Zwei Neubauten Renningen braucht mehr Wohnräume für Geflüchtete

Im Süden von Malmsheim soll ein Wohngebäude für 35 Geflüchtete entstehen, das anschließend flexibel nutzbar sein soll. Foto: Jürgen Bach

Zusätzlich zu den bereits geplanten Containeranlagen sollen zwei Bauten entstehen, im Vereinsdorf sowie in der Merklinger Straße.

Die Stadt Renningen braucht mehr Wohnunterkünfte für Flüchtlinge. Zusätzlich zu den bereits geplanten Wohncontainern auf dem Festplatz und an der Voithstraße sollen noch zwei weitere Anlagen beziehungsweise Wohnhäuser gebaut werden. Dafür gibt es Fördergeld vom Land, trotzdem kann die Stadt nach zehn Jahren über die Gebäude frei verfügen, sobald Kapazitäten frei werden. Einer der Bauten wird sich im Vereinsdorf befinden, der andere in Malmsheim im Bereich Merklinger Straße/Auenweg.

 

Aktuell befinden sich um die 180 Menschen mit Fluchthintergrund in Renningen. Die Prognose für das Restjahr 2023 lautet, dass noch mindestens 63 weitere Menschen hinzukommen. Für 2024 geht die Stadt von circa 80 aus. „Wir haben immer eine dezentrale Unterbringung bevorzugt“, sagte der Erste Beigeordnete, Peter Müller, in der Gemeinderatssitzung am Montag. Also in privaten Wohnungen, verteilt übers Stadtgebiet. Auf diese Weise könne Integration sehr viel leichter gelingen, als wenn die Menschen irgendwo abgeschottet leben. Doch die Zahl an privaten Wohnungen reicht nicht mehr aus.

110 bis 130 Plätze werden voraussichtlich benötigt

Die Renninger Stadtverwaltung geht davon aus, dass bis Ende 2024 durch die Anmietung von Privatwohnungen, die Wohnanlage am Festplatz und die an der Voithstraße 111 Plätze entstehen werden. 110 bis 130, so die Schätzung, werden benötigt. Also einfach nichts weiter tun, die Hände in den Schoß legen und das Beste hoffen? Aus Sicht der Stadtverwaltung keine wirkliche Alternative. „Wir lägen damit am unteren Rand und hätten keinen Puffer nach oben“, so Müller. Hinzu komme, dass die Container am Festplatz nicht dauerhaft genutzt werden können, weil der Platz irgendwann wieder als Festplatz genutzt werden soll und weil der Standort an den Bahngleisen extrem lärmbelastet ist.

Aus diesen Gründen schlägt die Verwaltung bis Mitte 2025 die Fertigstellung von zwei dauerhaften Unterkünften vor. 80 Menschen sollen in den Neubauten, wegen der kurzen Bauzeit entweder als Container oder Modulbau geplant, unterkommen. Idealerweise sollen die Bauten klassische Wohnungsgrundrisse bekommen, spezifizierte Peter Müller. Der Hintergrund: Die Stadt kann Geld aus dem Landesförderprogramm „Wohnraum für Geflüchtete“ erhalten. Die einzige Auflage dafür lautet, dass die Gebäude für wenigstens zehn Jahre für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt werden. Danach kann die Stadt sie bei Bedarf auch für andere Zwecke nutzen. „Daraus ergibt sich die Chance einer Folgenutzung als bezahlbare städtische Mietwohnungen, für die ebenfalls ein großer Bedarf besteht“, so Müller.

Grundstück muss bereits der Stadt gehören

Doch wo wäre dafür ein geeigneter Standort? Klar war, dass das Grundstück bereits der Stadt gehören muss. „Die Zeit ist zu knapp für Grundstücksverhandlungen.“ Außerdem muss bereits Baurecht bestehen, ein ganz neuer Bebauungsplan würde zu viel Zeit beanspruchen. Und der Platz muss natürlich ausreichend sein für drei Gebäude für insgesamt 80 Personen.

Mit diesen Kriterien im Hinterkopf suchte die Stadt nach geeigneten Flächen. Infrage kamen unter anderem ein Areal am südlichen Ende der Weil der Städter Straße, nahe dem Einkaufszentrum Renningen-Süd, sowie ein Grundstück im neuen Wohngebiet Schnallenäcker III. Alle erwiesen sich jedoch als weniger geeignet. Das Areal an der Weil der Städter Straße zum Beispiel liegt sehr dicht an der Hauptstraße und ließe sich später noch gut als Gewerbefläche vermarkten. In Schnallenäcker III soll die Fläche genutzt werden, um ohnehin schon rar gesäte bezahlbare Wohnungen für die Bevölkerung zu schaffen.

Ein Bau fürs Vereinsdorf, einer für die Merklinger Straße

Die Wahl fiel letztlich auf eine Mischlösung. Ein Gebäude für etwa 40 Menschen wird im Vereinsdorf an der Gottfried-Bauer-Straße entstehen. Der Standort ist aus Sicht der Stadt nicht ganz ideal, weil die Wohnungen nicht dauerhaft bewohnt werden können. Allerdings käme eine spätere Vereinsnutzung infrage. „Wir würden hier deshalb nicht mit Wohnungsgrundrissen arbeiten, sondern mit Sammelunterkünften mit Gemeinschaftsräumen, also mit größeren Gemeinschaftsküchen und Sanitärbereichen“, erklärte Peter Müller. Zudem würde sich hier ein Containerbau anbieten.

Der zweite Standort liegt an der Ecke Merklinger Straße/Auenweg. Im Bereich der derzeitigen Krautgärten soll ein größeres Gebäude für weitere 35 Personen entstehen. „Der Standort ist wohngebietsnah, dennoch besteht eine Zäsur zur bestehenden Wohnbebauung im Norden durch die Kreisstraße und nach Osten durch das Regenüberlaufbecken“, erklärte Peter Müller die Überlegungen der Verwaltung. Hier würde man mit einem Modulbau planen, um eine Anschlussnutzung als bezahlbare Wohnungen zu ermöglichen.

Nicht umgesetzt wird dagegen die Option, drei Gebäude für 80 Menschen an der Merklinger Straße zu realisieren. Die Gesamtkosten dafür hätten geschätzt bei rund acht Millionen Euro gelegen. Für die Mischlösung sind es voraussichtlich um die vier Millionen. Die Kosten sind förderungsfähig. Wegen der Benutzungsgebühren, die die Stadt jährlich erhalten wird, fielen die jährlichen Abschreibungen zudem nicht so stark ins Gewicht, so Müller. Der Gemeinderat befürwortete den Vorschlag der Verwaltung bei einer Gegenstimme.

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