Zum Tod von Rainer Woihsyk Das Stuttgarter Ballett war seine Familie

Rainer Woihsyk (1942-2020) im Dezember 2010 bei einer Ballettvorstellung im Opernhaus Foto: Franziska Kraufmann
Rainer Woihsyk (1942-2020) im Dezember 2010 bei einer Ballettvorstellung im Opernhaus Foto: Franziska Kraufmann

Erst als Pressesprecher der Kompanie, dann als langjähriger Vorsitzender der Noverre-Gesellschaft: Rainer Woihsyk kümmerte sich intensiv um den Tanz und die Förderung junger Choreografen.

Kultur: Andrea Kachelrieß (ak)

Stuttgart - Seine Anwesenheit war Jahrzehnte lang gesetzt: Wo in Stuttgart Ballett war, da war auch Rainer Woihsyk - bis ihn Krankheit und Alter ausbremsten. Die Ausstellung zum 90. Geburtstag der Ballettfotografin Gundel Kilian vor zwei Jahren war einer der letzten Anlässe, bei dem der langjährige Vorsitzende der Noverre-Gesellschaft zugegen war. Ein Foto, das die Ballettwunder-Stars Richard Cragun, Marcia Haydée, Birgit Keil und Egon Madsen in Crankos „Initialen“ zeigte, erwarb Rainer Woihsyk damals. Das Bild der Wegbegleiter von einst begleitete ihn bis zum Schluss und hing über dem Bett Woihsyks, der, wie jetzt erst bekannt wurde, bereits am 25. November im Alter von 78 Jahren in Freiburg gestorben ist.

2004 übernahm er die Leitung der Noverre-Gesellschaft

Nach seinem Lebensgefährten Fritz Höver hatte Rainer Woihsyk 2004 die Leitung der Noverre-Gesellschaft übernommen, des Vereins, der die Anfänge John Crankos in Stuttgart flankiert hatte und der mit seiner Förderung junger Choreografen Pionierarbeit leistete. Vor zwei Jahren hatte sich der Verein im 60. Jahr seines Bestehens aufgelöst: Für die ehrenamtliche Arbeit, die Woihsyk an der Seite von Sonia Santiago stemmte, fand sich kein Nachfolger. Die Intensität, mit der Woishyk um diese Plattform für junge Talente gekümmert hatte, stets auf der Suche nach einem neuen Forsythe, Spuck oder Goecke, war schlicht außergewöhnlich.

Von 1981 bis 1996 war er Pressesprecher des Stuttgarter Balletts

„Die besonders schönen Erinnerungen hängen für mich immer eng mit Marcia Haydée zusammen“, zog Woihsyk einmal Bilanz. „Sie als Tänzerin und als Direktorin erlebt zu haben, das ist unvergleichlich.“ Dass er einmal vergaß, ihre Spitzenschuhe mit zum Gastspiel nach Moskau zu transportieren, hatte ihm, wie er Jahre später formulierte, „das Herz zerschnitten“. Unter der Haydée war Rainer Woihsyk von 1981 bis 1996 Pressesprecher des Stuttgarter Balletts und stand als solcher Abend für Abend im Opernhaus. Plätze doppelt belegt? Abo-Ausweis vergessen? War Woihsyk da, wurde alles gut. Später war der ausgebildete Druckingenieur und Werbewirt, der durch seinen Lebenspartner Fritz Höver in Kontakt zur Stuttgarter Ballettszene kam, für das Merchandising und Sonderveranstaltungen der Kompanie zuständig, bis er sich nach 22-jähriger Tätigkeit 2003 vorzeitig in den Ruhestand verabschiedete, um sich intensiver um seinen Partner und die Noverre-Gesellschaft kümmern zu können.




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