Die Sorge vor dem Verlust des Arbeitsplatzes kann stark belastend sein. Foto: Ruckaberle
Die Sorge um den Arbeitsplatz kann zur echten Belastung werden. Warum die Jobverlust-Angst so tief geht, welche Gedankenfallen Sie meiden sollten und welche Strategien helfen.
Die Angst, den Job zu verlieren, belastet derzeit viele Bundesbürger. Welche Auswirkungen die Arbeitsplatzunsicherheit haben kann und wie man ihr begegnet, erklären eine Wirtschaftspsychologin und ein Karriereberater.
„Die Angst vor dem Jobverlust löst bei den meisten Menschen erst einmal Stress aus und wird dadurch belastend“, sagt Wirtschaftspsychologin Katharina Klug von der Uni Bremen. Neben finanziell-wirtschaftlichen Aspekten („Wie lange kann ich meinen Lebensstandard noch halten?“) habe die Arbeitsplatzunsicherheit auch psychologische Auswirkungen.
Viele identifizierten sich mit ihrem Job, weil sie dort ihre Kompetenzen einbringen könnten und gebraucht würden. Klug spricht von „gesellschaftlicher Teilhabe und sozialer Eingebundenheit“. Wenn das bedroht sei, löse das Stress aus – ebenso auch das Gefühl der Unsicherheit und die Situation nicht unter Kontrolle zu haben. Hinzu komme, dass Arbeitslosigkeit für viele mit einem gewissen Stigma verbunden sei. Das mache zusätzlich Angst, sagt Klug.
Jeder sechste Bundesbürger hat Angst um seinen Job
Die Wirtschaftslage ist schlecht, viele Unternehmen bauen Arbeitsplätze ab. Einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung EY zufolge, für die im November 2025 gut 1000 Menschen repräsentativ befragt wurden, hat jeder sechste Bundesbürger Angst um seinen Job – nur in der Finanzkrise 2009 war die Sorge um den Arbeitsplatz größer. Am Ende haben es die Beschäftigen nicht in der Hand, ob sie ihren Arbeitsplatz wegen der Krise verlieren. Doch je mehr Menschen im direkten Umfeld ihren Arbeitsplatz verlieren, desto höher ist auch die eigene Angst, zeigt die psychologische Forschung.
Arbeitsplatzunsicherheit empfänden viele Beschäftigte auch als gewissen Vertrauensbruch, sagt Wirtschaftspsychologin Klug. „Wenn ich als Arbeitnehmer komme und meine Leistung erbringe, erwarte ich dafür auch eine Gegenleistung, also wirtschaftliche Sicherheit“, beschreibt sie es. Das löse weiteren Stress aus. Doch wie kann man dem begegnen? Ist es gar sinnvoll, sich für den Fall der Fälle zu wappnen?
Wirtschaftspsychologin Katharina Klug: Nicht im Angst-Gedankenkarussell versinken Foto: Lukas Klose, Uni Bremen
Entscheidend sei, dass man einen Umgang mit den negativen Gefühlen, die aufkämen, finde, sagt Klug. Man solle sich auf keinen Fall in Grübeleien über die Sorgen und die Ungewissheit verlieren. Offen mit der Angst umzugehen und darüber zu sprechen, könne Entlastung bringen. Helfen könne auch, sich eine Strategie für den Fall der Fälle zurechtzulegen und sich über seine Stärken und Kompetenzen Gedanken zu machen.
„Sich auf keinen Fall verrückt machen und nicht im Angst-Gedankenkarussell versinken“, rät auch Karriereberater Bernd Slaghuis. Entscheidend sei, sich bewusst zu machen, wovor man konkret Angst habe. „Klarheit schafft Sicherheit“, sagt Slaghuis. Er berät etliche Beschäftigte, die in so einer Phase seien, wie er sagt, also Menschen, die befürchten, dass sie ihren Arbeitsplatz verlieren könnten. „Uns geht’s ja noch gut, aber ich weiß nicht, wie es die nächsten Monate weitergeht“, höre er von vielen, sagt der Kölner Karriereberater.
Karriereberater Bernd Slaghuis: Netzwerke pflegen und Unterlagen sichten Foto: Slaghuis
„Wichtig ist, nicht in eine Opferhaltung reinzufallen, sondern Chef oder Chefin des eigenen Lebens zu bleiben“, sagt Slaghuis. Man könne vieles selbst gestalten und aktiv werden, etwa Netzwerke besser pflegen und aktualisieren – sei es das Profil auf Linkedin oder der Austausch mit Kollegen. „Vielleicht tut sich ja auch was in einer anderen Abteilung auf“, nennt er ein Beispiel. Der Karriereberater rät auch, schon mal im Voraus an seinen Unterlagen zu arbeiten, etwa ob der Lebenslauf noch aktuell ist, um „gute Unterlagen in der Schublade zu haben, dass man schnell reagieren kann, wenn es so weit ist“.
Er warnt allerdings vor Panik und vor zu viel Aktionismus. „Nicht sofort eine Bewerbung rausschicken und das Nächstbeste nehmen“, nennt er es. Man müsse einen „gesunden Mittelweg“ finden.
Bei Jobabbau: Transparenz statt Gerüchteküche
Seine Ängste sollte man ernst nehmen und versuchen, nicht alleine damit fertig zu werden, sagt Slaghuis. Ein Gespräch im Familienkreis oder mit Kollegen („Ist das auch deine Wahrnehmung?“) könne helfen. Man könne sich aber auch seinem Vorgesetzten anvertrauen, sofern man eine gutes Vertrauensverhältnis habe, und offen darüber reden, was man im Unternehmen oder bei Kollegen wahrnehme, was das bei einem auslöse und welche Infos man sich wünsche. Eine gute Führungskraft nehme die Sorgen ernst. „Vielleicht habe ich ja eine Führungskraft, die auch ehrlich ist und sagen kann, was sich gerade abspielt – oder gar, dass man sich keine Sorgen machen muss“, formuliert es Slaghuis.
Wirtschaftspsychologin Klug sieht auch die Unternehmen in der Verantwortung. „Wenn klar sei, dass Stellen abgebaut werden müssten, sollten Unternehmen transparent, offen und verlässlich kommunizieren. „Alles unter der Decke zu halten und die Gerüchteküche brodeln zu lassen, verstärkt den Stress eher noch“, sagt sie. Dass die Beschäftigten möglichst gut am Prozess beteiligt würden, könne auch verlorenes Vertrauen wieder herstellen. „Das ist auch wichtig für die, die bleiben“, sagt Klug. Die Forschung zeige, dass nach einem Jobabbau eine erhöhte Arbeitsplatzunsicherheit bleibe, weil man eben nicht wisse, ob es bei der einen Runde bleibe oder noch eine Abbaurunde folge.
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