Zwei Männer kraulen von Sulz bis Mannheim Die Extrem-Neckarschwimmer

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Zwei Männer wollen den ganzen Neckar herunterkraulen – bis zur Mündung in den Rhein. Der StZ-Redakteur Martin Tschepe ist einer dieser beiden Extremschwimmer.

Extremschwimmer: Martin Tschepe (links) und Volker Heyn vom SV Ludwigsburg Foto: Oliver Halder 6 Bilder
Extremschwimmer: Martin Tschepe (links) und Volker Heyn vom SV Ludwigsburg Foto: Oliver Halder

Ludwigsburg - Manche nennen uns Extremschwimmer. Andere sagen breit grinsend: Richtig, ihr zwei seid echt extrem – extrem bescheuert. Vermutlich stimmt beides. Sicher werden wir uns noch selbst verfluchen wegen dieser Schnapsidee, die seit Jahren in unseren Köpfen herumspukt: Am Samstag, 13. Juni, wird es für uns in Sulz am Neckar bierernst. Dann gibt es kein Zurück mehr.

Volker Heyn, der Vorsitzende des SV Ludwigsburg, und ich, der StZ-Redakteur Martin Tschepe, wollen den Neckar bezwingen. Nicht zu Fuß oder auf dem Radsattel immer am Ufer entlang. Auch nicht in einem Kanu oder einem Ruderboot. Wir wollen schwimmen, gut 300 Kilometer weit kraulen. Bis zur Mündung des Flusses in den Rhein. Wir werden in Sulz starten. Zwischen der Neckarquelle bei Schwenningen und Sulz ist der Fluss nämlich leider nicht viel mehr als ein trauriges Rinnsal. Diesen Abschnitt werden wir notgedrungen auf dem Rad zurücklegen, der Neckar ist hier beim besten Willen noch nicht schwimmbar.

Am ersten Tag werden wir die Fahrräder gegen Mittag nach etwa 60 Kilometern in Sulz im Rathaus abstellen, ins Wasser steigen und dann täglich im Durchschnitt geschätzt 30 Kilometer zurücklegen. Zehn mal 30 Kilometer. Unser Minimalgepäck werden wir in wasserfesten Säcken hinter uns herziehen: T-Shirt, Hose, Handy, Handtuch, Zahnbürste, Kreditkarte und ein bisschen Bargeld, viel mehr wird nicht reinpassen. Wir haben keine Begleiter an Land, würden aber gerne bei Privatleuten unterkommen, die wir größtenteils bis dato noch nicht kennen. Wo wir essen werden? Keine Ahnung. Wir werden am Ufer schon alle paar Stunden ein Gasthaus oder zumindest eine Imbissbude finden. Oder nette Menschen, die uns etwas zustecken, vielleicht eine Banane oder ein belegtes Brötchen oder eine Cola.

Ehrgeiziger Zeitplan

Die ersten Stationen haben wir zwar grob ins Visier genommen, wissen aber nicht, ob der ehrgeizige Zeitplan einzuhalten ist. Am ersten Tag haben wir vor, nach der Radtour noch bis nach Horb zu kraulen – rund 15 Kilometer – und im Gasthof zum Schiff abzusteigen. Der Name passt doch ganz gut zu so einem Flussprojekt. Am Sonntag dann die längste Etappe, rund 40 Kilometer bis Tübingen, allerdings mit ordentlich Rückenwind. Bis Plochingen dürfte uns die Strömung des Neckars beim Vorankommen helfen. Später ist der Fluss schiffbar, die vielen Schleusen bremsen seine Fließgeschwindigkeit fast auf null.

Am Montag wollen wir in Neckarhausen bei Nürtingen ankommen, wo uns mein ­Redakteurskollege Thomas Faltin für die Nacht aufnimmt. Ganz dick im Kalender markiert ist der Donnerstag, 18. Juni. An diesem Tag wollen wir gerne in Ludwigsburg Station machen, auf dem Gelände unseres Schwimmvereins direkt am Neckarufer, inklusive Fest für alle, die uns treffen wollen. Am folgenden Freitag nehmen uns Freunde im Kirchheim auf. Alles Weitere wird sich schon ergeben. Wir sind und bleiben optimistisch. Ein paar andere Schwimmer wollen uns abschnittsweise im Neckar begleiten. Gerne. Am allerliebsten wären uns freilich Mitschwimmer, die uns nach der Tagesetappe für die kommende Nacht gleich zu sich nach Hause einladen.

Wir haben mehrere Sponsoren. Einer dieser Gönner hat versprochen, alle Übernachtungen am Neckarufer zu bezahlen. Das Geld, das wir sparen, falls wir privat unterkommen sollten, fließt komplett in die Spendenkasse. Wir sammeln nämlich für ein Schwimmangebot für behinderte Menschen in Ludwigsburg.