Dass manche Mitmenschen nicht unbedingt so sorglos einkaufen und essen können, wie man das in der eigenen Familie vielleicht gewohnt ist, beschäftigt den 12-jährigen Julius Gehrke, Schüler des Marbacher Friedrich-Schiller-Gymnasiums. Ihn lässt das Leid anderer nicht kalt. Dass er etwa von der existenziellen Bedrohung der Marbacher Tafel erfahren hat, liegt daran, dass zuhause offen auch über brisante Zeitungsberichte gesprochen und diskutiert wird. So wie über jenen, der Ende November in unserer Zeitung erschienen war und der die dramatische Situation der Hilfseinrichtung für Bedürftige deutlich kennzeichnete.
Nachdem Julius ihn schließlich selbst gelesen hat, zeigte er sich so betroffen davon, dass er das Bedürfnis entwickelte, schnell helfen zu wollen. Zum Glück gibt es in seiner Schule ein sogenanntes „Stärken-Portfolio“, bei dem Schülerinnen und Schüler ihre Ideen an Lehrkräfte herantragen können. Die nehmen sich Zeit dafür, die Impulse mit ihren Schützlingen so weiterzuentwickeln, dass ein tragfähiges Projekt entstehen kann. „Da wir in der Schule bereits über die Tafel gesprochen und ursprünglich für Februar ein Projekt geplant hatten, hat der Zeitungsartikel das Ganze nur noch beschleunigt“, berichtet Julius. „Mir war klar, dass wir jetzt rasch handeln müssen.“
Mit 800 Handzetteln die Kunden angesprochen
Aus dieser Erkenntnis heraus entstand eine Aktion, die der in der Schlagzeile ausgedrückten Hoffnung – „Uns kann nur noch ein Weihnachtswunder retten“ – neue Nahrung geben sollte. Und: Es zeigte sich, dass viele Menschen den Wunsch mittragen, dass die Tafel existenzfähig bleibt. Mit neun weiteren Kindern, drei Jungen und sechs Mädchen der Klasse 7k, positionierte sich Julius am Samstag – nach vorheriger Abstimmung durch seinen Vater Tobias mit dem Filialleiter Jonathan Lehrke – einen Tag lang neben dem Eingang des Kauflands in Marbach, um die Kundschaft direkt anzusprechen.
800 Handzettel, auf denen erläutert wurde, was die Aktion bezweckt, drückten die Kinder all jenen Leuten entschlossen in die Hand, die beabsichtigten, den Einkaufsmarkt zu betreten. Darauf war unter anderem zu lesen, was die Tafel dringend an Sachspenden benötigt. Durchweg sollten nur haltbare Produkte übergeben werden, wie Nudeln, Mehl, Dosen, Schokolade, Kaffee und vieles mehr. Große Plakate im Hintergrund des Aktionsstandorts taten ein Übriges, um die Kundschaft zu informieren. Das Motto: „Kaufe zwei Produkte, behalte davon eins und spende eines der Tafel.“
Neben Sach- gab es auch viele Geldspenden
Und die Resonanz war riesig, was Julius erfreute und auch etwas überraschte: „Es wollten nur wenige Leute ihre Ruhe haben und nichts von der Aktion wissen. Vermutlich, weil sie im Stress waren. Die meisten Kunden aber waren aufgeschlossen und haben uns so toll unterstützt, dass unser Projekt ein Riesenerfolg war“, sagt der Schüler. Er schätzt, dass rund 80 Prozent der Kunden mitgemacht haben. Entweder mit Sachspenden, also vor Ort gekaufter Ware, die dann gespendet wurde, oder mit einer Geldspende. „Manche haben sogar mehrere Lebensmittel abgegeben“, sagt der Schüler erfreut, der mit seinem Helfer-Team von einzelnen Eltern betreut wurde.
Begeistert war die Schülergruppe auch vom Einsatz von Jonathan Lehrke: Er unterstützte nicht nur mit dem regelmäßigen Nachschub von großen Bananenkartons, in denen die Einkaufsgüter gesammelt werden konnten, sondern versorgte die jungen Freiwilligen auch mit Getränken. Dass am Ende gleich zwei Anhängerladungen voller Lebensmittel zu ihm nach Hause transportiert werden konnten, stimmt den jungen Initiator sehr glücklich. Genauso wie die Tatsache, „dass wir 500 Euro an Spenden erhalten haben – das ist ein tolles Ergebnis“. Am Montag wurden die Sach- und Geldspenden direkt an die Marbacher Tafel übergeben: „Unser Einsatz hat sich also gelohnt!“