Zwangsprostitution Auftritt der Bordellbetreiberin

Reportage: Frank Buchmeier (buc)
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Wie kann man diese moderne Sklaverei unterbinden, Frau Köhncke? „Vielleicht müsste man die Bordellbetreiber haftbar machen, denn sie sind Mitwisser und Profiteure dieser Machenschaften“, antwortet die Sozialarbeiterin.

„Die Zeugin W. bitte in Saal 9!“ Eine Blondine – weiße Hose, Designer-Handtasche, mit Strass verzierte Sandalen – eilt herein. „Wie lange wird das hier dauern? Ich muss um 12 meine Tochter von der Schule abholen.“ – „Das schaffen Sie schon. Vielleicht verraten Sie dem Gericht erst einmal Ihre Personalien.“

Anja W. ist 48 Jahre alt, verheiratet und Mitinhaberin des FKK-Clubs Sakura in Böblingen. „Was ist das für ein Etablissement, Frau W.?“, fragt Ute Baisch. Die Zeugin klärt die Richterin darüber auf, dass es im Sakura gegen 70 Euro Eintritt ein Büfett und alkoholfreie Getränke gebe. Es seien immer 15 bis 40 Prostituierte anwesend, die mit den Freiern die Preise für ihre Dienste selbstständig aushandelten.

Skrupellose Freier

Das Internet gewährt verstörende Einblicke in dieses Milieu. Im „Huren-Test-Forum“ berichtet ein Sakura-Besucher namens „Carguy“, wie er mit der jungen Rumänin Rayah „eine härtere Nummer durch drei Stellungen“ hatte und bei diesem intimen Akt von anderen Pufffreunden beobachtet wurde. Ob es Männer wie „Carguy“ stört, dass ihre gekauften Lustobjekte Opfer von Menschenhandel sein könnten? Kennen sie Skrupel?

Nach einem anonymen Hinweis fliegt am 12. Juni 2010 gegen 18.30 Uhr auf, dass im Böblinger Sakura eine Minderjährige anschafft. Die Betreiberinnen des FKK-Clubs können sich vor der Polizei damit herausreden, dass sie den gefälschten Ausweis von Mirella B. für echt gehalten und nicht geahnt hätten, dass sie von einem Mann ausgebeutet wird.

In Vernehmungen schildert das Mädchen, wie sie als Zwölfjährige in Rumänien vergewaltigt wurde, wie sie mit 14 erstmals Sex gegen Geld hatte und wie sie kurz vor ihrem 15. Geburtstag ihren vermeintlichen Retter Gheorghe P. in einem Café kennenlernte. Er versprach Mirella den Himmel und schickte sie in die Hölle. Gheorghe P. gaukelte ihr vor, dass er sie liebe, dass er für sie sorgen und ihr einen Job in der Gastronomie vermitteln werde. Sie folgte ihm nach Sindelfingen. Dort begann ihr Martyrium. Gheorghe P. nahm Mirella ihren Pass ab. Ohne Ausweis und ohne Geld stand sie da, in einem Land, dessen Sprache sie nicht verstand. Gheorghe P. brachte sie in die Bordelle und schlug sie, wenn sie dort seiner Ansicht nach nicht genügend verdiente. Er drohte ihr, sie umzubringen, wenn sie nicht das tue, was er ihr sage. Innerhalb von sechs Wochen vergingen sich Hunderte Männer an der Minderjährigen.




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