Aus einer Interimslösung wird eine Daueraufgabe. Michael Ilk, der die Geschäfte des Zweckverbands Stadtbahn im Kreis Ludwigsburg bereits seit Oktober 2024 geführt hat, wird dies auch zukünftig tun.
Nach dem plötzlichen Weggang des vorigen Zweckverbands-Geschäftsführers Frank von Meißner war Michael Ilk kurzzeitig in die Bresche gesprungen. Nun steht fest: Er wird die Geschäfte auch weiterhin führen.
Der studierte Bauingenieur Ilk, der früher Mobilitätsbürgermeister in Ludwigsburg war und zuletzt in Sachsenheim den Fachbereich Stadtentwicklung und Nachhaltigkeit leitete, wurde am Donnerstagnachmittag von der Verbandsversammlung gewählt. Außer ihm stand noch eine Kandidatin zur Wahl, insgesamt waren laut Landrat Dietmar Allgaier nach einem sehr breit angelegten Nachfolge-Suchverfahren sechs Bewerber in die engere Auswahl gekommen. Ilk wird in Teilzeit arbeiten, versicherte aber, jederzeit ansprechbar zu sein, auch an Wochenenden und abends.
Experte für kommunale Abläufe und Technik
Für Ilk spricht laut Allgaier, dass er die kommunalen Gremien gut kennt und als ehemaliger Ludwigsburger Mobilitätsbürgermeister von Anfang an mit den Plänen für eine Stadtbahn vertraut sei. Der Markgröninger Bürgermeister Jens Hübner, der zurzeit stellvertretender Vorsitzender des Zweckverbands Stadtbahn ist, bescheinigte Ilk zudem die Fähigkeit, technisch komplexe Sachverhalte verständlich darzustellen.
Der frischgebackene Geschäftsführer selbst sagte, das Projekt Stadtbahn sei ihm sehr ans Herz gewachsen. Dass nun wieder Kontinuität gegeben sei, sei auch für die Mitarbeiter wichtig. Er sei zwar kein ausgewiesener Bahnfachmann, wie es von Meißner gewesen sei, aber er glaube, das sei derzeit auch nicht nötig. „Man braucht einen Generalisten, der weiß, welche Stolpersteine warten.“
Er wolle auch die Öffentlichkeit stärker in den Blick nehmen. Zuletzt seien vor allem kritische Bemerkungen – wie etwa die des OB von Bietigheim-Bissingen, Jürgen Kessing, im Hinblick auf die Finanzierbarkeit – zu hören gewesen. Er selbst ist nach einem Gespräch mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Steffen Bilger zuversichtlich, dass sich an der hohen Förderung des Bundes nichts ändern wird; bevor die neue Regierung stehe, sei das aber auch ein Stück weit Lesen in der Glaskugel. Landrat Allgaier sagte dazu, sobald die Ministerien neu besetzt seien, werde man mit den Verantwortlichen in Berlin ins Gespräch gehen. Natürlich gebe es außer der Finanzierung noch weitere Herausforderungen beim Genehmigungs- und Planungsverfahren und der Anwohnerbeteiligung. „Aber wir halten es für richtig und notwendig, das Projekt so zu verwirklichen“, betonte Allgaier.
Erster Abschnitt Ende 2031 in Betrieb?
Zum Zeitplan erklärte Ilk, die Standardisierte Bewertung sei jetzt in Auftrag gegeben worden. Mit ersten Ergebnissen rechne er bis zum Sommer, fertig sein müsse sie spätestens zur Planfeststellung, die für das Frühjahr nächsten Jahres geplant ist. Auch die zuständigen Ministerien würden regelmäßig über den aktuellen Sachstand informiert. Dieses Jahr werde insgesamt ereignisreich, da auch noch Dinge wie eine Umweltverträglichkeitsprüfung und Lärmschutz auf der Liste stünden.
Wenn alles glatt laufe, könne man Anfang 2028 mit der Bauausschreibung beginnen, den Bau veranschlagte er auf etwa zwei Jahre, sodass der Teilabschnitt von Markgröningen zum Ludwigsburger Bahnhof 2031/32 in Betrieb gehen könnte. Probleme durch Einsprüche dürfte es in diesem Bereich aus juristischer Sicht nicht geben, so Ilk. Und er selbst habe auch kein Problem damit, kontroverse Diskussionen zu führen, sagte er mit einem Verweis auf seine Zusatzausbildung als Mediator. „Wir müssen einfach intensiv die Werbetrommel rühren.“
Einen Bürgerentscheid zur Stadtbahn schloss Allgaier aus. „Den müsste man ja in sechs Kommunen durchführen.“ Wobei der Widerstand vor allem in Ludwigsburg, besonders bei der Innenstadttrasse, hoch ist. Doch auch wenn diese nicht kommen sollte, würde die finanzielle Förderung daran nicht scheitern, so der Landrat. „Das Stufenverfahren ist mit den Fördergebern besprochen.“