InterviewZunehmende Gewalt in Behörden „Die meisten Täter geben vorher Signale“

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Die Bedrohung von Mitarbeitern in Behörden nimmt stetig zu. Die Psychologin Karoline Roshdi trainiert Beamte und Angestellte, wie sie in an ihrem Arbeitsplatz im Amt mit aggressiven Situationen umgehen.

Damit Situationen in den Ämtern nicht gewalttätig eskalieren, lassen sich immer mehr Mitarbeiter gezielt trainieren. Foto: dpa
Damit Situationen in den Ämtern nicht gewalttätig eskalieren, lassen sich immer mehr Mitarbeiter gezielt trainieren. Foto: dpa

Stuttgart - Die Zahl der gewalttätigen oder aggressiven Kunden in den Ämtern nehme zu, sagt Karoline Roshdi. Im Darmstädter Institut Psychologie und Bedrohungsmanagement lehrt die Psychologin Mitarbeitern, wie sie sich in bedrohlichen Situationen richtig verhalten.

Frau Roshdi, wer besucht Ihre Kurse zum Umgang mit wütenden und bedrohlichen Personen?
Das sind Mitarbeiter von Behörden wie der Agentur für Arbeit aber auch der Landrats- oder Migrationsämter.
Also von dort, wo die Nerven bloß liegen?
Ja. Als 2012 im Jobcenter in Neuss ein Mitarbeiter erstochen wurde, hat die Nachfrage nach unseren Seminaren zugenommen. Davor wurden die Deeskalationsseminare auch schon gebucht. Aber danach hat die Zahl der Anmeldungen zugenommen. Die Mitarbeiter sagen uns, dass Aggressionen und Drohungen durch die Behördenbesucher stark gestiegen sind.
Das heißt, viele Mitarbeiter haben richtig Angst bei der Arbeit?
Teilweise ja. Es ist nicht so, dass es alltäglich wäre, aber die Zahl der Besorgten steigt. Denn nach Taten, über die dann auch in den Medien berichtet wird, steigt auch die Zahl der Trittbrettfahrerdrohungen. Dass Kunden etwa sagen: Kein Wunder, dass so etwas wie in Neuss passiert. Das sind natürlich Aussagen, die für Angst und Verunsicherung sorgen.
Aber rufen Mitarbeiter dann nicht die Polizei und nicht einen Deeskalationstrainer?
Früher hat man erst mal dem Vorgesetzten Bescheid gesagt. Dann hat man geschaut, was man tun kann. Heute werden die Leute darauf geschult, keine Toleranz gegenüber solchen Drohungen gelten zu lassen. Denn es darf nicht sein, dass solche Aussagen ohne Konsequenzen bleiben.
Welche?
Dass man eine Grenze zieht und aufzeigt, dass das man sich so nicht verhält. Es kann zu einer Anzeige oder zu einem Hausverbot kommen. Man muss immer im Einzelfall abwägen, was man nun einleitet.