Zum Tode von Manfred Rommel Liberalität und Realitätssinn

Von Jörg Nauke 

Der ehemalige Stuttgarter Oberbürgermeister Manfred Rommel hat nicht nur in der Ausländerpolitik Weichen gestellt. Wir blicken zurück auf sein politisches Wirken in Stuttgart und der Region.

Manfred Rommel bei seiner Antrittsrede als Oberbürgermeister von Stuttgart im Januar 1975.  Sein Leben und Wirken dokumentieren wir auch in der folgenden Bilderstrecke. Foto: dpa 18 Bilder
Manfred Rommel bei seiner Antrittsrede als Oberbürgermeister von Stuttgart im Januar 1975. Sein Leben und Wirken dokumentieren wir auch in der folgenden Bilderstrecke. Foto: dpa

Stuttgart - Die Politik Manfred Rommels war geprägt von Toleranz und Liberalität. Diese Haltung war auch Grundlage seiner Ausländerpolitik. Bereits im Jahr 1978 legte Rommel dafür erstmals Leitlinien fest. Darin hieß es: „Ausländische Einwohner sind im Interesse der Erhaltung der Wirtschafts- und Lebenskraft der Stadt Stuttgart und aus sozialpolitischen Gründen als dauerhafter Bestandteil der Stuttgarter Bevölkerung anzusehen. Es entspricht dem kommunalen Selbstverständnis und der gesetzlichen Aufgabenstellung der Stadt, die Ausländer und ihre Familienangehörigen in gleicher Weise wie die Deutschen in ihre Sorge um das wirtschaftliche, soziale und kulturelle Wohl ihrer Einwohner einzubeziehen. In ihren ausländischen Einwohnern sieht die Landeshauptstadt einen voll zu integrierenden Teil ihrer Wohnbevölkerung.“ Nach diesen Gesichtspunkten gelang Stuttgart eine beispielhafte Integrationspolitik.

Die Stadt Stuttgart schlitterte Anfang der 90er Jahre in eine immense Finanz-krise. Manfred Rommel kam nicht umhin, ein Sparpaket zu initiieren, das einen massiven Stellenabbau und die Beschränkung auf die wichtigsten Investitionen enthielt. Die Verbindlichkeiten beliefen sich auf rund 15 Milliarden Euro. Rommel leitete eine Politik des Schuldenabbaus ein, die von seinem Nachfolger Wolfgang Schuster konsequent weitergeführt wurde. „Gegen Adam Riese, also gegen die Logik des Rechnens, kann man nicht Politik machen, ohne mit erheblichen Misserfolgen rechnen zu müssen“, war Rommels Maxime. Sein berühmtester Satz zur Finanzpolitik gilt bis heute im Rat: „Sparen heißt, Geld, das man hat, nicht auszugeben. Bei uns geht es aber darum, Geld, das wir nicht haben, nicht auszugeben, und das nennt man Realismus.“ Rommel erklärte es in der Sprache der Mengenlehre: „Wenn man aus eine Kasse, in der 100 Mark sind, 300 Mark rausnimmt, muss man erst wieder 200 Mark reintun, damit nichts mehr drin ist.“

In Rommels Amtszeit fiel auch die Umgestaltung des öffentlichen Personennahverkehrs mit der Gründung des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart (VVS) 1978, der Inbetriebnahme der ersten S-Bahn-Strecken sowie der Entscheidung, Stuttgarts alte Straßenbahn durch ein Stadtbahnnetz zu ersetzen. Wichtig war Manfred Rommel stets das Verhältnis zwischen der Landeshauptstadt und den umliegenden Gemeinden. Stuttgart, das bei der Verwaltungsreform der 1970er Jahre keine Zuwächse durch Eingemeindungen erhielt, setzte auf regionale Zusammenarbeit. Dies führte zur Gründung des Verbands Region Stuttgart mit dem 1994 erstmals gewählten Regionalparlament, dem Manfred Rommel bis 1999 angehörte.

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