Zwei Wochen vor der Tour de France Tadej Pogacar und sein Team sind voll auf der Höhe

Die Vorbereitung in den Bergen läuft plangemäß für Tadej Pogacar. Foto: dpa/Eric Lalmand

Der Radsport-Superstar aus Slowenien bereitet sich in den Seealpen auf die Frankreich-Rundfahrt vor – und freut sich über gute Nachrichten von seinen UAE-Kollegen, die bei der Tour de Suisse Geschichte geschrieben haben.

Sport: Jochen Klingovsky (jok)

Es sind nur noch knapp zwei Wochen bis zum Start der Tour de France, was sich auch daran gut erkennen lässt, dass die Zahl der Posts über Radprofis, die bei ihrer Vorbereitung auf den Saisonhöhepunkt gesichtet werden, in den sozialen Medien stetig zunimmt. Ein Bild vom Sonntag zeigt Tadej Pogacar auf der Café-Terrasse von Sant’Anna di Vinadio, der höchstgelegenen Wallfahrtskirche Europas (2035 Meter). Der slowenische Superstar macht dort mit einigen Gefährten aus dem UAE-Team ein Päuschen, und er wirkt dabei bestens gelaunt. Das ist, trotz des spirituellen Ortes, an dem er sich befindet, aber auch kein Wunder.

 

Zum einen läuft das Höhentrainingslager des Tour-Favoriten, der sich mit seinem Tross in den französischen Seealpen in Isola 2000 einquartiert hat, wo am 19. Juli die Königsetappe der Rundfahrt endet, bislang plangemäß. Und zum anderen erreichten Pogacar zuletzt höchst positive Nachrichten: Im Kampf ums Gelbe Trikot wird er eine Top-Mannschaft an seiner Seite haben.

Vier Doppelsiege für Yates und Almeida

Adam Yates, sein wichtigster Adjutant, der 2023 in Paris als Dritter ebenfalls auf dem Podium stand, ist in herausragender Form. Aber nicht nur er. Adam Yates und Joao Almeida dominierten die Tour de Suisse, wie es nie zuvor zwei Fahrer aus einem Team getan hatten. Das UAE-Duo feierte bei den letzten vier (!) Etappen Doppelsiege, und natürlich machten der Brite und der Portugiese auch die Gesamtwertung unter sich aus. Am Ende lag Yates 22 Sekunden vor seinem Kumpel Almeida. Hinterher vergaben sie die Note Eins mit Sternchen an sich selbst. „Ich glaube nicht, dass wir es besser hätten machen können. Es war die perfekte Vorbereitung auf die Tour de France“, meinte Almeida. Und Yates sagte: „Wir fahren mit einem starken Team und viel Selbstvertrauen nach Frankreich. Wenn wir keine Fehler machen, wird es ein tolles Rennen.“ Darüber habe man sich auch mit Pogacar ausgetauscht, und zwar ständig. „Er hat die ganze Zeit Nachrichten geschickt“, sagte Yates mit einem Lächeln, „wir werden voll für Tadej fahren.“

Für die Konkurrenz muss sich das anhören wie eine Drohung. Denn zum Tour-Aufgebot von UAE gehören zudem ja noch die spanischen Bergspezialisten Juan Ayuso und Marc Soler. „Wir haben ein Fünf-Sterne-Team“, erklärte Pogacar. Bester Beleg für diese These: Für Rafal Majka, zuletzt beim Giro wichtigster Helfer von Pogacar, wird diesmal wohl kein Platz sein. „Killerkommando“ nannte Geraint Thomas, der Star aus dem britischen Rennstall Ineos, kürzlich voller Ehrfurcht die Gruppe, die das UAE-Team nach Frankreich entsenden wird. „So ist es!“, antwortete Pogacar mit einem Augenzwinkern: „Es verängstigt sogar mich.“ Ein großes Fragezeichen gibt es trotzdem.

Wird Jonas Vingegaard bei der Tour de France dabei sein?

Auch von Jonas Vingegaard tauchen immer wieder Fotos in den sozialen Netzwerken auf. Der Däne trainiert ebenfalls in den Alpen für die Tour de France, bei der er gerne den dritten Sieg in Serie feiern würde. Ob er dazu in der Lage sein wird, weiß aber derzeit wohl nicht einmal er selbst. Im April hatte sich der Kapitän der niederländischen Visma-Equipe bei der Baskenland-Rundfahrt schwer an der Lunge verletzt, das Schlüsselbein und mehrere Rippen gebrochen. Die Tour wäre das erste Rennen seit dem Horrorsturz. Visma-Teamchef Richard Plugge („Wie gut Pogacar tatsächlich ist, wird man erst merken, wenn er auf ebenbürtige Gegner trifft“) wünscht sich nichts mehr als einen Start seines Stars am 29. Juni in Florenz, wo die Frankreich-Rundfahrt beginnt. Zugleich beziffert er die Chance auf ein Comeback Vingegaards auf 50:50. Der große Konkurrent stellt derweil eine andere Rechnung auf.

Beim Team UAE gehen alle davon aus, dass es erneut zum Duell der beiden Super-Rundfahrer kommen wird. „Vingegaard trainiert seit Wochen in der Höhe, überall lese ich, wie hart er dort arbeitet“, sagt Sportchef Joxean Fernandez Matxin, „ich bin sicher, dass er bei der Tour am Start stehen wird, und zwar in Topform. Er ist der große Favorit.“ Allerdings nicht der einzige, das habe der Giro bewiesen: „Dort“, erklärt Matxin, „fuhr der beste Pogacar, den ich je gesehen habe.“

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