Zwangsprostitution Feiste Typen mit Goldketten

Reportage: Frank Buchmeier (buc)
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Daniela G., die Mirella die ersten Freier zugeführt hatte, wurde Anfang 2011 gefasst und ein halbes Jahr später vom Amtsgericht Böblingen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Gheorghe P. war zu dieser Zeit in Portugal untergetaucht. Vor dem Landgericht gesteht Daniela G. nun, dass sie ihm bis zu seiner Verhaftung im Januar 2013 regelmäßig Geld geschickt habe, obwohl sie nicht mehr liiert waren. Auch hierfür nennt sie als Motiv: Angst.

Daniela G. ist jetzt 38 und verdient ihren Lebensunterhalt noch immer in den Großbordellen der Region Stuttgart. Auch ihre Tochter prostituiert sich hier seit einiger Zeit. Ob die beiden Frauen den Lohn ihrer Arbeit mittlerweile für sich behalten können oder sich andere an ihnen bereichern, kommt in dem Prozess nicht zur Sprache.

Stattdessen treten weitere osteuropäische Prostituierte auf und Männer, die von ihnen profitieren. Es sind feiste Typen, die noch nie etwas gearbeitet haben, aber Goldketten tragen und BMW fahren. Als die Richterin einen dieser Zeugen fragt, ob er kein schlechtes Gewissen habe, auf Kosten einer Frau zu leben, antwortet er: „Ich nehme ihr ja nicht das ganze Geld weg.“

Das Urteil gegen den Menschenhändler

Mirella B., das Opfer sexueller Ausbeutung, erscheint nicht zu der Verhandlung. Dass sie vor vier Jahren ausgesagt hat, ist ohnehin erstaunlich. Meistens schweigen die Betroffenen. Aus Furcht, dass sie sich für ihr Tun öffentlich rechtfertigen müssen. Aus Scham, vor allem aber, weil ihnen ein Strafverfahren gegen ihre Peiniger nichts bringt – außer Stress.

Nachdem sie sich einer Hauptkommissarin offenbart hatte, wurde Mirella B. im Juni 2010 in einer Böblinger Mädchenwohngruppe untergebracht. Wenige Tage später versuchte sie sich das Leben zu nehmen: Sie schnitt sich die Pulsader auf. Die folgenden Wochen verbrachte Mirella B. in einer psychiatrischen Klinik im Schwarzwald. Mitte August wurde das Mädchen in ein Flugzeug nach Bukarest gesetzt, wo sie Mitarbeiter eines Kinderhilfsvereins erwarteten. Mittlerweile sei die junge Frau verheiratet, habe ein Kind und wolle mit der Vergangenheit nicht mehr konfrontiert werden, berichtet ihre Anwältin.

Nach vier Verhandlungstagen wird Gheorghe P. vom Landgericht Stuttgart zu einer Haftstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt. An der allgemeinen Lage ändert dieser einzelne Prozess nichts. Wer für Sex bezahlt, unterstützt ein menschenverachtendes System.




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