Stuttgart - TSV Weilimdorf gegen FC Barcelona. Solch ein Duell ist im Fußball etwa genauso wahrscheinlich wie ein WM-Titel-Gewinn von Papua-Neuguinea. Doch im Futsal könnte es mit etwas Fantasie durchaus einmal zu einem Aufeinandertreffer dieser extrem ungleichen Clubs kommen. Denn der TSV Weilimdorf darf als deutscher Meister an der Champions League teilnehmen, muss sich vom 21. bis zum 24. August im Sindelfinger Glaspalast allerdings erst noch für die Hauptrunde der Königsklasse qualifizieren.
„Das ist der große Reiz, der vom Futsal ausgeht. Als normaler Fußballer kannst du im Normalfall von solchen Highlights nicht träumen“, sagt TSV-Spielleiter Michael Bachmann. Die Bezeichnung Bundesligaspieler haben seine Kicker schon geschafft. Denn in der vom Weltfußballverband Fifa anerkannten Variante des Hallenfußballs gibt es künftig in Deutschland erstmals eine Bundesliga. Zehn Vereine sind vom ersten Spieltag am 3. September an am Start: 1. FC Penzberg, 1894 Berlin, TSG 1846 Mainz-Bretzenheim, Hamburger SV Panthers, Fortuna Düsseldorf, MCH Bielefeld-Sennestadt, VfL 05 Hohenstein-Ernstthal (Hot 05), Hamburg Wakka Eagles und eben die Stuttgarter Clubs TSV Weilimdort und Stuttgarter Futsal Club 2020, der sich in den Aufstiegsspielen gegen den FC St. Pauli durchgesetzt hat. „Das freut uns natürlich sehr, dass es zu einem Stuttgarter Derby kommt und wir nicht drei Hamburger Clubs als Gegner haben“, sagt Michael Bachmann, der bereits 2019 die Deutsche Futsal-Meisterschaft mit dem TSV feiern konnte.
NAFI Stuttgarter Vorreiter
Warum Stuttgart neben der Elbmotropole so etwas wie die Futsal-Hauptstadt in Deutschland ist? Für Bachmann liegt dies zum einen an der Tradition. NAFI Stuttgart holte bereits 2014 die deutsche Futsal-Meisterschaft in die Landeshauptstadt. „Und dann gibt es eben unglaublich viele Spieler und Vereine mit kroatischen, bosnischen oder mazedonischen Wurzeln in der Region – und auf dem Balkan ist Futsal ein Volkssport, zu einem Derby in Zagreb kommen 6000 Zuschauer“, weiß der Weilimdorfer Spielleiter.
Präsident und Mäzen in Personalunion
Die Attraktivität des technisch anspruchsvollen Budenzaubers hat es auch Miroslav Augustinovic angetan. Der Stuttgarter Unternehmer (Bauwerkinstandsetzung, Fußbodensanierung) mit den kroatischen Wurzeln ist in Personalunion Präsident und Mäzen des erst 2020 gegründeten Stuttgarter Futsal Club. „Wir sind im Express-Tempo in die Bundesliga gerauscht“, sagt der Geschäftsführer Wolfram Bunz, der im Fußball auch schon für den TSV Harthausen, den TSV Plattenhardt und vor vielen Jahren kurz für den SSV Ulm 1846 unterwegs war.
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Er nennt seinen Verein „Hoffenheim light“, weil es – ähnlich wie einst beim Emporkömmling aus dem Kraichgau – keinen professionellen Hintergrund gibt. Doch daran wird gearbeitet. Es gibt in Goran Melher einen Teammanager nach englischem Modell, ein Unterbau mit U21 und U23 ist in Planung und an der Sponsorenakquise wird gearbeitet.
Heimspiele in der Scharrena?
Da passt es ins Bild, dass der aufstrebende Club sich um die Scharrena als Heimspielstätte bemühen möchte. Es könnte zum Vorteil werden, dass die Bundesliga-Handballer des TVB Stuttgart künftig alle ihre Heimspiele in der Porsche-Arena austragen und die Stadt einem zweiten Heimteam neben den Bundesliga-Volleyballerinnen von Allianz MTV Stuttgart offen gegenüber stehen dürfte. „Das wäre natürlich ein Glücksfall für uns“, sagt Wolfram Bunz, zumal der Deutsche Fußball-Bund (DFB) gewisse Standards in Sachen Vermarktungsmöglichkeiten und TV-Übertragungen für sein neues Produkt Futsal-Bundesliga von den Gründungsmitgliedern einfordert.
Auf bis zu 150 000 Euro beläuft sich der Etat eines erstklassigen Futsal-Teams in Deutschland. Vier- bis fünfmal pro Woche wird trainiert. Die wenigsten Spieler haben eine Profivergangenheit in Deutschland wie Weilimdorfs Manuel Fischer. Der 31-Jährige feierte einst mit 18 Jahren im Fußballtempel Camp Nou sein Profidebüt im Spiel des VfB Stuttgart beim FC Barcelona. Vielleicht schließt sich der Kreis – im Dress des TSV Weilimdorf. „Es wäre der helle Wahnsinn. Barcelona dürfte für sein Futsalteam drei, vier, fünf Millionen Euro aufwenden“, vermutet Bachmann.