Die meisten Bewerberinnen und Bewerber werden mit mehr Leistungen als nur dem nackten Lohn umworben. Foto: KI/Midjourney/Sebastian Ruckaberle
Vom Homeoffice übers Diensthandy bis zum Deutschlandticket: Die Arbeitgeber müssen kreativ sein, um Bewerber mit Zusatzleistungen anzulocken. Welche Benefits liegen im Trend?
Der Wirtschaft gehen die Menschen aus – umso dringlicher muss sich jedes Unternehmen fragen, wie sich neue qualifizierte Kräfte gewinnen und halten lassen. Da führt kein Weg an den Benefits vorbei, den betrieblichen Zusatzleistungen, denn damit können sich Arbeitgeber im Kampf um den Nachwuchs gut voneinander abheben.
Ein ordentliches Entgelt allein reicht den Bewerberinnen und Bewerbern nicht mehr. Gerade jüngere Menschen wollen mit weiteren Leistungen umworben werden. Viele würden Umfragen zufolge auf einen Teil des Gehalts verzichten, um attraktive Extras in Anspruch nehmen zu können. Die Bertelsmann-Stiftung hat 34 Millionen Online-Stellenanzeigen analysiert und ein wachsendes Spektrum an Benefits festgestellt.
Wie zeigt sich der Zuwachs an betrieblichen Extraleistungen? Der inhaltliche Umfang von Stellenanzeigen hat kontinuierlich zugenommen: Pro Stellenanzeige zeigt sich ein Zuwachs von im Schnitt 3,6 betrieblichen Extras im Jahr 2019 auf 9,6 im vorigen Jahr. Nur noch jedes sechste bis siebte Unternehmen verzichtet darauf, damit auf sich aufmerksam zu machen. Mit steigender Qualifikation des oder der Gesuchten halten die Arbeitgeber dies für geboten: Je höher das Anforderungsniveau, desto vielfältiger die Leistungen. Derweil sollen weniger qualifizierte Kräfte eher mit der Aussicht auf finanzielle Anreize wie das 13. Monatsgehalt oder Jobsicherheit eingefangen werden.
Die reine Anzahl genannter Zusatzleistungen ist allerdings nicht entscheidend: Eine Anzeige, die mit Duz-Kultur, kostenlosem Wasser, Obstkorb oder flachen Hierarchien wirbt, wirkt möglicherweise ansprechend, sagt aber wenig über die substanziellen Arbeitsbedingungen aus. Im Gegensatz dazu kann ein einzelnes, gezieltes Angebot wie ein flexibles Arbeitszeitmodell für Bewerber viel relevanter sein.
Welche Branchen legen Wert auf Benefits? An der Spitze stehen Berufe mit hoher Nachfrage und starker digitaler Infrastruktur – vornean der Informatik sowie Informations- und Kommunikationstechnologie, wo im Schnitt zwölf Extras pro Stellenanzeige geboten werden. Auch Berufe aus Finanzdienstleistung, Marketing und Verkauf liegen mit elf bis zwölf Zusatzleistungen deutlich über dem Durchschnitt.
Das neue Motto lautet: „Ich radel zum Bosch“ – immer mehr Arbeitgeber bieten Zusatzleistungen wie ein dienstliches Fahrrad. Foto: dpa
Am unteren Ende der Skala finden sich Berufsfelder, die aus Sicht der Autoren durch niedrige Margen, geringe Flexibilität und einfache Tätigkeitsprofile geprägt sind. In der Land-, Tier- und Forstwirtschaft liegt der Durchschnitt bei nur vier Zusatzleistungen pro Anzeige, in der Rohstoffbearbeitung sowie in Reinigungsberufen bei sieben. Diese Berufe werden zumeist von Helfern besetzt und bieten kaum Verhandlungsspielraum.
Welche Kategorien haben Priorität? Selten wird das Geld direkt erwähnt: Nur jede sechste Anzeige enthält eine konkrete Gehaltsangabe. Dennoch geht der Trend zu handfesten Leistungen. An der Spitze stehen einerseits die entgeltähnlichen Leistungen (wie Sonderzahlungen, Diensthandy, Firmenwagen, Ladestrom, Jobrad, Deutschlandticket) – andererseits die Entwicklungsperspektiven (Aufstiegschancen, unbefristete Anstellung, sicherer Arbeitsplatz). Beide Kategorien finden sich in mehr als zwei Drittel aller Anzeigen.
Deutlich stärker als fünf Jahre zuvor werden Benefits zur Arbeitsorganisation (etwa flexible Arbeitszeiten, Homeoffice, Gleitzeit, Vertrauensarbeitszeit, Vier-Tage-Woche, zusätzlichen Urlaubstagen oder Sabbatical) ins Schaufenster gestellt. Diese sind in mehr als 60 Prozent aller Anzeigen präsent.
Im Gegensatz dazu fallen eher emotionale Extras zur Unternehmenskultur (wie flache Hierarchien, Duz-Kultur, motivierte Teams, gutes Betriebsklima, Team-Events) auf einen Anteil von 54 Prozent zurück.
Fort- und Weiterbildungsangebote (Coachings, Workshops, E-Learning-Angebote) holen auf und erreichen einen Anteil von 46 Prozent – vor allem in Berufen für Hochqualifizierte und Frauen.
Es folgen Gesundheitsangebote (unter anderem Fitnessstudio, Wirbelsäulengymnastik, Massagen, Yoga, Stressbewältigungskurse) in jeder vierten Anzeige.
Vergünstigungen in der Kategorie Familie (zum Beispiel Betriebskindergarten, Elternzeit, familienfreundliche Arbeitszeiten oder eine Vermittlung von Betreuungspersonal) rangieren mit einem Anteil von 13 Prozent am Ende. Die Studienautoren sehen das sehr kritisch, weil es eine auffällige Diskrepanz zwischen dem gesellschaftlichen Bedarf nach Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie der Unternehmenskommunikation erkennen lässt. Zudem seien familienfreundliche Benefits für viele Arbeitgeber weniger eine Selbstverständlichkeit als vielmehr ein strategisches Kalkül und gezieltes Signal an weibliche Bewerberinnen.
Welche Angebote ragen heraus? Die betriebliche Altersvorsorge (bAV) ist die am häufigsten genannte entgeltähnliche Zusatzleistung – sie wurde Jahr 2024 in gut jeder dritten Ausschreibung erwähnt, obwohl es einen gesetzlich verankerten Anspruch auf die sogenannte Entgeltumwandlung gibt. Doch viele Beschäftigte sind sich ihres Anspruchs gar nicht bewusst.
Job-Flexibilität umfasst Benefits, die flexible Arbeitszeiten und -orte ermöglichen – wichtig vor allem für höher qualifizierte Beschäftigte. Daher ist der Anteil bei Spezialisten auf 48 Prozent der Anzeigen und Experten (52 Prozent) kontinuierlich gestiegen – bei Fachkräften nur auf 31 Prozent.
Welche Rolle spielt der Tarifvertrag? Regelmäßig veröffentlicht die gewerkschaftsnahe Boeckler-Stiftung, dass ein Tarifvertrag deutlich erhöhte Chancen auf Urlaubs- oder Weihnachtsgeld sowie bessere Arbeitsbedingungen mit sich bringt. In der Bertelsmann-Studie zeigt sich, dass mittlerweile ein gutes Viertel aller Stellenofferten einen Verweis auf den Flächentarifvertrag, Haustarif oder eine tarifliche Orientierung beinhaltet. Dies signalisiert eine gewisse Verlässlichkeit des Arbeitgebers vor allem beim Entgelt oder Arbeitszeitansprüchen. Oder andersherum betrachtet: Stellen mit Tarifnennung enthalten im Schnitt mehr Benefits – besonders für Helfer und Fachkräfte.
Wie sieht die Datengrundlage aus? Die Bertelsmann-Stiftung hat rund 34 Millionen Online-Stellenanzeigen aus dem Zeitraum Anfang 2019 bis Ende 2024 untersucht; daraus ergaben sich 218 Millionen einzelne Benefits. Der Jobmonitor analysiert täglich rund 24 000 neue Ausschreibungen und enthält insgesamt 71 Millionen Anzeigen. Je ein Viertel der Angebote entfällt auf Stellen für Spezialisten (etwa Techniker oder Tätigkeiten mit Bachelor) und für Experten (Masterabschluss oder vergleichbare Qualifikation). 38 Prozent sollen Fachkräfte (mit Berufsausbildung) ansprechen; der Rest betrifft Helferstellen (ohne Abschluss).
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