Zum Tod von Sebo vom Club Lehmann Trauer um eine ehrliche Haut des Stuttgarter Nachtlebens

Sebastian Heil, genannt Sebo, war eine prägende Figur des Clubs Lehmann. Nach seinem Tod sammeln seine Freunde Geld für die Beerdigung. Foto: Club Lehmann

Er war kantig, ehrlich, eine feste Größe im Club Lehmann: Stuttgarts Nachtleben trauert um Sebastian Heil, genannt Sebo. Seine Freunde sammeln Geld für die Beisetzung.

Stadtleben/Stadtkultur: Uwe Bogen (ubo)

Sebastian Heil, den alle nur Sebo nannten, war einer jener Menschen, der sofort auffällt und den man angesichts der markanten Erscheinung nicht vergisst. Sebo war ein energischer, aber freundlicher Mann an der Tür des Stuttgarter Technoclubs Lehmann an der Breitscheidstraße. Seit etwa acht Jahren hat er für Sicherheit im Bosch-Areal gesorgt.

 

Dieser Mann mit der rauen Schale, in der „ein Herz aus Gold“ steckte, wie seine Freunde sagen, hat Spuren hinterlassen. Vor wenigen Tagen ist er überraschend gestorben. Die Todesursache soll nicht öffentlich werden.

Sein Chef rühmt die „bedingungslose Loyalität“ von Sebo

Sebo war kein Mann der leisen Töne. Er war kantig, direkt, kompromisslos, eine ehrliche Haut – jemand mit Haltung und einem eigenen Kopf. Seine Freunde sagen: Wer ihm begegnete, habe sofort gewusst, woran er war. Sein Chef rühmt ihn für seine Loyalität, die sei „bedingungslos“ gewesen. Wenn man ihn gebraucht habe, sei er da gewesen – ohne Fragen, ohne Zögern. Seine Hilfsbereitschaft habe vielen Kraft gegeben. Der Lehmann-Chef wollte die traurige Nachricht eigentlich erst nach der Beerdigung öffentlich machen. Aber die hohen Kosten der Beisetzung sind es, weshalb der gesamte Club einen Spendenaufruf der Familie unterstützt.

Die Kosten der Beerdigung sind für die Familie „eine große Herausforderung“

Die Mutter und die Schwester von Sebo stehen unter Schock über seinen frühen und plötzlichen Tod. „Mein Sohn, mein Bruder Sebastian Heil hat uns so plötzlich verlassen“, schreiben sie in einem Spendenaufruf auf der Seite www.gofundme. Sebo habe in all den Jahren so vielen Menschen geholfen, nun brauche er selbst Hilfe . Die Familie will ihm „einen Abschied ermöglichen, der so authentisch und würdevoll ist, wie er es selbst war“. Die Kosten der Beerdigung am 23. Januar ist für die Familie „eine große Herausforderung“. Deshalb haben die Angehörigen mit Unterstützung des Clubs Lehmann die Spendenaktion gestartet. Das Spendenziel lautet 12 000 Euro. Innerhalb kurzer Zeit sind bereits 10 000 Euro zusammengekommen, was zeigt, wie beliebt Sebo war und wie sein Tod vielen nahe geht.

Blick in den Club Lehmann im Bosch-Areal Foto: Stuttgart-Marketing

Auch der Club Lehmann nimmt mit berührenden Worten Abschied auf seiner Instagram-Seite. Sebo sei mehr als ein Mitarbeiter oder Kollege gewesen, für viele sei er zum Freund geworden, heißt es dort. Weiter ist zu lesen: „Jeder, der ihn kannte, weiß, dass er in den letzten Jahren eine unglaubliche Last zu tragen hatte – eine Last, die für viele von uns kaum vorstellbar gewesen sein muss.“ Trotz allem sei er er ein Mann mit Ecken und Kanten geblieben, mit breiten Schultern und einem großen Herzen.

Sebastian Heil war jemand, der polarisiert hat – und gerade deshalb so vielen naheging. Vielen wird er fehlen. Der Club Lehmann schreibt: „Gute Reise, Sebo.“

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