Zum Tod von Turniergründer Dieter Fischer Erinnerungen an einen Charmeur und Tennis-Visionär

Dieter Fischer beim Finale 2005 seines Turniers mit den Tennisstars Lindsay Davenport (links) und Amelie Mauresmo Foto: baumann/Alexander Keppler

Als „Visionär mit großem Herz für den Sport“ wird Dieter Fischer, der Gründer des Porsche Tennis Grand Prix, gerühmt. Im Alter von 85 Jahren ist der an Krebs erkrankte Unternehmer in seinem Haus in Filderstadt-Bonlanden „sanft eingeschlafen“, wie Freunde berichten.

Stadtleben/Stadtkultur: Uwe Bogen (ubo)

Es gibt nicht viele Menschen, die von sich behaupten können, das beliebteste Damen-Tennisturnier der Welt erfunden und Berti Vogts gegrätscht zu haben. Es gibt, um ehrlich zu sein, nur einen davon: Dieter Fischer!

 

Seine berufliche Karriere hat er in den 70ern mit Drogerien auf den Fildern begonnen und ließ angesichts guter Umsätze eine Tennishalle in Filderstadt-Plattenhardt bauen. Zur Eröffnung im Jahr 1977 holte der schwäbische Selfmademan internationale Tennisstars. Das Fernsehen übertrug. Fischer kaufte sodann die Rechte für ein Weltturnier einem US-Impresario für 100 000 Dollar aus eigener Tasche ab. Eine einzigartige Erfolgsgeschichte begann.

Bereits davor war Berti Vogts als Spieler des Bundesligavereins Borussia Mönchengladbach nach Bernhausen gekommen, um gegen die dortigen A-Klassen-Fußballer zu spielen. Einer der Provinzhelden war Dieter Fischer, der, wie er später gern erzählte, 1968 „den Hänfling Vogts über die Klinge springen ließ“. Mit dem Kicken hörte er aber auf, seine Liebe sollte kleineren Filzbällen gehören.

Das Leben hat es gut gemeint mit dem Tennis-Visionär und Charmeur der alten Schule. Nach dem Tod seiner Frau vor wenigen Jahren aber verlor Dieter Fischer nach und nach an Lebensfreude. Dennoch sei er weiterhin „sehr freundlich“, „herzlich“ und „immer interessiert“ am Sport- und Stadtgeschehen geblieben, berichtet der Promifotograf Christof Sage, der über 20 Jahre lang sein Nachbar in Bonlanden war. Fischer habe sich schon wieder auf das Porsche Tennis Grand Prix im April in der Porsche-Arena gefreut und sich überlegt, wen er diesmal dazu einladen würde.

Einladung in die Loge auf Lebenszeit

Als er das Tennisturnier 2002 an Porsche zu einem „Freundschaftspreis“ verkaufte, wie er sagte, habe ihm Wolfgang Porsche zugesichert, dass er zeitlebens eine Zehner-Loge beim Gipfeltreffen der besten Spielerinnen kostenlos erhält. Jahr für Jahr hat Dieter Fischer davon Gebrauch gemacht, zunächst in der Tennishalle in Plattenhardt in der schwäbischen Idylle, in der sich die Weltelite des weißen Sports so wohlfühlte, später in der Porsche-Arena in Stuttgart, in die das Turnier umzog, weil es zu groß für den alten Platz geworden war.

Bei Begegnungen mit Dieter Fischer, etwa im Wintergarten von Christof Sage, erzählte er von seinen Geschenken, mit denen er die Herzen der Spielerinnen gewann. Bevor die Profis anreisten, suchte der Autodidakt an der Turnierspitze ihre Hotels auf, brachte persönlich in jedes Zimmer ein Betthupferl, etwa ein lustiges Stofftier. Bei Fischer, darauf war er stolz, fühlten sich die Stars wie Steffi Graf, Martina Navratilova oder Chris Evert wie im zweiten Zuhause, so familiär ging es da zu. Und sein Charme, mit dem er die Profis für sich gewann, ist bis heute unvergessen.

Mit dem früheren Ministerpräsidenten Lothar Späth hatte Dieter Fischer einen Club aus Sponsoren gegründet, den sie „Elefantenrunde“ nannten. Einmal im Monat traf sich der Freundeskreis aus Entscheidungsträgern der Wirtschaft und der Politik (auch Günther Oettinger gehörte dazu) zum Schwätzen, Tennisspielen und Skatklopfen. Der „Elefant“ Axel Dünnwald-Metzler, der frühere Kickers-Präsident , ist im April 2004 gestorben, der „Elefant“ Lothar Späth im März 2016 – und der „Elefantengründer“ Dieter Fischer nun im Februar 2024.

Fischer hinterlässt zwei Söhne und zwei Enkel. Zuletzt hat ihn eine Pflegerin in seinem Haus in Bonlanden betreut. Er habe viel liegen müssen, sagt Christof Sage, der ihn regelmäßig besuchte. Die Freunde hätten ihn überzeugt, dass er ein richtiges Krankenbett kaufen müsse, berichtet der Fotograf. Erst vor wenigen Tagen sei es gekommen. Nun ist Dieter Fischer „sanft eingeschlafen“. Auf sein einzigartiges Lebenswerk sind seine Familie, seine Freunde und seine „Elefanten“ zu Recht sehr stolz.

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