Zwei skurrile Vorfälle auf dem Talhof in Korntal Nächtlicher Besucher stellt sich der Polizei

Ist erleichtert: Talhof-Betriebsleiter Philipp Hartmeyer Foto: Simon Granville

In einer Nacht Ende August hatte ein Mann auf dem Korntal-Münchinger Gehöft Pferde gesattelt und weggeführt. Vor wenigen Tagen kehrte er zurück und versuchte es erneut. Nun herrscht Klarheit in beiden Fällen.

Leonberg: Marius Venturini (mv)

Von Philipp Hartmeyers Schultern hat sich am Wochenende gefühlt eine komplette Gerölllawine gelöst. „Jetzt können wir wieder ruhig schlafen“, sagt der Betriebsleiter des Korntaler Talhofs. Denn er hatte in den vergangenen Wochen nicht eben gute Nächte gehabt. Zu stark wirkten die Ereignisse aus einer Nacht Ende August dieses Jahres nach. Ein Unbekannter war in die Stallungen eingestiegen, hatte Pferde gesattelt und nach draußen geführt – möglicherweise war er auch auf einem der Tiere geritten. Doch damit nicht genug: Ähnliches wiederholte sich vor Kurzem in der Nacht zum Dienstag, 15. Oktober.

 

Am Freitag stellt sich ein 28-Jähriger bei der Polizei

Der Grund für Hartmeyers Erleichterung: Am vergangenen Freitag stellte sich ein 28-jähriger Mann bei der Polizei und gab sich als Verantwortlicher für die nächtlichen Besuche zu erkennen. „Das Motiv ist noch Gegenstand der Ermittlungen. Es gibt derzeit jedoch keine Hinweise darauf, dass der junge Mann die Tiere stehlen wollte“, vermeldet das Polizeipräsidium Ludwigsburg.

Philipp Hartmeyer berichtet von Details. Bei dem 28-Jährigen handle es sich laut seiner Aussage um einen Mann mit einer geistigen Beeinträchtigung. „Er liebt offenbar Pferde und war sich der Tragweite seines Handelns gar nicht bewusst.“ Dass er sich nun bei der Polizei gemeldet hat, hing vor allem mit Bildern der Überwachungskameras zusammen, die Hartmeyer nach dem neuerlichen Vorfall in den Sozialen Medien gepostet hatte. Wie schon Ende August war auch diesmal das Gesicht des Mannes klar zu sehen. Der Arbeitgeber des 28-Jährigen erkannte ihn schließlich und kam mit ihm überein, zur Polizei zu gehen. Auch sei der junge Mann bereit, sich zu entschuldigen. Am Samstag erreichte die Nachricht dann auch Philipp Hartmeyer.

Um 5 Uhr morgens steht ein Pferd frei im Hof

Der hatte nicht schlecht gestaunt, als er an diesem Dienstag vor einer Woche um kurz nach 5 Uhr morgens das Pferd eines Einstellers frei im Hof stehen sah – fix und fertig aufgezäumt und gesattelt. Nach Kontrolle der Kameraaufnahmen zeigte sich das gleiche Schema wie Ende August: Ein Mann holt in aller Gemütsruhe ein Pferd aus einer Box, ohne sich auch nur im Ansatz die Mühe zu machen, sein Gesicht zu verbergen. Daraufhin veröffentlichte Hartmeyer, wie bereits beim ersten Vorfall, Aufnahmen der Kameras und setzte in seiner Verzweiflung sogar eine Belohnung aus.

In jener Nacht Ende August hatte der 28-Jährige als erstes Hartmeyers vierjährigen Hengst Ciro Blue gesattelt und war mit ihm entschwunden. Allerdings kehrte er wenig später ohne das Tier zurück. Doch auch Ciro Blue kam wieder und machte Radau, in den die anderen Pferde mit einstimmten. So wurden die Betreiber des Talhofs wach und auf die Situation aufmerksam – den Grund für die Unruhe erblickten sie jedoch erst auf den Aufnahmen. Ebenso wurde klar, dass der 28-Jährige mit dem Fahrrad in Richtung Neuwirtshaus davongefahren war.

Betreiber: Werde wohl auf Anzeige verzichten

Beide nächtlichen Besuche hat der Talhof-Betriebsleiter bei der Polizei angezeigt. „Ich denke, auf diese Anzeigen werde ich jetzt verzichten“, sagt er nun. Weder seien Pferde verletzt oder gestohlen worden, noch habe Equipment Schaden genommen. Einzig an den Nerven habe es ganz schön gezehrt. Zwischenzeitlich hat er auch weitere Meldeanlagen in den Stallungen installieren lassen. „Außerdem ist er bereit, sich zu entschuldigen“, so Hartmeyer weiter, der betont: Wäre der junge Mann einfach so auf den Talhof gekommen und hätte sein Interesse für Pferde bekundet, „wäre das überhaupt kein Problem gewesen“. Die Möglichkeit zu einem „offiziellen“ Besuch war auch Stand Montagmittag noch nicht vom Tisch.

Verbindungen zu Fall in Weil der Stadt fraglich

Ob die nun aufgeklärten Vorkommnisse mit einer Beobachtung in Weil der Stadt zusammenhängen, darf damit als fraglich gelten. Auf dem dortigen Güthlerhof nahe der Gemarkungsgrenze zu Renningen hatte Mitte August ein Mann in einem dunklen SUV abends die Stallungen ausgespäht, während er im Schritttempo vorbeifuhr. Beim Polizeipräsidium bestätigt man auf Nachfrage die unveränderte Sachlage: „Bei den bisherigen Ermittlungen haben sich keine Verbindungen ergeben.“ Als Philipp Hartmeyer nach dem ersten Vorfall die Bilder veröffentlicht hatte, meldete sich Gabriele Siegle vom Weiler Hof bei ihm.

Beide einte die Sorge, dass Pferden – oder Reiterinnen und Reitern – etwas zustoßen könnte.

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