Billie Holiday aufgetreten“, sagte er stolz im Jahr 2017, als er gerade eines seiner seltenen Konzerte in Deutschland plante.

Begegnung mit den Beatles

„Ein Produzent muss viel Liebe, Vertrauen und Respekt für die Musiker haben“, sagte Jones. „Selbst dann, wenn er mit Sinatra arbeitet. Aber der Song ist fast noch wichtiger als der Sänger. Ein großartiger Song kann den schlechtesten Sänger der Welt zu einem Star machen. Das ist die Macht, die der Song besitzt.“ Musik, sagte er, ist Veränderung. „Natürlich ist heute alles anders als damals! Als ich angefangen habe, hatten der Jazz und der Blues eben erst begonnen, die Welt zu erobern. Heute kennen die jungen Musiker ihre Möglichkeiten sehr genau. Vor einigen Jahren war das noch nicht so. Da gab es nur die zwei Gitarren, den Bass und das Schlagzeug. So war das 65 Jahre lang. Ich weiß noch, wie ich die Beatles traf, 1962. Die waren ja noch gar nicht in den USA gewesen. Paul und John und ich wetteten, dass sie niemals groß werden würden in Amerika.“ Auch der große Quincy Jones konnte sich mal irren – und wunderbar darüber lachen.

Lesley Gores „It’s My Party“

Dem Jazz verlieh er mit seinen perfekten Arrangements Glanz, stets war er am Puls seiner Zeit, schlug als einer der Ersten Brücken vom Jazz zur Popmusik. Bis zuletzt arbeitete Quincy Jones gerne mit jungen Talenten zusammen. 2017 zum Beispiel mit dem dem damals 23-jährigen Multi-Instrumentalisten Jacob Collier. Vor mehr als fünfzig Jahren war es ein anderes junges Talent, das er förderte: „In den Sechzigern, als es mit dem Rock’n’Roll losging, dachten alle, Jazzer könnten das nicht bringen – aber ich fand Lesley Gore, Mann, und wir brachten es.“ Lesley Gore, 17 Jahre alt, sang „It’s My Party“, und ist unvergessen.

Rassismus und Donald Trump

Meldungen über den wieder aufflammenden Rassismus in den Vereinigten Staaten quittierte Quincy Jones im Jahr 2017 ziemlich nüchtern: „Das kommt nicht wieder. Es war niemals fort. Man hat nur nicht darüber gesprochen. So ist es auf der ganzen Welt. Die Schwarzen und die Weißen haben immer in getrennten Gesellschaften gelebt.“ Und dass er kein Fan von Donald Trump („Der absolute Albtraum!“) war, wundert nicht.

TV-Auftritte mit Elvis Presley

Quincy Jones wurde am 14. März 1933 als Quincy Delight Jones Jr. in der South Side von Chicago geboren. Nachdem er schon als Teenager als talentierter Trompeter und Arrangeur auffiel, tourte Jones im Jahr 1953 mit Lionel Hampton durch Europa, spielte 1956 in der Studioband, die sechs TV-Auftritt von Elvis Presley begleitete, in den 1960ern begann er Filmmusik zu komponieren und arbeitete als Arrangeur für Stars wie Frank Sinatra, Ella Fitzgerald oder Sarah Vaughan – und entdeckte den Pop.

„Ohne Musik kann man nicht existieren“

Wenn man ihn fragte, was er an der Musik liebte, dann lachte er nur: „Soll das ein Scherz sein? Musik, das ist die größte Leidenschaft. Es ist die Stimme Gottes. Sie schwebt im Universum, seit Jahrhunderten schon. Man kann sie nicht sehen, man kann sie nicht berühren, aber man fühlt sie, ganz sicher. Die letzten Dinge auf diesem Planten werden das Wasser sein und die Musik. Ohne Musik kann man nicht existieren. Sie hält dich am Leben, sie macht dich glücklich, sie macht, dass deine Traurigkeit verschwindet.“ Und diese Begeisterung für Musik hat ihn bis zuletzt nicht verlassen, ihn ein Dreivierteljahrhundert begleitet – bis er am Sonntagabend (Ortszeit) in seinem Haus in Bel Air in Los Angeles im Kreise seiner Familie gestorben ist.

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