Nur kurz hat der Auftakt eines Prozesses gegen zwei 26 und 22 Jahre alte Männer vor der 8. Großen Strafkammer des Landgerichts Stuttgart gedauert, denen die Staatsanwaltschaft eine Einbruchserie in Herrenberg und Renningen zur Last legt. Nach der Anklageverlesung wurde der Prozess schon wieder unterbrochen. Anwälte, Staatsanwalt und Richter zogen sich zu Gesprächen über eine mögliche Prozessverständigung zurück. Ein mögliches Ergebnis soll am nächsten Verhandlungstag am 27. Mai bekanntgegeben werden.
Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Angeklagten, die vor ihrer Verhaftung im vergangenen November in Herrenberg und Bondorf gewohnt hatten, insgesamt elf Taten zwischen Juli und November vergangenen Jahres mit einer Beute von rund 45 000 Euro und einem Sachschaden in ähnlicher Höhe vor. Die Anklage lautet auf schweren Wohnungseinbruchsdiebstahl, Diebstahl mit Waffen, einfachen Diebstahl und Sachbeschädigung.
Serie beginnt im Juli 2024
Der 26-Jährige ist laut Anklage Mitte Juli über das Fenster unter einem Lichtschacht in eine Wohnung in Herrenberg eingestiegen und hat dort nach Durchsuchung der Wohnung unter einem Bett 3200 Euro und eine Schreckschusspistole gefunden und mitgenommen. Anfang August soll er mit einem Komplizen dann über eine Terrassentür in eine Wohnung in Renningen eingedrungen sein. Während die Bewohner im ersten Obergeschoss und in einer Einliegerwohnung schliefen, soll der 26-Jährige mit der beim ersten Einbruch entwendeten gezückten Waffe durch die Wohnung gegangen sein und eine Geldbörse mit 350 Euro Bargeld sowie Bankkarten und Ausweisen gestohlen haben.
Stets dasselbe Vorgehen
Ebenfalls Anfang August sei der 26-Jährige in den Gastraum eines Schützenvereins in Herrenberg eingedrungen, indem er ein Fenster eingeschlagen habe. Von dort soll er eine Geldkassette mit 1000 Euro und einen Laptop entwendet haben. Anschließend soll er durch ein weiteres Fenster ins Vereinsheim eingedrungen sein und von dort 1300 Euro gestohlen haben. Der gesamte Sachschaden wird auf rund 2000 Euro beziffert. Ende August sollen beide Angeklagte in ein Büro in Herrenberg eingedrungen sein, indem sie die Bürotür aufgehebelt hätten. Dort hätten sie einen Tresor von der Wand abgeschraubt, der jedoch leer gewesen sei. Hierbei soll ein Sachschaden von 300 Euro entstanden sein.
Jeden Monat mindestens ein Einbruch
Anfang September sind die beiden Männer laut Anklage durch ein Fenster in den Lagerraum einer Baustofffirma in Herrenberg eingedrungen und haben dort eine Kasse mit Hammer und Brecheisen aufgestemmt. Dabei sollen sie 2000 Euro erbeutet haben. Zudem hätten sie Werkzeug und Maschinen im Wert von 1900 Euro entwendet und einen Schaden von knapp 550 Euro verursacht.
Ende September sei ein Schnellrestaurant in Herrenberg-Gültstein Ziel eines Einbruchs der beiden Angeklagten gewesen. Sie sollen eine Scheibe eingeschlagen haben, einen Tresor mit einem Hubwagen entwendet und in einen Straßengraben gewuchtet haben und von dort abtransportiert. Hier soll die Beute 22 000 Euro in Bargeld und Wertschecks betragen, der Sachschaden wurde mit 31 000 Euro beziffert.
„Gewinn“: 20 Euro
Überaus gering sei die Beute bei Tat Nummer sieben Anfang Oktober gewesen, wo die beiden Angeklagten mit zwei weiteren Männern in eine Wohnung in Herrenberg eingedrungen sein und 20 Euro Bargeld und zwei EC-Karten entwendet haben sollen. Diese seien jedoch vor einem möglichen Einsatz gesperrt worden.
Beim Einbruch in eine weitere Firma in Herrenberg Mitte Oktober sollen den beiden Angeklagten 6250 Euro in die Hand gefallen sein, als sie mit Hammer und Zange einen Tresor und einen Rollschrank gewaltsam geöffnet hätten. Dabei sollen sie einen Sachschaden von 500 Euro verursacht haben.
Teilweise großen Schaden angerichtet
Gleich 10 000 Euro Sachschaden sei bei einem Einbruch Mitte November in ein Büro in Herrenberg entstanden, bei dem die beiden Angeklagten ein Fenster eingeschlagen haben sollen und dann einen 700 Kilogramm schweren Tresor aus der Wand gehebelt und abtransportiert haben sollen. Dabei hätten sie 5000 Euro Bargeld erbeutet. In der gleichen Nacht hätten die beiden Männer zudem das Schloss eines E-Bikes geknackt und dieses mitgenommen, das vor einer Gaststätte in Herrenberg gestanden sei. Und schließlich sollen sie noch in derselben Nacht in einen Friseursalon eingebrochen sein, dort knapp 80 Euro Bargeld erbeutet und einen Sachschaden von 250 Euro verursacht haben.
Zu einem möglichen Drogenkonsum als Hintergrund wollten sich beide Angeklagten auf Anraten ihrer Anwälte am ersten Verhandlungstag nicht äußern. Für den Prozess sind sechs weitere Verhandlungstage angesetzt, das Urteil soll Mitte Juli verkündet werden.