Zwei Anläufe für ein Bekenntnis zu Gunsten Baden-Württembergs Letzte Strophe des Badnerlieds

Auf dem Karlsruher Schloss weht eine badische Flagge – ein Relikt regionaler Eigenständigkeit. Foto: dpa/Daniel Schoenen
Auf dem Karlsruher Schloss weht eine badische Flagge – ein Relikt regionaler Eigenständigkeit. Foto: dpa/Daniel Schoenen

In Baden wurde zweimal abgestimmt über den Südweststaat. Erst das zweite Votum vor 50 Jahren war ein klares Bekenntnis zu einem gemeinsamen Bundesland mit Württemberg. Mehr als 80 Prozent der Badener war letztlich dafür.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Armin Käfer (kä)
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Stuttgart - Schwabenwitze sind auch bei Google keine Rarität. 79 000 Einträge hat die Suchmaschine dazu parat. In Baden werden ähnlich viele im Umlauf sein. Dabei haben Badener und Schwaben nicht nur eine lange gemeinsame Geschichte. Seit bald 70 Jahren leben sie auch zusammen in einem Bundesland. Formell endete der badische Separatismus aber erst vor nunmehr 50 Jahren. Am 7. Juni 1970 durften die Landsleute am Rhein noch einmal darüber abstimmen, ob sie weiterhin zu Baden-Württemberg gehören möchten. Die Geschichte dieses Votums erzählt viel vom schwierigen Zusammenwachsen des Südweststaates.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten Amerikaner und Franzosen den Südwesten ohne Rücksicht auf landsmannschaftliche Zusammengehörigkeitsgefühle in zwei Besatzungszonen separiert, deren Grenze mitten durch Baden und Württemberg verlief. Daraus entstanden drei Nachkriegsländer, in denen Badener und Württemberger wiederum getrennt waren. Die meisten Parteien hielten einen Zusammenschluss für sinnvoll. So kam es dann auch per Volksentscheid am 9. Dezember 1951. Der hatte jedoch seine Tücken. In Südbaden lehnten 62,2 Prozent der Bürger eine Länderfusion ab. Allerdings war vorab festgelegt, dass es ausreichen würde, wenn es dafür in drei von vier Abstimmungsbezirken eine Mehrheit geben würde. Das war der Fall.

Ein „Heimatbund Badnerland“ erstritt jedoch vor dem Bundesverfassungsgericht eine Wiederholung des Plebiszits im eigenen Revier, da Süd- und Nordbaden Ende 1951 zusammengerechnet mehrheitlich gegen das Bindestrich-Bundesland votiert hätten. Durch den Abstimmungsmodus sei das verschleiert worden. „Das neue Bundesland wurde gegen den Willen eines erheblichen Teils der badischen Bevölkerung gebildet“, urteilten die Verfassungsrichter. Die von ihnen anberaumte Neuauflage des Referendums wurde bis 1970 verschleppt und kam erst nach einer neuerlichen Entscheidung aus Karlsruhe zustande. Bis dahin hatten sich die meisten Badener mit den Verhältnissen arrangiert. 81,9 Prozent wollten sich aus dem Südweststaat nicht wieder verabschieden. Dieses Votum klingt wie die allerletzte Strophe des Badnerlieds.




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