Zweifel am Ur-Porsche Rätselraten um das „P 1“

Wie alt ist wohl der Einschlag in der Nabenmitte?  Foto: dpa 5 Bilder
Wie alt ist wohl der Einschlag in der Nabenmitte?  Foto: dpa

Mit viel Wirbel ist vor vier Wochen das Egger-Lohner-Elektromobil C.2 aus dem Jahre 1898 im Porsche-Museum präsentiert worden. Bloß: stammt der Einschlag „P 1“ tatsächlich von Ferdinand Porsche?

Digital Unit : Dominika Jaschek (dja)
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Stuttgart - Als das Porsche-Museum in Zuffenhausen vor vier Wochen seinen fünften Geburtstag feierte, zog ein neues Exponat in die Dauerausstellung: ­Öffentlichkeitswirksam wurde das Egger-Lohner-Elektromobil C.2 aus dem Jahre 1898 präsentiert. Als Besonderheit des Fahrzeuges wurden die P-1-Markierungen hervorgehoben, die Ferdinand Porsche angeblich in alle wichtigen Bauteile einschlug, um damit seine Urheberschaft als Konstrukteur zu sichern. Doch genau an der Echtheit dieses Kürzels hegt das Technische Museum Wien, in dessen Depot das Fahrzeug mehrere Jahrzehnte gelagert war, nun Zweifel. „Als wir im Jahre 2009 ein Gutachten zu diesem Fahrzeug erstellen ließen, haben wir an keiner Stelle eine solche Markierung ausmachen können“, sagt Anne-Katrin Ebert, Sammlungsleiterin Verkehr des Technikmuseums in Wien.

Für das Porsche-Museum war dies Anlass genug, eine Reihe von Gutachten in Auftrag zu ­geben. Drei von vier Untersuchungen sind bereits abgeschlossen, die spannendste jedoch steht noch aus: Ein Spektralgutachten der Radnaben soll Aufschluss darüber geben, ob das P 1 erst in den vergangenen Jahren oder bereits vor einem Jahrhundert eingeschlagen wurde. Mit einem Ergebnis rechnet der Leiter des Porsche-Museums, Achim Stejskal, am Montag. Eine vorläufiges Werkstoff- und Materialgutachten konnte bisher weder bestätigen noch widerlegen, dass der P-1-Einschlag erst in den vergangenen Jahren in die Radnaben eingefügt wurde.

Die Echtheit der Karosse steht nicht in Frage

Wolfgang Porsche, Aufsichtsratsvorsitzender der Porsche AG, hatte die Karosse im vergangenen Jahr erworben und dem Porsche-Museum zur Verfügung gestellt. Zum Verkäufer des Modells wurden keine Details genannt – ebenso wenig zum Kaufpreis. Von einem „unschätzbaren Wert für die Porsche-Historie“ sprach Stejskal damals. „Unabhängig von dem Kürzel ist das Egger-Lohner-Modell ein wichtiges historisches Zeugnis der frühen Porsche-Geschichte“, sagt er und ergänzt: „Die Urheberschaft von Ferdinand Porsche an dem Antrieb ist historisch nachgewiesen.“ An der Authentizität des Fahrzeugs zweifelt er dabei allerdings nicht und verweist auf die abgeschlossenen Gutachten.

Eines von ihnen hat die Restauratorin Gundula Tutt erstellt. Sie hat die Oberfläche und Lacke des Autos untersucht und kommt zu dem Ergebnis: „Die vorhandenen Beschichtungen entsprechen in der Zusammensetzung der Bindemittel, die für Fahrzeuge um 1900 benutzt worden.“

Ein weiteres Gutachten stammt von Kurt Möser, Technikhistoriker und Professor am Karlsruher Institut für Technologie. Er hat sich insbesondere mit der Rolle Porsches für den Bau des Modells beschäftigt. „Er hat entscheidend an der Entwicklung des Motors mitgewirkt“, sagt Möser. Ob das P 1 tatsächlich von dem jungen Ingenieur stammt, kann er nicht beurteilen: „An solch einem Fahrzeug finden sich extrem viele Nummern, jede einzelne richtig einzuschätzen ist mit bloßem Auge nicht möglich.“

Buchautor vermutet Spekulation auf einen höheren Pres

Gunter Haug, Autor des Buches „Ferdinand Porsche – ein Mythos wird geboren“, kann sich nur schwer vorstellen, dass Porsche persönlich vor über 100 Jahren die Radnaben mit seinem Kürzel markiert hat. „Der junge Porsche war damals zwar ein wichtiger Ingenieur, aber trotzdem nur ein Angestellter in den Egger-Lohner-Werken“, sagt er. „Hätten die gesehen, dass er sich auf der Karosse verewigt hat, wäre er sofort entlassen worden.“ Haug hat eine ganz andere Erklärung dafür, wie das P 1 auf die Radnaben gekommen ist: „Der Verkäufer wollte den Kaufpreis nach oben treiben.“ Denn ein allererster Porsche sei natürlich wesentlich mehr wert als eine Nummer zwei oder drei.

Genau wie Stejskal, Möser und Tutt jedoch zweifelt auch Haug nicht an der Relevanz des Modells, unabhängig von dem P-1-Einschlag. „Es ist und bleibt der Ur-Porsche“, sagt er. Sollte sich der Einschlag als Fälschung rausstellen, bleibt das Model deswegen trotzdem im Porsche-Museum stehen. Nur unter dem inoffiziellen Namen P 1 würde das Model wohl dann allerdings nicht mehr ausgestellt werden.




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