Zum Tod von Steve Jobs Das Allergrößtmöglichste - vielleicht noch ein bisschen mehr

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Steve Jobs hat der friedlichsten Revolution der Geschichte ein Gesicht gegeben. Ein Dank von Peter Glaser für die nützliche Eleganz.

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Berlin - Die Haus- und Taschenaltare, an denen wir seiner gedenken, hat er uns ja schon gegeben. Millionen Menschen werden die Nachricht vom Tod Steve Jobs auf einem MacBook, einem iPad oder einem iPhone gelesen und damit auch ihre Anteilnahme ins Netz bekundet haben. Jobs hatte ein einzigartiges Gefühl nicht für Maschinen, sondern für Menschen, die mit Maschinen umgehen. Die danken ihm nun.

Als er vor drei Jahrzehnten mit einem kleinen Team begann, den Macintosh zu entwickeln, war sein erklärtes Ziel, die Technik eines Computers so bequem zu machen wie ein Wohnzimmer und so billig und funktional wie ein Schweizer Taschenmesser. Die für ihn charakteristische Mischung aus Charisma und aberwitzigen Terminplänen verschaffte ihm, in Anspielung an Star Trek, den Titel „Reality Distortion Field“. Das Realitätsverzerrungsfeld schaffte es nicht nur, sein Team zu kollektiver Genialität anzustacheln, sondern - nach einigen steinigen Jahren dazwischen - einen beachtlichen Teil der Weltbevölkerung für die Dinge zu gewinnen, die ihm so vorschwebten und die er mit der ihm eigenen Mischung aus edelstählerner Beharrlichkeit und Charme Wirklichkeit werden ließ.

Nützliche Eleganz

Schon in der Steinzeit muß sich jemand etwas dabei gedacht haben, als er sich nicht mehr damit zufriedengab, Faustkeile bloß roh zu behauen, sondern sie mühevoll glattzuschleifen begann. Nützliche Eleganz war für Jobs ein geradezu manisches Anliegen. Die erste Macintosh-Hauptplatine - die grüne Plastikplatte mit Leitungen und Chips drauf - wies er vor seinen versammelten Ingenieuren aus ästhetischen Gründen zurück. Auf den Einwand, nur ein Techniker würde die Platine im Inneren sehen, entgegnete er: "Ich sehe sie! Ich möchte, dass sie so schön wie möglich wird, auch wenn sie innen in dem Gehäuse steckt. Ein wirklich guter Tischler wird auch kein lausiges Holz für die Rückseite einer Kommode verwenden, bloß weil niemand sie sieht."

Jobs begriff sich durchaus als Künstler und ermunterte seine Leute, es ihm gleichzutun. Es ging nicht darum, Konkurrenten zu schlagen oder Geld zu scheffeln. Es ging darum, das Allergrößtmöglichste zu vollbringen, vielleicht sogar etwas, das noch ein bißchen größer war. So fuhr er im Frühjahr 1982 mit seiner ganzen Mannschaft in das Tiffany-Museum nach Florida – denn Louis Comfort Tiffany war ein Künstler, der gelernt hatte, seine Arbeiten in die Massenproduktion zu überführen. Die Firma Tiffany fertigt auch die Siegertrophäe für den Superbowl an, das jährliche Finale der Profi-Footballiga NFL. Am 22. Januar 1984 wurde den Sportlern während des Superbowl-Endspiels die Show von einem Werbespot gestohlen: „1984“, inszeniert von „Bladerunner”-Regisseur Ridley Scott, machte den Apple Macintosh bekannt. Der Computer war in dem Spot nicht einmal zu sehen. Er war von Anfang an als ein Mythos konzipiert – er entfaltete sich nicht sofort, aber Steve Jobs war sich seiner Sache sicher. Einige Zeit später waren die ersten Computer, vor denen man bei der Arbeit vergessen konnte, dass man an einem Computer saß, die von Apple.

An der Wende vom 20. ins 21. Jahrhundert erleben wir auf dem Weg in die digitale Welt eine der größten friedlichen Revolutionen der Geschichte. Steve Jobs hat dieser Veränderung ein Gesicht gegeben. Und an den Stellen, an denen wir mit der unsichtbaren, neuen Dimension in Berührung kommen, hat Steve Jobs dafür gesorgt, dass niemand Angst zu haben braucht vor dieser Zukunft. Dass sie einladend ist, ein schöner, gastfreundlicher Ort mit Blick auf den Datenozean. Dass jeder mit ihr umgehen kann, und das auch mag. Dafür danken wir ihm.

 

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