Zumba-Club in Ditzingen Ein Schritt – und den Rest macht die Musik

Von Heidi Knobloch 

Gerade einmal fünf Jahre jung ist der Zumba-Sportclub Latin Dance Fit and Fun. Er hat mehr Mitglieder als mancher alteingesessene Verein. Und wächst immer weiter. Auch dank seiner agilen Choreografin.

  Foto: factum/Jürgen Bach
  Foto: factum/Jürgen Bach

Ditzingen - Luz Adriana Heilmann und ein kleiner blauer Kasten, aus dem lateinamerikanische Rhythmen erklingen: Das reicht, um die zwölf Frauen im Gymnastik-Raum der Ditzinger Konrad-Kocher-Schule zum Grooven zu bringen. Alle machen nach, was die Trainerin vormacht: kleine Schritte mit den Füßen nach vorne und hinten, die Arme nach oben, nach unten, nach rechts, nach links – alles im schnellen Takt und unterlegt von Luz Adrianas Schnalzen und Pfeifen.

„Meine Frau denkt sich die meisten Choreografien selbst aus“, sagt Rudi Heilmann, der erste Vorsitzende des fünf Jahre jungen Ditzinger Vereins „Latin Dance Fit and Fun“. Er steht am Rand und wirkt ein bisschen stolz.

Vor fünf Jahren hat das Paar den Verein gegründet

Zumba heißt der Tanzsport, den die gebürtige Kolumbianerin Luz Adriana liebt. Ihre Freude daran gibt sie seit vielen Jahren weiter, zunächst in Kursen an der Volkshochschule. Vor fünf Jahren gründete sie dann mit ihrem Mann einen Verein – erfolgreich: „Nach zwei Jahren hatten wir etwa 100 Mitglieder. Mittlerweile sind es 150, Tendenz langsam steigend“, sagt Rudi Heilmann. Zumba kommt aus dem Heimatland von Luz Adriana. Alberto Perez aus Kolumbien hat sich die rhythmische Sportart in den neunziger Jahren ausgedacht; auf der ganzen Welt hat sie laut offizieller Zumba-Website 15 Millionen Anhänger. Beim Zumba verbinden sich lateinamerikanische Tänze wie zum Beispiel Salsa, Merengue oder Samba mit Aerobic. Der Begriff ist ein eingetragenes Warenzeichen. Das Konzept wird von Perez‘ Unternehmen vermarktet.

Als zertifizierte Zumba-Trainerin ist Luz Adriana mit Leidenschaft dabei. „Ohne Tanzen können wir in Lateinamerika uns den Alltag nicht vorstellen. Schon die Kinder von zwei oder drei Jahren können es“, sagt die kleine, durchtrainierte Frau, deren geflochtene Zöpfchen bis zum Po reichen. Wenn sie morgens aufsteht, macht sie zuerst Musik an: „Das brauche ich wie andere den Kaffee“, lacht sie.

„Sie kann einfach nicht still sitzen“

Luz Adriana ist das Herz von Latin Dance Fit and Fun, Rudi Heilmann der Kopf: Sie macht Zumba, er die Mitgliederverwaltung. Ihre Choreografien übt die energiegeladene Frau – „sie kann einfach nicht still sitzen“, sagt ihr Mann, mit dem sie seit 25 Jahren verheiratet ist – in einem eigenen Zumba-Raum mit Spiegelwand in der Ditzinger Wohnung ein: „Keine Angst, ich mache die Musik nicht so laut“, schmunzelt sie.

Früher ist die Endvierzigerin, die mindestens zehn Jahre jünger wirkt, gern geschwommen oder gejoggt – bis sie Zumba entdeckte. „Das finde ich so toll an der Bewegung mit Musik: dass auch der Kopf ganz frei wird und ich an nichts mehr denke.“ Die Kursteilnehmerinnen in der Konrad-Kocher-Schule bestätigen sie. „Beim Zumba hält man Körper und Geist fit“, sagt Monika Maiwald. Die 56-Jährige ist drei Mal die Woche dabei. Toll sei, dass man an jedem Arbeitstag trainieren könne: „Und sogar am Samstag.“ Kürzlich hat sie sich den Traum erfüllt, einen Halbmarathon zu laufen. „Ohne die Kondition, die ich mir beim Zumba erarbeitet habe, hätte ich das nicht geschafft“, sagt die schlanke kurzhaarige Frau. Zumba, ergänzt die 56-jährige Angelika Fleischer, vermittle Lebensfreude und Beweglichkeit: „Die Schmerzen in den Knochen sind weg.“ Und: „Früher bin ich beim Wandern hinterhergelaufen, jetzt renne ich vorneweg.“ Pia Klose hat vom Training rote Bäckchen bekommen. Ihr Projekt ist der Jakobsweg: „Immer wieder ein kleines Stück.“ Ihr gefällt besonders die familiäre Atmosphäre im Verein: „Die Adriana ist herzensgut.“

Manche Teilnehmerinnen treffen sich auch privat

Monika Maiwald, Angelika Fleischer und Pia Klose treffen sich auch privat. „Das hat sich so ergeben.“ Vereinsmeierei gebe es bei Latin Dance Fit and Fun aber keine. Eine Teilnehmerin ist das erste Mal dabei. Ihre Augen sind auf den Rücken der Trainerin gerichtet. Die Bewegungen macht sie ein bisschen zögerlich nach. „Aber es macht Spaß“, sagt sie. Die Profis wissen: „Ein dreiviertel Jahr braucht man schon, um richtig reinzukommen“, sagt Angelika Fleischer. Luz Adriana ergänzt: „Jeder soll mitmachen, wie er kann und mag. Das ist das Schöne.“

Zum Dehnen und Ausklingen am Ende wird es ruhiger. „Wir nehmen immer das gleiche Stück, die Teilnehmerinnen wollen es so“, erklärt Rudi Heilmann. Auch wenn er selbst nicht mitmacht: Auf das nächste Highlight freut er sich schon. „Am 21. März machen wir eine Zumba-Party.“ Das bedeutet dann drei Stunden gute Laune und Zumba-Tanz in Ditzingen – dank Luz Adriana ganz wie in Lateinamerika: „Unser Motto ist: Den ersten Schritt machen Sie, den Rest macht die Musik.“




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